Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die Untersuchung des "Wächter-Lymphknotens" erspart Brustkrebs-Patientinnen unnötige Eingriffe

07.07.2000


... mehr zu:
»Brustkrebs »Lymphknoten
Die Untersuchung von ein bis zwei so genannter Wächter-Lymphknoten kann Brustkrebspatientinnen in Zukunft die Entfernung der Achsel-Lymphknoten und deren belastende Folgen ersparen. Ergebnisse
zahlreicher Studien, die von Arbeitsgruppen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland auf dem Senologie-Kongress in Lugano vorgestellt werden, läuten einen Wechsel im bisherigen Behandlungskonzept ein.

Ein "Gold-Standard" in der operativen Brustkrebsbehandlung gerät ins Wanken: die Entfernung der Achsel-Lymphknoten. Zwar müssen die Ärzte auch weiterhin untersuchen, ob diese Lymphknoten bereits von Krebszellen befallen sind, da dies die weitere Behandlung wesentlich bestimmt. Doch bei etwa 60 Prozent der Patientinnen werden keine Tumorzellen entdeckt. Deshalb ist besonders tragisch, dass auch diese Frauen unter den Folgen der Lymphknoten-Entfernung leiden, ohne davon zu profitieren: Nahezu die Hälfte muss Bewegungseinschränkungen, Taubheitsgefühle und Schmerzen in Kauf nehmen, fast ein Drittel entwickelt Lymphödeme.

"Es ist bedauerlich, dass die Patientinnen so lange die Konsequenzen der noch gültigen Operationstechnik klaglos ertragen haben," sagt Professor Angelika Reiner, Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Senologie. "Für die Lebensqualität der Frauen ist die Entnahme und Untersuchung der Wächter-Lymphknoten darum sicher eine segensreiche Entwicklung", so die Wiener Pathologin.

Bei dem neuen und schonenderen Verfahren entfernen die Ärzte zunächst nur den ersten Lymphknoten aus dem Abflussgebiet des Tumors. Um ihn aufzuspüren, wird eine Farblösung (z. B. Patentblau V) und/oder eine radioaktive Substanz (Technectium 99) in die Umgebung des Karzinoms gespritzt. In mehr als 90 Prozent der Fälle können die Ärzte den Wächter-Lymphnoten (engl.: sentinel node) identifizieren und bei einem kleinen Eingriff entfernen.

Im Labor wird dieser Lymphknoten sehr genau untersucht. Dabei setzen die Pathologen auch zusätzliche Verfahren ein, die bislang bei der Untersuchung aller herausoperierten Lymphknoten nicht üblich waren.

Ist der Wächter-Lymphknoten frei von Tumorzellen, das belegen die Studienergebnisse, können die Ärzte davon ausgehen, dass auch die übrigen Lymphknoten nicht befallen sind. Entdecken die Pathologen jedoch Tumorzellen im Wächter-Lymphknoten oder gelingt es den Ärzten nicht, ihn aufzuspüren, bleibt den Frauen auch künftig die Entfernung aller Achsel-Lymphknoten nicht erspart.

Damit die Aussagekraft der neuen Methode der bisherigen Strategie nicht nachsteht, stellen die Experten hohe Qualitätsanforderungen. In Österreich wird das neue Verfahren Brustkrebspatientinnen in insgesamt 40 Kliniken im Rahmen einer Langzeitstudie noch in diesem Jahr alternativ zur traditionellen Methode angeboten. Auch in Deutschland startet unter Federführung von Professor Walter Jonat, dem Direktor der Kieler Universitäts-Frauenklinik, eine große Multizenterstudie mit strengen Qualitätsanforderungen. An ihr werden sich bundesweit 86 gynäkologische Abteilungen beteiligen.

"Ob der Wächter-Lymphknoten wirklich als Repräsentant für alle Achsel-Lymphknoten dienen kann, hängt wesentlich von dessen kompetenter Beurteilung durch den Pathologen ab", betont Angelika Reiner. "Wenn Frauen künftig eine Wahlmöglichkeit haben, sollten sie sich über Erfahrung und Kompetenz sowohl der Operateure als auch der Pathologen informieren", rät die Expertin. "Denn freie Arztwahl heißt, auch den Pathologen frei wählen zu können."

Tagungsbüro: #41-91-9110430

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dipl. Biol. Barbara Ritzert |

Weitere Berichte zu: Brustkrebs Lymphknoten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Kokosöl verlängert Leben bei peroxisomalen Störungen
20.06.2018 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Überdosis Calcium
19.06.2018 | Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics