Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Multiple Sklerose: Wachstumsfaktor-Mangel begünstigt Nervenzerstörung

04.06.2002


Würzburger Forscher haben erstmals den Nachweis dafür erbracht, dass ein Mangel an dem neurotrophen Zytokin ("Wachstumsfaktor") CNTF für den Verlauf chronischer Entzündungsreaktionen im Gehirn wichtig ist. Dadurch ergeben sich neue Aspekte für die Behandlung der Multiplen Sklerose.

Bei der Multiplen Sklerose (MS) und anderen chronisch-entzündlichen Erkrankungen des Gehirns und Rückenmarks spielt das Immunsystem eine wesentliche Rolle für das Zustandekommen der Entzündungsreaktion. Damit verbunden ist die Zerstörung von Nervenfortsätzen (Axonen). Unklar war bisher, welche Faktoren die Zerstörung beeinflussen.

Dr. Ralf Linker und seine Kollegen aus der Würzburger Neurologischen Klinik und dem Institut für Klinische Neurobiologie haben gezeigt, dass eine Entzündung bei einem Mangel an dem neurotrophen Zytokin CNTF die Hülle (Myelinscheide) der Axone schwer beschädigt und schließlich zu deren Untergang führt. Darüber hinaus schwächt der CNTF-Mangel die natürlichen Reparaturvorgänge im Gehirn deutlich ab.

Über diese Ergebnisse berichten die Würzburger Forscher, die als experimentelles Modell für die Multiple Sklerose die autoimmune Encephalomyelitis verwendeten, in der Juni-Ausgabe 2002 von "Nature Medicine". Im gleichen Heft ist auch die Arbeit einer australischen Forschungsgruppe publiziert: Diese konnte durch eine Therapie mit einem ähnlichen neurotrophen Faktor den Krankheitsverlauf am selben Modell mildern. Das untermauert die Würzburger Erkenntnisse.

Doch auch für die MS selbst gab es aus der Würzburger Forschungsgruppe kürzlich Hinweise darauf, dass der Faktor CNTF bedeutsam ist: Untersuchungen an einer sehr gut charakterisierten Gruppe von MS-Patienten ergaben, dass bei einem genetisch bedingten CNTF-Mangel (ein solcher kommt bei drei Prozent der Bevölkerung vor) die MS zwar nicht häufiger auftritt, aber früher beginnt und schwerer verläuft. Diese Arbeit von Dr. Ralf Gieß, Dr. Mathias Mäurer und anderen erschien 2002 in den "Archives of Neurology" 59, Seiten 407-409.

Die jüngsten Ergebnisse aus Würzburg wurden im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 581 gewonnen. Die darin tätigen Wissenschaftler erforschen molekulare Mechanismen bei Entzündungsreaktionen des Nervensystems sowie bei neurodegenerativen Erkrankungen. Aus der jetzt gemachten Entdeckung eines ersten krankheitsmodulierenden Faktors bei der Multiplen Sklerose ergeben sich neue therapeutische Aspekte, die von den Würzburger Neuro-Forschern und anderen Wissenschaftlern in Zukunft intensiv untersucht werden.

Weitere Informationen: Dr. Ralf Linker oder Prof. Dr. Ralf Gold, Klinische Forschungsgruppe für Multiple Sklerose und Neuroimmunologie, Neurologische Klinik und Poliklinik der Universität, Josef-Schneider-Straße 11, 97080 Würzburg, T (0931) 201-23756, Fax (0931) 201-23488, E-Mail:

ralf.linker@mail.uni-wuerzburg.de


r.gold@mail.uni-wuerzburg.de

Adolf Kaeser | idw

Weitere Berichte zu: CNTF Entzündungsreaktion Multiple Sklerose

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore
19.07.2018 | Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz

nachricht Verminderte Hirnleistung bei schwachem Herz
18.07.2018 | Universitätsklinikum Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Im Focus: Was passiert, wenn wir das Atomgitter eines Magneten plötzlich aufheizen?

„Wir haben jetzt ein klares Bild davon, wie das heiße Atomgitter und die kalten magnetischen Spins eines ferrimagnetischen Nichtleiters miteinander ins Gleichgewicht gelangen“, sagt Ilie Radu, Wissenschaftler am Max-Born-Institut in Berlin. Das internationale Forscherteam fand heraus, dass eine Energieübertragung sehr schnell stattfindet und zu einem neuartigen Zustand der Materie führt, in dem die Spins zwar heiß sind, aber noch nicht ihr gesamtes magnetisches Moment verringert haben. Dieser „Spinüberdruck“ wird durch wesentlich langsamere Prozesse abgebaut, die eine Abgabe von Drehimpuls an das Gitter ermöglichen. Die Forschungsergebnisse sind jetzt in "Science Advances" erschienen.

Magnete faszinieren die Menschheit bereits seit mehreren tausend Jahren und sind im Zeitalter der digitalen Datenspeicherung von großer praktischer Bedeutung....

Im Focus: Erste Beweise für Quelle extragalaktischer Teilchen

Zum ersten Mal ist es gelungen, die kosmische Herkunft höchstenergetischer Neutrinos zu bestimmen. Eine Forschungsgruppe um IceCube-Wissenschaftlerin Elisa Resconi, Sprecherin des Sonderforschungsbereichs SFB1258 an der Technischen Universität München (TUM), liefert ein wichtiges Indiz in der Beweiskette, dass die vom Neutrino-Teleskop IceCube am Südpol detektierten Teilchen mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Galaxie in vier Milliarden Lichtjahren Entfernung stammen.

Um andere Ursprünge mit Gewissheit auszuschließen, untersuchte das Team um die Neutrino-Physikerin Elisa Resconi von der TU München und den Astronom und...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Automatisiertes Befüllen von Regalen im Einzelhandel

19.07.2018 | Verkehr Logistik

Mobilfunkstrahlung kann die Gedächtnisleistung bei Jugendlichen beeinträchtigen

19.07.2018 | Studien Analysen

Mit dem Nano-U-Boot gezielt gegen Kopfschmerzen und Tumore

19.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics