Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Tauchroboter legt Forschern den Meeresboden zu Füßen

08.03.2004


Das QUEST fängt mit einem Staubsauger-ähnlichem Gerät eine Reihe von Rimicaris-Garnelen ein, die die Wissenschaftler später untersuchen.


Das QUEST wird über das Heck der METEOR ausgesetzt. Bis auf 4.000 Meter kann dieser erste deutsche Tiefseeforschungsroboter abtauchen.


Neue Einblicke in die Prozesse der Tiefsee

... mehr zu:
»Meeresboden »Methan »Probe »QUEST

Rundherum erfolgreich war der erste wissenschaftliche Einsatz des ferngesteuerten Tiefseetauchroboters QUEST des DFG-Forschungszentrum Ozeanränder an der Universität Bremen. In Tiefen von über 3.000 Metern nahm QUEST gezielt Proben, führte Messungen durch, setzte Geräte aus und machte hochwertige Aufnahmen. Als Trägerplattform diente der internationalen Wissenschaftlergruppe dabei das Forschungsschiff METEOR. Sie erforschten heiße Quellen am Logatchev Hydrothermalfeld. Das am mittelozeanischen Rücken bei 15° Nord gelegene Feld ist eines von zwei Gebieten, dass QUEST im Rahmen des DFG-Schwerpunkprogramms "Vom Mantel zum Ozean" bis zum Jahr 2008 eingehend untersuchen wird.

Die Kameras des QUEST zeigen surreal anmutende Bilder aus 3.000 Metern Tiefe: Schwarz-rauchende Schlote ragen bis zu fünf Meter über den Meeresboden. Unmengen von Krabben drängen sich um die heißen Quellen. Weiße Krebse verstecken sich in den Muschelbänken. Überall ist Leben, obwohl kein Sonnenstrahl Energie liefert. Die Oasen am Meeresgrund sind deswegen so interessant, weil sie heute als wahrscheinlicher Ursprung des Lebens auf der Erde gelten. "An schwarzen Rauchern leben alle Tiere mehr oder weniger direkt von den chemischen Verbindungen, die mit dem heißen Wasser austreten", erklärt Klas Lackschewitz, Koordinator des Schwerpunktprogramms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). "Die erste Stufe bilden dabei jeweils Bakterien, die die ausströmenden anorganischen Verbindungen als Energiequelle nutzen können. Die Frage ist nur, welche Stoffe, sie dafür nutzen." Die von QUEST gewonnen Proben der aus den Schloten austretenden Flüssigkeiten, enthalten viele Metalle, wie Eisen, Mangan, Kupfer, Zink und Chrom, außerdem Methan und Wasserstoff. "Daraus schließen wir, dass die Bakterien hier am Logatchev-Feld sich hauptsächlich von Methan und Wasserstoff ernähren, was ungewöhnlich ist."


Ungewöhnlich ist auch, dass das Baumaterial der Schwarzen Raucher in diesem Gebiet neben den normalen Metall-Schwefelverbindungen besonders viel Kupfer und Gold enthält. "Einige der Metall-Lagerstätten, die wir heute an Land abbauen, entstanden an Schwarzen Rauchern in der Tiefsee. Daher ist es wichtig, dass wir verstehen, wie die Prozesse ablaufen. QUEST ist dabei ein unverzichtbares Werkzeug."

"Präzise, effizient und richtungsweisend", so beschreibt Volker Ratmeyer, Projektkoordinator des QUEST, das unbemannte Fahrzeug. "Mit diesem Gerät können wir deutschen Meeresforschern Möglichkeiten eröffnen, wie sie weltweit nur von wenigen Instituten geboten werden. Mit einer Tauchtiefe von 4.000 Metern kann das 8-köpfige Team der QUEST die Hälfte aller Meeresböden erkunden. Da das QUEST-System inklusive schwerer Kabelwinde und Zusatzausstattung nur 35 Tonnen wiegt, ist es bei vergleichbarer Leistung deutlich kompakter als andere große Forschungs-Tauchroboter. Daher können die deutschen Schiffen das Gerät ohne aufwendige Umbauten sehr effizient einsetzen." Während des jetzt erfolgreich absolvierten ersten wissenschaftlichen Einsatzes sind bei acht Tauchgängen nicht nur erfolgreich Proben von Gestein und heißen Wässern genommen worden. Es entstanden auch etwa 1.500 hochwertige Digitalaufnahmen, 35.000 Standbilder sowie über 90 Stunden digitales Videomaterial. "Das Fahrzeug hat alle unsere Erwartungen übertroffen. Die Qualität der Aufnahmen begeistert selbst Fernsehreporter", freut sich Ratmeyer. Doch vorrangig dienen die Aufnahmen des QUEST natürlich der Wissenschaft. Denn nur mit solchen Aufnahmen und Probenahmen können die Wissenschaftler Licht ins Dunkel der Tiefsee bringen.


Weitere Informationen/Interviewanfragen/Bildmaterial:
Kirsten Achenbach
Öffentlichkeitsarbeit
DFG Forschungszentrum Ozeanränder
Tel. 0421 - 218-9000
mail: achenbach@rcom-bremen.de

Volker Ratmeyer
Projektkoordinator QUEST
Tel : 0421 -218-7762
Mail: ratmeyer@marum.de

Kirsten Achenbach | idw
Weitere Informationen:
http://www.rcom-bremen.de
http://www.ozeanraender.de
http://www.marum.de

Weitere Berichte zu: Meeresboden Methan Probe QUEST

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Interdisziplinäre Forschung:

nachricht Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt
25.05.2018 | Westfälische Wilhelms-Universität Münster

nachricht Nanopartikel aus Kläranlagen - vorläufige Entwarnung
02.05.2018 | Universität Siegen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Interdisziplinäre Forschung >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics