Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Kleben verbindet

18.01.2001


Aus den Düsen der Atmosphärendruck-

Plasmaanlage tritt Plasma aus. Es verändert die Oberfläche des

Werkstoffs, damit der Klebstoff besser haftet.

©Fraunhofer-Gesellschaft


... mehr zu:
»Kleben »Klebfachingenieur
Überall wird geklebt - egal, ob in der Automobil-, Luftfahrt-, Schienenfahrzeug- und Schiffbauindustrie oder im Lebensmittel-, Medizin- und Hygienebereich. Kleben fügt Werkstoffe schonend und dauerhaft
zusammen. Allerdings fehlen qualifizierte Fachkräfte für diese Fügetechnik. Das Fraunhofer-Institut in Bremen bietet europaweit die erste Weiterbildung zum Klebfachingenieur, dem European Adhesive Engineer, an.

Kleben verbindet: Klebstoff fügt die zerbrochene Vase zusammen, haftet die Briefmarke auf die Postkarte und befestigt neue Absätze an Schuhen. Auch in der Industrie gewinnt das Kleben zunehmend an Bedeutung. »Denn diese leistungsfähige Fügetechnik kann sehr flexibel eingesetzt werden. Sie verbindet nahezu alle Werkstoffe hochfest und dauerhaft miteinander«, beschreibt Prof. Dr. Andreas Groß, Leiter des Klebtechnischen Zentrums am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM die Vorzüge des Klebens. Ob Windschutzscheiben im Pkw, Seitenteile aus Verbundwerkstoffen bei Straßenbahnen oder künftig auch der kohlefasernverstärkte Kunststoff-Rumpf des Airbus A3XX - immer häufiger werden Bauteile mit speziellen Klebstoffen verbunden. Dabei werden sogar völlig unterschiedliche Materialien wie Kunststoff und Aluminium oder Verbundwerkstoffe und Stahl zusammengefügt.

Die materialschonende Verbindungstechnik ist besonders bei neuen Hochleistungswerkstoffen gefragt. Denn beim Kleben werden die Materialien weder erhitzt - wie beim Schweißen oder Löten - noch verletzt - wie beim Nieten und Schrauben. »Die Ansprüche an neue Produkte steigen ständig. Sie sollen immer leichter und stabiler werden«, beschreibt Andreas Groß die Entwicklung in der Produktion. Dazu werden aber auch immer leistungsfähigere Werkstoffe benötigt. »Doch je spezifischer ein Werkstoff ist, desto empfindlicher ist er auch«, erläutert der Experte. Leichte und hochwertige Materialien wie zum Beispiel glasfaserverstärkte Kunststoffe zersetzen sich bei hohen Temperaturen oder brechen beim Durchbohren. Solche Materialien können unter Erhalt ihrer Werkstoffeigenschaften nicht geschweißt, gelötet, genietet oder geschraubt werden. Das Kleben ist dagegen universell einsetzbar: Es fügt Leichtbauwerkstoffe oder sogar miniaturisierte Bauteile exakt und zuverlässig zusammen. Daher setzen Automobil-, Schienenfahrzeug-, Luftfahrt- und Schiffbauindustrie zunehmend Klebtechnik ein.

Für die innovative Fügetechnik benötigt die Industrie gut ausbildete Fachkräfte. Denn beim Kleben ist die Anzahl der Materialien, Oberflächen- und Prozessparameter erheblich größer als bei den herkömmlichen Verbindungsverfahren. Zudem hat sich das Kleben wie keine andere Fügetechnik in den vergangenen Jahren rasant weiterentwickelt. »Modernes Hochleistungskleben ist heute ohne den Einsatz von Informationstechnologie- Werkzeugen kaum noch denkbar. Erst mit Hilfe leistungsfähiger Computerprogramme sind die komplexen Zustände einer beanspruchten Klebverbindung transparent und schnell vorhersagbar«, betont Groß.

Um Mitarbeiter für solche oder andere neue High-Tech-Berufe zu qualifizieren, bietet die Fraunhofer-Gesellschaft gezielt Weiterbildungen an. So startet das Klebtechnische Zentrum - KTZ am Fraunhofer IFAM eine neuartige Fortbildung zum Klebfachingenieur. Ingenieure und Naturwissenschaftler können sich zum European Adhesive Engineer ausbilden lassen. Die Weiterbildung führt unter anderem in die Klebtechnik ein, erläutert chemische, physikalische und ingenieurwissenschaftliche Grundlagen und informiert anhand von anwendungsbezogenen Beispielen über den Einsatz von Klebtechniken. Der Abschluss wird in allen Ländern der Europäischen Gemeinschaft anerkannt.

