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Neuer Ballonkatheter gegen Arteriosklerose

14.02.2008
Aktuell im New England Journal of Medicine "Neuer Ballonkatheter gegen Arteriosklerose"

Zusätzlicher Wirkstoff verhindert Wiederverschließen von Arterien

Tübinger Wissenschaftlern ist es erstmals gelungen nachzuweisen, dass durch einen mit Medikamenten beschichteten neuen Ballonkatheter verengte Gefäße in den Beinen so aufgedehnt werden können, dass sie sich anschließend nicht wieder verschließen. Amputationen können so verhindert werden.

Dies ist für Patienten, die unter Durchblutungsstörungen der Beine leiden, ein wichtiger Therapiefortschritt. Die Ergebnisse der Studie, die von Professor Gunnar Tepe an der Radiologischen Klinik des Tübinger Universitätsklinikums geleitet wurde, werden heute (14. Februar 2008) im New England Journal of Medicine veröffentlicht.

Verengungen der Blutgefäße werden entweder durch eine Operation überbrückt (Bypassoperation) oder mit einem Ballonkatheter aufgedehnt. Dieser wird in die Arterie eingeführt und an der verengten Stelle aufgeblasen um dadurch das Gefäß aufzuweiten. Allerdings verengen sich die so behandelten Gefäße nicht selten nach 6 Monaten wieder, beim Oberschenkelgefäß tritt dies sehr häufig, d.h. in über 50 Prozent aller Fälle auf. Wenn sich die Gefäße erneut verschließen, droht die Amputation.

Die neuartige Behandlung wurde nun erstmals an Patienten getestet. In der Tübinger Studie konnte nachgewiesen werden, dass durch einen mit Paclitaxel beschichteten Ballon bei relativ kurzem Kontakt eine langfristige Wirkung, d.h. die Vermeidung einer neuerlichen Verengung, erzielt wird. Das Medikament wird direkt auf den Ballon, mit dem die Engstelle aufgedehnt wird, aufgebracht. Beim Aufblasen des Ballons wird dann gleichzeitig das Gefäß aufgedehnt und das Medikament in die verengte Gefäßwand gedrückt, wo es den gewünschten Effekt entfaltet. Die so genannten glatten Muskelzellen des Gefäßes, die ansonsten nach der Ballonaufdehnung anfangen zu wachsen und das Gefäß erneut einengen, hören auf zu wachsen. Das Gefäß bleibt offen und der Patient bekommt keine erneuten Beschwerden.

"Diese Ergebnisse werden zu einem Umdenken in der Therapie von Gefäßverschlüssen führen", so Prof. Tepe, der mit Tübinger Medizinern dieses Projekt von der Idee bis zur klinischen Zulassung begleitet hat.

Bei dem Medikament Paclitaxel handelt es sich um einen bekannten Wirkstoff, der zur Tumortherapie zugelassen ist. Dadurch, dass über den Ballon das Medikament nur an einem kleinen Bereich des Gefäßes freigesetzt wird, ist die benötigte Dosis sehr gering. Das Medikament kommt nur dort zur Wirkung, wo es freigesetzt wird, unerwünschte Nebenwirkungen entfallen. Am Tag nach der Behandlung können die Patienten die Klinik wieder verlassen.

An der Studie, die an Zentren in Berlin und Bad Krozingen durchgeführt wurde, nahmen 154 Patienten teil. Ein Teil der Patienten wurde mit dem mit Paclitaxel beschichteten Ballon behandelt, ein Teil mit unbeschichteten Ballons. Nach 2 Jahren kam es in der Gruppe, die mit dem beschichteten Ballon behandelt wurde, bei nur 15 Prozent der Patienten zu einer erneuten behandlungsbedürftigen Gefäßeinengung Die Patienten, die mit einem unbeschichteten Ballon behandelt wurden, bekamen in fast 50 Prozent der Fälle erneute Beschwerden. Von den Patienten, die mit dem beschichteten Ballon behandelt wurden, mussten sich deutlich weniger einem erneuten Eingriff unterziehen.

"Dies spart langfristig Kosten, da weniger erneute Eingriffe nötig werden. Darüber hinaus wird die Lebensqualität der Patienten gesteigert. Bei Patienten, bei denen wir früher zu einer aufwendigen Operation geraten hätten, ist nun die Behandlung mit einem Katheter möglich," so Tepe.

Derzeit ist der beschichtete Ballonkatheter noch nicht käuflich zu erwerben, er befindet sich allerdings in der Zulassung. Tepe: "Wir hoffen, dass die Entscheidung bald fällt, vor allem wegen unserer Patienten, die damit hoffen können, eine Operation oder sogar Amputation zu umgehen".

Die Radiologen des Tübinger Universitätsklinikums arbeiten bereits seit 12 Jahren auf diesem Gebiet. Sie haben mit der vorgestellten Studie Pionierarbeit geleistet. Die in der Studie eingesetzte Beschichtung der Ballonkatheter basiert auf Vorarbeiten der Professoren Ulrich Speck und Thomas Albrecht aus der Charité Berlin, und Professor Bruno Scheller aus Homburg/Saar. Am Uniklinikum Tübingen sind weitere Studien in Vorbereitung, die die Effektivität der beschichteten Ballons auch in anderen Gefäßgebieten untersuchen.

Ansprechpartner für nähere Informationen:

Universitätsklinikum Tübingen
Klinik für Radiologie, Diagnostische und Interventionelle Radiologie
Prof. Dr. Gunnar Tepe
Hoppe-Seyler-Str. 1, 72076 Tübingen
Tel. 07071/29-8 20 87
E-Mail gunnar.tepe@med.uni-tuebingen.de
Bildmaterial Ballonkatheter
Bildlegende: Unbeschichtet Ballonkatheter (oben) und beschichteter Ballonkatheter (unten) mit leicht weißlicher Oberfläche. Äußerlich sind die Katheter kaum zu unterscheiden, die feine Beschichtung (unten) hilft jedoch Amputationen zu vermeiden.
Titel der Originalpublikation
** The New England Journal of Medicine; 2008; 358:689-699.
Local Delivery of Paclitaxel to Inhibit Restenosis during Angioplasty of the Leg
Gunnar Tepe, M.D, Thomas Zeller, Thomas Albrecht, M.D, Stephan Heller, Uwe Schwarzwälder, M.D, Jean-Paul Beregi, Claus D. Claussen, Anja Oldenburg, Bruno Scheller, M.D, and Ulrich Speck, Ph.D.

Dr. Ellen Katz | idw
Weitere Informationen:
http://www.medizin.uni-tuebingen.de/

Weitere Berichte zu: Amputation Ballonkatheter Paclitaxel

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