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Von Fehlern lernen ist nicht jedermanns Sache

21.12.2007
Gießener Psychologen an "Science"-Veröffentlichung beteiligt: Genetische Veranlagung entscheidet über Lernfähigkeit

Die Fähigkeit, von Fehlern zu lernen, hängt von individuellen genetischen Voraussetzungen ab. Dieses Ergebnis, zum dem neben anderen auch die Abteilung für Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie (Prof. Dr. Dr. Jürgen Hennig) der Universität Gießen beitrugen, wurde im Dezember im Forschungsmagazin "Science" veröffentlicht.

Demnach sind Menschen mit einer bestimmten genetischen Ausprägung (Träger des so genannten A1-Allels des DRD2-Taq-IA-Polymorphismus, der in starkem Maße die dopaminerge Aktivität moduliert) weniger als andere in der Lage, aus negativen Rückmeldungen zu lernen.

Die psychologische Grundlagenforschung beschäftigt sich schon recht lange mit der Frage, ob es besonders bestrafungs- oder belohnungssensitive Personen gibt. Ein Mangel an Lernvermögen aus Fehlern oder negativen Rückmeldungen (auch im Sinne von Bestrafungen) könnte bestimmte Verhaltensweisen erklären, zum Beispiel Sucht. Dass es diesen Mangel an Lernvermögen bei bestimmten Menschen gibt, gilt als gesichert; fraglich war bislang nur, was diese individuellen Differenzen auslöst.

In letzter Zeit hat sich herausgestellt, dass das Vorliegen einer bestimmten genetischen Ausprägung, des A1-Allels, besonders häufig zum Beispiel mit Suchtverhalten assoziiert ist. In einer Kooperationsstudie zwischen dem Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften (Leipzig), dem Max-Planck-Institut für neurologische Forschung (Köln) sowie den Abteilungen für Differentielle Psychologie in Gießen und Bonn wurde erforscht, ob Träger des A1-Allels weniger von Fehlern lernen als diejenigen, die das Allel nicht aufweisen.

Die Versuchspersonen sollten in Experimenten zwischen verschiedenen Symbolen unterscheiden lernen, die entweder mit Belohnungen oder aber auch mit Nicht-Belohnung (negative Konsequenz, Fehler) verbunden waren. Während sich das Lernen auf Belohnung nicht zwischen den Versuchsgruppen unterschied, lernten die Träger des A1-Allels die Vermeidung negativer Konsequenzen signifikant schlechter. Dies kann interpretiert werden als eine geringere Ausprägung, von Fehlern zu lernen. Zusätzlich konnte gezeigt werden, dass Träger des A1-Allels eine geringe Reaktivität in einer Gehirnregion zeigten, die zentral an der Überwachung von Handlungsergebnissen beteiligt ist. Der Bezug zum Lernen wird umso deutlicher, da diese Region mit einer für das Lernen entscheidenden Hirnstruktur - dem Hippocampus - in Verbindung steht.

Kontakt:
Tilmann Alexander Klein
Max-Planck-Institut für Kognitions- und Neurowissenschaften, Leipzig
Telefon: 0341 35521-753
E-Mail: tklein@cbs.mpg.de
Prof. Dr. Jürgen Hennig
Professur für Differentielle Psychologie und Persönlichkeitspsychologie
Otto-Behaghel-Straße 10, Haus F2, 35394 Gießen
Telefon: 0641 99-26150, Fax: 0641 99-26159
E-Mail: juergen.hennig@psychol.uni-giessen.de

Lisa Arns | idw
Weitere Informationen:
http://www.sciencemag.org/cgi/reprint/318/5856/1642.pdf
http://www.uni-giessen.de/

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