Die Weiterbildung startete am 15. Januar 2001. Insgesamt haben sich 26 Teilnehmer aus Deutschland, der Schweiz und Österreich zu der Fortbildung angemeldet. Sie kommen aus dem Schienenfahrzeugbau, der Automobil- und Zulieferindustrie sowie von Klebstoffherstellern. Der erste Lehrgang ist damit vollständig ausgebucht. Die nächste Fortbildung ist bereits in der Planung.

Ansprechpartner:
Andreas Groß
Telefon 04 21/22 46-4 37, Telefax 04 21/22 46- 4 30
E-Mail: gss@ifam.fhg.de
Klebtechnisches Zentrum im Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung
Wiener Straße 12, 28359 Bremen

Weitere Informationen finden Sie im WWW:

Dr. Johannes Ehrlenspiel | idw

Weitere Berichte zu: Kleben Klebfachingenieur

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Materialwissenschaften:

nachricht Neues Material mit magnetischem Formgedächtnis
04.06.2019 | Paul Scherrer Institut (PSI)

nachricht Weltraumschrott verringern: HZG-Wissenschaftler helfen beim Sauberhalten
30.05.2019 | Helmholtz-Zentrum Geesthacht - Zentrum für Material- und Küstenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Materialwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die verborgene Struktur des Periodensystems

Die bekannte Darstellung der chemischen Elemente ist nur ein Beispiel, wie sich Objekte ordnen und klassifizieren lassen.

Das Periodensystem der Elemente, das die meisten Chemiebücher abbilden, ist ein Spezialfall. Denn bei dieser tabellarischen Übersicht der chemischen Elemente,...

Im Focus: The hidden structure of the periodic system

The well-known representation of chemical elements is just one example of how objects can be arranged and classified

The periodic table of elements that most chemistry books depict is only one special case. This tabular overview of the chemical elements, which goes back to...

Im Focus: MPSD-Team entdeckt lichtinduzierte Ferroelektrizität in Strontiumtitanat

Mit Licht lassen sich Materialeigenschaften nicht nur messen, sondern auch verändern. Besonders interessant sind dabei Fälle, in denen eine fundamentale Eigenschaft eines Materials verändert werden kann, wie z.B. die Fähigkeit, Strom zu leiten oder Informationen in einem magnetischen Zustand zu speichern. Ein Team um Andrea Cavalleri vom Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie in Hamburg, hat nun Lichtimpulse aus dem Terahertz-Frequenzspektrum benutzt, um ein nicht-ferroelektrisches Material in ein ferroelektrisches umzuwandeln.

Ferroelektrizität ist ein Zustand, in dem die Atome im Kristallgitter eine bestimmte Richtung "aufzeigen" und dadurch eine makroskopische elektrische...

Im Focus: MPSD team discovers light-induced ferroelectricity in strontium titanate

Light can be used not only to measure materials’ properties, but also to change them. Especially interesting are those cases in which the function of a material can be modified, such as its ability to conduct electricity or to store information in its magnetic state. A team led by Andrea Cavalleri from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg used terahertz frequency light pulses to transform a non-ferroelectric material into a ferroelectric one.

Ferroelectricity is a state in which the constituent lattice “looks” in one specific direction, forming a macroscopic electrical polarisation. The ability to...

Im Focus: Konzert der magnetischen Momente

Forscher aus Deutschland, den Niederlanden und Südkorea haben in einer internationalen Zusammenarbeit einen neuartigen Weg entdeckt, wie die Elektronenspins in einem Material miteinander agieren. In ihrer Publikation in der Fachzeitschrift Nature Materials berichten die Forscher über eine bisher unbekannte, chirale Kopplung, die über vergleichsweise lange Distanzen aktiv ist. Damit können sich die Spins in zwei unterschiedlichen magnetischen Lagen, die durch nicht-magnetische Materialien voneinander getrennt sind, gegenseitig beeinflussen, selbst wenn sie nicht unmittelbar benachbart sind.

Magnetische Festkörper sind die Grundlage der modernen Informationstechnologie. Beispielsweise sind diese Materialien allgegenwärtig in Speichermedien wie...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Automatisiertes Fahren

17.06.2019 | Veranstaltungen

Doc Data – warum Daten Leben retten können

14.06.2019 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - August 2019

13.06.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Weizensorten bewähren sich auch unter widrigen Anbaubedingungen

17.06.2019 | Agrar- Forstwissenschaften

Inventur in der Synapse

17.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Zellbiologie - Qualitätskontrolle für Mitochondrien

17.06.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics