Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Top im Treppensteigen

19.08.2016

Sie haben sich viel vorgenommen: Neun Studierende der ETH Zürich und der ZHdK wollen es mit ihrem Rollstuhl «Scewo» beim Cybathlon mit Entwicklern renommierter Hersteller und Hochschulen aus der ganzen Welt aufnehmen.

Es herrscht geschäftiges Treiben im Campus Balgrist. Nach zehn Monaten und zahllosen technischen Änderungen geht der überarbeitete Rollstuhl des Scewo-Teams erstmals zur Testfahrt an den Start.


Geschäftiges Treiben am Campus Balgrist: Das ETH-Team Scewo im Training für den Cybathlon. (Fahrer im Bild: Basil Dias, Bild: ETH Zürich / Alessandro Della Bella)

Immer mit einem Blick aufs Reglement und einem auf dem Rollstuhl begleitet Pascal Buholzer Scewo-Fahrer Josep Ballester durch den Parcours. Zwar nimmt der Rollstuhl Treppen souverän, doch die Wendigkeit beim Öffnen von Türen oder die Stabilität auf unebenen Grund lässt noch etwas zu wünschen übrig.

Doch genau darauf zielt der Cybathlon ab. Erfinder von Hochschulen und kommerziellen Unternehmen treten mit ihren innovativen Hilfsmitteln an, um Menschen mit körperlichen Behinderungen das tägliche Leben mittels Technik zu erleichtern. Im Idealfall so sehr, dass grosse Hürden, wie es Treppen heute darstellen, kein Hindernis mehr sind.

... mehr zu:
»ETH »Rollstuhl »Testfahrt »Treppensteigen

Auch das Scewo-Team mit Studierenden der ETH Zürich und der ZHdK wird im Oktober beim Cybathlon antreten. Dabei war es ursprünglich nur ein Studienprojekt, das schon längst beendet sein sollte: Im Herbst 2014 begannen alles als Fokusprojekt «Scalevo».

Zehn Bachelor-Studierende tüfftelten gemeinsam an einem treppensteigenden Rollstuhl. Doch anstatt wie geplant im Sommer 2015 das Projekt zu beenden, machten vier von ihnen weiter. «Wir wussten, dass im Oktober 2016 der erste Cybathlon stattfinden sollte – und wollten mit unserer Erfindung beim Wettbewerb antreten», sagt Pascal Buholzer.

Zunächst hofften die jungen Erfinder – drei Mechanik-Studierende der ETH Zürich und ein Designer von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) –, dass sie den Rollstuhl in kurzer Zeit für den Cybathlon fit machen könnten. Maximal zwei Monate hatten sie eingeplant. Doch bald wurde klar: Um im Wettstreit mit den Technologien anderer Hochschulen und internationaler Hersteller eine Chance zu haben, musste der ursprünglich entwickelte Rollstuhl komplett überholt werden.

Überarbeitete Technik, neuer Name

Bisher war ihr elektrisch betriebener Rollstuhl nur auf Treppen ausgelegt. Beim Cybathlon muss er aber auch unebenes Terrain mit Holzstämmen und schräge Flächen überwinden. Diese stellen technisch ganz andere Anforderungen als eine Treppe, bei welcher der Rollstuhl der Studierenden mit seiner innovativen Raupentechnik bereits im Testlauf punkten konnte.

Ausserdem musste schweren Herzens ein neuer Name her, da es markenrechtliche Probleme gab. Um all diese Arbeit – die von der technischen Überarbeitung, Programmierarbeiten an der Software bis zur Bekanntmachung des neuen Markennamens reichten – zu bewältigen, suchte das Scewo-Team weitere Studierende, die sich für das Projekt engagieren wollten. Inzwischen zählt das gesamte Team neun Studierende der ETH Zürich und der ZHdK, die alle ihre klaren Aufgabenbereiche haben und nach Lösungen für Teilprobleme suchen.

Neuer Pilot auch noch fürs Marketing zuständig

Seit Februar 2016 hat das Scewo-Team einen neuen Testfahrer. Josep Ballester ist nach seinem Bachelorabschluss in Mechanik in Barcelona nach Zürich gekommen, um an der ETH seinen Master in Management Technologie und Ökonomie zu machen. Seit einem Unfall ist er ab dem vierten Lendenwirbel querschnittgelähmt. Das Team kam über eine Anfrage bei der ETH-Beratungsstelle Studium und Behinderung mit Ballester in Kontakt.

Seine Rolle als Pilot im Rennen ist ihm jedoch nicht genug. Daher hat er auch die Vermarktung des Rollstuhls an die Hand genommen. Ganz entscheidend für den späteren Verkauf, sei die Wahl des richtigen Preissegments für den Rollstuhl. Der Preis muss kostendeckend, aber bezahlbar sein. Nicht einfach, schliesslich gibt es in jedem Land andere Rahmenbedingungen bei Versicherung und staatlichen Zuzahlungen. Auch zu seinen Aufgaben gehört die Kontaktpflege zu den mittlerweile 37 Sponsoren.

Das Team ist zuversichtlich

Beim überarbeiteten Scewo-Rollstuhl, der am Cybathlon zum Einsatz kommt, wurde das Grundkonzept beibehalten. Etliche Teile wurden vereinfacht, um die Zuverlässigkeit zu erhöhen und die Montage zu erleichtern. Die gesamte Elektronik und der Steuerungscomputer wurden ersetzt und basieren nun auf günstigeren Industrie-Komponenten. Ein wichtiger Schritt für die spätere Vermarktung. Eine wesentliche Änderung gab es zudem bei der Steuerung der Raupen. Diese waren ursprünglich separat zu steuern. «Sie liefen nicht immer ganz gleichmässig, weshalb jetzt ein Motor beide Raupen antreibt», erläutert Bernhard Winter.

Ob die Änderungen reichen, um den Cybathlon zu gewinnen, ist noch offen. Beim Training zeigt sich das Team jedenfalls zuversichtlich. «So wie Scewo nimmt kein anderer Rollstuhl die Treppen», sagt sein Erfinder Bernhard Winter stolz. Jetzt müssen sich Rollstuhl und Fahrer nur noch bei den vier anderen Hindernissen des Parcours bewähren….

Weitere Informationen:

http://www.cybathlon.ethz.ch/
http://www.scewo.ch

Vanessa Bleich | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)
Weitere Informationen:
http://www.ethz.ch

Weitere Berichte zu: ETH Rollstuhl Testfahrt Treppensteigen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Innovative Produkte:

nachricht Geschäftsmodell Upcycling: Aus Airbag wird Rucksack
14.06.2019 | Telekom GK

nachricht Skihelm mit neuartigem Luftpolstersystem und Augmented Reality: „Air Ride“ auf Hannover Messe
29.03.2019 | Hochschule Darmstadt

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Innovative Produkte >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

Verletzungen des Sprunggelenks immer ärztlich abklären lassen

16.10.2019 | Veranstaltungen

Digitalisierung trifft Energiewende

15.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Dehnbare Elektronik: Neues Verfahren vereinfacht Herstellung funktionaler Prototypen

17.10.2019 | Materialwissenschaften

Lumineszierende Gläser als Basis neuer Leuchtstoffe zur Optimierung von LED

17.10.2019 | Physik Astronomie

Dank Hochfrequenz wird Kommunikation ins All möglich

17.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics