Die Untersuchung des "Wächter-Lymphknotens" erspart Brustkrebs-Patientinnen unnötige Eingriffe


Die Untersuchung von ein bis zwei so genannter Wächter-Lymphknoten kann Brustkrebspatientinnen in Zukunft die Entfernung der Achsel-Lymphknoten und deren belastende Folgen ersparen. Ergebnisse zahlreicher Studien, die von Arbeitsgruppen aus der Schweiz, Österreich und Deutschland auf dem Senologie-Kongress in Lugano vorgestellt werden, läuten einen Wechsel im bisherigen Behandlungskonzept ein.

Ein „Gold-Standard“ in der operativen Brustkrebsbehandlung gerät ins Wanken: die Entfernung der Achsel-Lymphknoten. Zwar müssen die Ärzte auch weiterhin untersuchen, ob diese Lymphknoten bereits von Krebszellen befallen sind, da dies die weitere Behandlung wesentlich bestimmt. Doch bei etwa 60 Prozent der Patientinnen werden keine Tumorzellen entdeckt. Deshalb ist besonders tragisch, dass auch diese Frauen unter den Folgen der Lymphknoten-Entfernung leiden, ohne davon zu profitieren: Nahezu die Hälfte muss Bewegungseinschränkungen, Taubheitsgefühle und Schmerzen in Kauf nehmen, fast ein Drittel entwickelt Lymphödeme.

„Es ist bedauerlich, dass die Patientinnen so lange die Konsequenzen der noch gültigen Operationstechnik klaglos ertragen haben,“ sagt Professor Angelika Reiner, Präsidentin der österreichischen Gesellschaft für Senologie. „Für die Lebensqualität der Frauen ist die Entnahme und Untersuchung der Wächter-Lymphknoten darum sicher eine segensreiche Entwicklung“, so die Wiener Pathologin.

Bei dem neuen und schonenderen Verfahren entfernen die Ärzte zunächst nur den ersten Lymphknoten aus dem Abflussgebiet des Tumors. Um ihn aufzuspüren, wird eine Farblösung (z. B. Patentblau V) und/oder eine radioaktive Substanz (Technectium 99) in die Umgebung des Karzinoms gespritzt. In mehr als 90 Prozent der Fälle können die Ärzte den Wächter-Lymphnoten (engl.: sentinel node) identifizieren und bei einem kleinen Eingriff entfernen.

Im Labor wird dieser Lymphknoten sehr genau untersucht. Dabei setzen die Pathologen auch zusätzliche Verfahren ein, die bislang bei der Untersuchung aller herausoperierten Lymphknoten nicht üblich waren.

Ist der Wächter-Lymphknoten frei von Tumorzellen, das belegen die Studienergebnisse, können die Ärzte davon ausgehen, dass auch die übrigen Lymphknoten nicht befallen sind. Entdecken die Pathologen jedoch Tumorzellen im Wächter-Lymphknoten oder gelingt es den Ärzten nicht, ihn aufzuspüren, bleibt den Frauen auch künftig die Entfernung aller Achsel-Lymphknoten nicht erspart.

Damit die Aussagekraft der neuen Methode der bisherigen Strategie nicht nachsteht, stellen die Experten hohe Qualitätsanforderungen. In Österreich wird das neue Verfahren Brustkrebspatientinnen in insgesamt 40 Kliniken im Rahmen einer Langzeitstudie noch in diesem Jahr alternativ zur traditionellen Methode angeboten. Auch in Deutschland startet unter Federführung von Professor Walter Jonat, dem Direktor der Kieler Universitäts-Frauenklinik, eine große Multizenterstudie mit strengen Qualitätsanforderungen. An ihr werden sich bundesweit 86 gynäkologische Abteilungen beteiligen.

„Ob der Wächter-Lymphknoten wirklich als Repräsentant für alle Achsel-Lymphknoten dienen kann, hängt wesentlich von dessen kompetenter Beurteilung durch den Pathologen ab“, betont Angelika Reiner. „Wenn Frauen künftig eine Wahlmöglichkeit haben, sollten sie sich über Erfahrung und Kompetenz sowohl der Operateure als auch der Pathologen informieren“, rät die Expertin. „Denn freie Arztwahl heißt, auch den Pathologen frei wählen zu können.“

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Dipl. Biol. Barbara Ritzert

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