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Erfolg im Osten: 10 Jahre Fraunhofer-Institute in den neuen Bundesländern

19.02.2002


Nicht lange reden, sondern handeln - das war das Motto der Fraunhofer-Gesellschaft nach dem Fall der Mauer. Dabei ging die Fraunhofer-Gesellschaft einen besonderen Weg: Sie suchte den direkten Kontakt zu den Wissenschaftlern und gründete mit ihnen im Jahre 1991 insgesamt 19 Fraunhofer-Einrichtungen. Sie nutzten die Chance und entwickelten sich zu hochmodernen Kompetenzzentren mit leistungsfähiger Infrastruktur. Heute sind Ost- und Westinstitute - auch in ihrer Finanzstruktur - kaum mehr voneinander zu unterscheiden.

Bereits kurz nach dem 9. November 1989 beteiligte sich die Fraunhofer-Gesellschaft aktiv am Aufbau der Wissenschaftslandschaft in den neuen Bundesländern. Der politische und wirtschaftliche Zerfall zwang zu schnellem Handeln. Die vielfältigen Beziehungen, die bereits zu Ostinstituten und einzelnen Wissenschaftlern bestanden, erwiesen sich als außerordentlich hilfreich. Die Fraunhofer-Gesellschaft suchte unter den ehemaligen Einrichtungen der Akademie der Wissenschaften nach potenziellen Kandidaten. Wichtige Entscheidungskriterien waren die Passfähigkeit zum existierenden Fraunhofer-Technologie-Portfolio und gute Entwicklungsperspektiven für eine signifikante Auftragsforschung.

Im April 1991 entschied sich der Senat der Fraunhofer-Gesellschaft für die Gründung von 19 Fraunhofer-Einrichtungen: neun große, neue Institute, die nach einer dreijährigen befristeten Übergangs- und Anpassungsphase in dauerhafte Fraunhofer-Institute überführt werden sollten, und zehn kleinere Außenstellen bestehender Fraunhofer-Institute. Mit der Übernahme von rund 1 000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den neuen Bundesländern am 1. Januar 1992 fiel der Startschuss für eine außerordentliche Erfolgsgeschichte.

Dank einer großzügigen Anschubfinanzierung des Bundesforschungsministeriums und Sonderfinanzierungen der Bundesländer gelang es der Fraunhofer-Gesellschaft sehr schnell, den Ost-Instituten wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen und eine leistungsfähige Infrastruktur zu verschaffen. Die Vorgehensweise, weitgehend auf das vorhandene Potenzial zu setzen und die Westinstitute als Partner, Betreuer und Mentoren zu gewinnen, erwies sich als richtig.

Zugute kam den ostdeutschen Forschern ihre exzellente Ausbildung in den natur- und ingenieurwissenschaftlichen Disziplinen und ihre hohe Kreativität in technischer Improvisation. Und sie waren offen für eine neue Phase des Lernens und Orientierens an internationalen Märkten. So konnte das im Westen schon erfolgreich praktizierte »Fraunhofer-Modell« auch in den neuen Bundesländern schnell Fuß fassen.

Die zweite Phase des Aufbaus war gekennzeichnet durch hohe Investitionen: Alle Ostinstitute erhielten neue oder neu renovierte Institutsgebäude. Arbeitsgeräte und Computer nach internationalem Standard wurden angeschafft und die Voraussetzung für erfolgreiches und konkurrenzfähiges Forschen geschaffen.

Gleichzeitig bauten die Mitarbeiter ihre vielfältigen Kontakte aus, sowohl in der wissenschaftlichen Welt als auch zur Industrie, in der jeweiligen Region wie auch zu internationalen Unternehmen. Die Verbindungen gehen weit über Deutschland hinaus nach Europa, Asien und in die USA.

Ein Blick auf die Zahlen belegt die Erfolgsgeschichte eindrucksvoll:

  • Die Gesamtleistungen stiegen von 89 Mio Euro im Jahr 1992 auf 126 Mio Euro im Jahr 1999.
  • Die Auftragsfinanzierung aus der Wirtschaft stieg von 7 auf 44 Mio Euro im Jahr 1999.
  • Die Grundfinanzierung sank von 83 Mio Euro 1993 auf 40 Mio. Euro 1999, also von ehemals 78 Prozent institutioneller Förderung auf 42 Prozent.
  • Die Mitarbeiterzahl im Osten hat sich in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Sie stieg von 1 050 auf 2 300.

»Heute können wir von einer weitgehend problemlosen und rundum erfolgreichen Integration berichten«, kommentiert Fraunhofer-Präsident Prof. Dr.-Ing. Hans-Jürgen Warnecke den gewaltigen Kraftakt. »Schon seit Jahren unterscheiden wir nicht mehr zwischen Ost- und Westinstituten, denn alle haben dieselben Finanzstrukturen mit einem hohen Anteil an Wirtschaftsaufträgen erreicht.«

Damit ist den Fraunhofer-Einrichtungen in den neuen Bundesländern das gelungen, was der Wirtschaft in diesen Regionen leider bisher versagt blieb, nämlich den Anschluss an das Westniveau zu schaffen und sich im nationalen und internationalen Wettbewerb zu behaupten.

Von der wissenschaftlichen Kompetenz der Fraunhofer-Einrichtungen profitiert auch die Wirtschaft. Die Institute unterstützen den notwendigen Strukturwandel und stellen den Firmen das technische Know-how zur Verfügung, um sich auf dem Markt behaupten zu können. Oft bilden Fraunhofer-Institute eine Keimzelle für Hightech-Standorte, in deren Nähe sich neue Unternehmen ansiedeln. Neben der Zusammenarbeit mit großen, traditionsreichen Unternehmen wie JENOPTIK oder Zeiss unterstützen die Institute vor allem die mittelständische Industrie und junge, technologieorientierte Unternehmensgründungen. Schwerpunkte sind in der Region Jena die optische Industrie, in Sachsen und Berlin die Mikroelektronik und in Thüringen, Sachsen-Anhalt und Sachsen der Maschinenbau. Auch in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern sind Fraunhofer-Einrichtungen zu regionalen Hoffnungsträgern geworden.

»Zum 10-jährigen Bestehen gilt unser Dank alle denen, die mit ihrem außergewöhnlichen Engagement diese Aufbauleistung vollbracht haben«, hebt Präsident Warnecke die Mitarbeiter hervor. »Wir haben auf die Menschen vertraut, sie haben die angebotene Chance genutzt«.

Franz Miller | Presseinformation
Weitere Informationen:
http://www.fraunhofer.de/german/press/pi/pi2002/02/titel-beilage.jpg

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