Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schule des Klebens

06.03.2002


Die weltweit ersten Klebfachingenieure am IFAM in Bremen
© Fraunhofer IFAM


Flugzeuge und Herzschrittmacher haben eines gemeinsam: Sie sind geklebt. Ingenieure und Naturwissenschaftler können die Kunst des Klebens am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Bremen erlernen. Die weltweit ersten Klebfachingenieure haben den Lehrgang in dieser Schlüsseltechnologie erfolgreich abgeschlossen.

Die moderne Klebtechnik erobert viele Industriezweige, denn neue Materialien wie glasfaserverstärkte Kunststoffe verändern die Produktion. Die Industrie braucht gut ausgebildetes Klebfachpersonal, um bei der Herstellung von High-Tech-Produkten empfindliche Verbundstoffe miteinander verbinden zu können. »Wir finden die beste Fügetechnik für große Metall- und Kunststoffkonstruktionen in Fahrzeugen ebenso wie für Mikrostrukturen im Herzschrittmacher heraus«, erklärt ein Klebfachingenieur. »Denn Schweißen und Löten beeinflussen die zu verbindenden Fügeteile durch hohe Temperatur, beim Schrauben und Nieten wirken alle Kräfte nur auf eine punktförmige Verbindungsstelle.« Klebstoff wird dagegen flächig aufgetragen und die Kräfte werden somit gleichmäßig übertragen. Die Fügeteile können dünner und trotzdem stabiler sein, das Fahrzeug leichter und der Kraftstoffverbrauch geringer. Sogar Vibrationen und Schläge werden durch gummi-elastische Eigenschaften von Klebstoffen gemildert.

»DVS-EWF-European Adhesive Engineer - EAE«: Das ist die seit kurzem europaweit anerkannte Berufsbezeichnung des »Klebfachingenieurs«. Sie wurde jetzt im Klebtechnischen Zentrum KTZ des Fraunhofer-Instituts für Fertigungstechnik und Angewandte Materialfor-schung - Klebtechnik und Oberflächen IFAM-KT in Bremen weltweit erstmals vergeben: 25 Klebfachingenieure aus Deutschland, Österreich und der Schweiz können sich zu den Pionieren zählen, die den anspruchsvollen Ausbildungsgang in der Hansestadt erfolgreich absolvierten.

Ein Intensivlehrgang mit 324 Ausbildungsstunden - modular verteilt über mehrere Monate - verlangte den Teilnehmerinnen und Teilneh-mern viel Arbeitseifer und Selbstdisziplin ab. Bei dem abgeschlossenen ersten Ausbildungsgang stand erstmals die Zielgruppe der technischen Entscheider im Mittelpunkt, nachdem das KTZ seit 1994 rund 1 200 Klebpraktiker und Klebfachkräfte ausgebildet hat. Die Qualifizierung des Führungspersonals fehlte bislang. Diese Lücke wird nun durch die umfassende, mehrwöchige Weiterbildung von

Ingenieuren oder Naturwissenschaftlern aller Fachrichtungen und Branchen zum »European Adhesive Engineer« geschlossen.

»Wir haben alle Anwendungsmöglichkeiten von Klebungen gelernt: Vorher klären wir die Koordinaten: Wie lassen sich Oberflächen so vorbereiten, dass sie verklebbar sind. Welcher der 30 000 Klebstoffe eignet sich für welchen Zweck? Sind die Verbindungen für ein Recycling wieder lösbar, durch extreme Kühlung oder Erhitzen?« berichtet eine Teilnehmerin. Die neuesten Forschungsergebnisse der Klebtechnik fließen direkt in den Unterricht ein. Die 25 frisch zertifizierten Klebfachingenieure in Bremen setzen ihre erworbenen Kenntnisse nun in der Automobilbranche, bei Klebstoff- oder Schienenfahrzeugherstellern sowie Glas- und Optikunternehmen erfolgreich ein. Der nächste Kurs hat schon begonnen.

Prof. Dr. Andreas Groß | Presseinformation

Weitere Berichte zu: Klebfachingenieur Klebstoff Klebtechnik

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund
22.06.2018 | Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF

nachricht Nah dran an der Fiktion: Die Außenhaut für das Raumschiff „Enterprise“?
22.06.2018 | Technische Universität Chemnitz

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics