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Soziales Frühwarnsystem soll verhaltensauffälligen Kindern und ihren Familien helfen

02.10.2002


IAT präsentiert Ergebnisse einer Befragung in Kindertageseinrichtungen in Herne-Wanne - Elternarbeit und Kooperation vor Ort verbessern

Immer mehr Kinder im Vorschulalter gelten als "verhaltensauffällig". Der Bedarf an Hilfe und Beratung bei Erziehungs- und Familienproblemen wächst, die Angebote vor Ort reichen aber oft nicht aus. Lange Wartezeiten, die Wahl irgendeiner Therapie als Verlegenheitslösung oder gar der Verzicht auf Beratung und Behandlung mangels Interesse und Zeit der Eltern kennzeichnen die Situation. Ein soziales Frühwarnsystem soll künftig helfen, Lebenskrisen von Familien frühzeitig zu erkennen, damit schnelle und wirkungsvolle Hilfe angeboten werden kann. "Wichtig ist besonders der Ausbau und die bessere Zusammenarbeit aller örtlichen Stellen, die Kontakt mit Kindern, Jugendlichen und Eltern haben, " stellen Karin Esch und Dr. Sybille Stöbe vom Institut Arbeit und Technik (IAT/Gelsenkirchen) bei der Auswertung einer Befragung von Kindertageseinrichtungen in Herne-Wanne fest.

Die Untersuchung ist Teil eines vom nordrhein-westfälischen Familienministerium geförderten Modellprojektes, in dessen Rahmen in sechs Städten ein Frühwarnsystem zur Erkennung und Bearbeitung von sozialen Problemen aufgebaut wird. Die Untersuchung in Herne, die das IAT im Auftrag des Jugendamtes Herne durchführt, konzentriert sich dabei auf verhaltensauffällige Kinder im Vorschulalter. In 14 Tageseinrichtungen mit zusammen ca. 1000 Kindern wurden 28 Leiterinnen und Erzieherinnen mit meist langjähriger Berufserfahrung mündlich und schriftlich befragt.

Jedes dritte Kind im Kindergarten verhält sich demnach auffällig, wobei einige Einrichtungen nur 10 Prozent, andere bis zu 47 Prozent schwierige Kinder zu betreuen haben. Als "verhaltensauffällig" werden dabei nicht nur Aggressionen oder starke motorische Unruhe eingestuft, auch Kontaktscheue, depressive Verstimmungen, Probleme beim Essen und Sprachschwierigkeiten werden registriert. Berücksichtigt wird bei dem Projekt, dass ein Teil der Zunahme von Verhaltensauffälligkeiten auch darauf zurückzuführen ist, dass die Aufmerksamkeit und Sensibilität der Erzieherinnen für diese Probleme zugenommen hat. Bedenklich stimmt, dass mehr als die Hälfte der nicht oder schlecht deutsch sprechenden Kinder ausländischer Herkunft als verhaltensauffällig eingestuft werden. Ursachen von Verhaltensauffälligkeit sind oft finanzielle Probleme durch Arbeitslosigkeit oder Abhängigkeit von Sozialhilfe, Ehescheidung, zu wenig Gespräche in den Familien, häufiger Medienkonsum, starke Konsumorientierung, aber auch Überbehütung, die zur Unselbständigkeit führt.

Knapp über 40 Prozent der als verhaltensauffällig eingeschätzten Kinder erhalten eine Behandlung oder Beratung, vorrangig in Logopädie, Ergotherapie und Heilpädagogik. Die Eltern reagierten höchst unterschiedlich: Bei 45 Prozent war das Problem bereits bekannt, jeder dritte Fall wurde aber trotz Empfehlung des Kindergartens nicht behandelt - weil die Eltern nicht wollten (80 Prozent), der Kinderarzt ablehnte (10%) oder die Wartezeiten zu lang waren (10 %). Aus Sicht der Kindergärten und Tagesstätten ist lediglich ein Drittel der Eltern gut zu erreichen und kooperiert im Interesse des Kindes, ein Drittel blockt die Realität ab, ein weiteres Drittel delegiert das Problem komplett an die Kita.

Hier wird deutlich, wie wichtig eine intensive Elternarbeit der Kindergärten ist. Aber auch die Kooperation mit den Kinderärzten muss dringend verbessert werden. In den Befragungen wurde oft beklagt, dass bei den Vorsorgeuntersuchungen beim Kinderarzt Probleme nicht erkannt oder heruntergespielt werden ("das wächst sich aus"). Die Möglichkeiten, Therapien zu verordnen, werden zu wenig kompetent genutzt.

Handlungsbedarf sehen die Projektverantwortlichen vom IAT vor allem in der Verbesserung der Elternarbeit und der Kooperationsstrukturen zwischen Tageseinrichtungen, Beratungsstellen, Therapeuten, Grundschulen, Ärzten und Ämtern. Instrumente zur Früherkennung, ein Handbuch über Therapieangebote mit Erläuterungen, Fortbildung und Beratung für Erzieherinnen und Hilfen für Eltern sind weitere Vorhaben. Aber auch projektübergreifender Handlungsbedarf wird deutlich: Vor allem ältere Kindertagesstätten brauchen mehr Räume, der Personalschlüssel sollte an Problemlagen orientiert werden, Therapeuten und Spezialkräfte sollten in die Einrichtungen integriert werden, eine nachhaltige Sprachförderung ist ebenso nötig wie Reformen in der Erzieher-Ausbildung.

Für weitere Fragen stehen
Ihnen zur Verfügung:

Karin Esch
Durchwahl: 0209/1707-283
Dr. Sybille Stöbe
Durchwahl: 0209/1707-130

Claudia Braczko | idw
Weitere Informationen:
http://iat-info.iatge.de/

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