Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Smarte Datenanalyse gegen Stau

17.08.2016

Fraunhofer IAO und Telefónica Deutschland werten Mobilfunkdaten für Verkehrsplanung aus. Das Fraunhofer IAO prüft in einer Studie, ob Mobilfunkdaten eine verlässliche Datenquelle für die Verkehrsplanung darstellen und bisherigen Erhebungsmethoden überlegen sind. Telefónica Deutschland unterstützt das Forschungsvorhaben mit anonymisierten Mobilfunkdaten.

Stuttgart steht vor großen Herausforderungen in den Bereichen Mobilität und Verkehr: Es gibt zu viele Staus, zu viel Lärm und Stress und auch die Luftqualität muss verbessert werden. Deshalb sucht die Landeshauptstadt von Baden-Württemberg wie viele andere Städte nach Lösungen, um die Verkehrsplanung und das Mobilitätsmanagement zu optimieren. Eine wichtige Grundlage für konkrete Maßnahmen sind präzise Verkehrsdaten. Diese zu messen, ist zum einen aufwändig und zum anderen können die Ergebnisse dieser Messungen die stark situationsbedingten Schwankungen häufig nicht wiedergeben.


Der Weg der Daten: Vom Handy über die Anonymisierung bis zur Verkehrsmessung

Mobilfunkdaten ermöglichen anonyme Bewegungsprofile

Hier schafft die smarte Analyse von Mobilfunkdaten Abhilfe: Diese entsteht automatisch im normalen Geschäftsbetrieb bei Telefónica Deutschland, wenn Handys, z.B. beim Telefonieren oder Surfen, mit den Mobilfunkzellen kommunizieren. Aus diesen Daten entstehen anonyme Bewegungsprofile. Der Einsatz der Mobilfunkdaten für die Verkehrsplanung wäre kostengünstig, rund um die Uhr verfügbar und es wären relativ einfach große Stichproben möglich. Außerdem könnten die Daten dazu genutzt werden, damit Städten die Möglichkeit eröffnet wird, bestimmte Infrastrukturmaßnahmen präziser an den Bedarf anzupassen, indem sie genauer wissen, wo und wann sich die Menschen bewegen.

Mehrmonatige Studie des Fraunhofer IAO

Im Rahmen eines auf dreieinhalb Monate angelegten Forschungsprojekts untersucht das Fraunhofer IAO in einer Studie, ob Mobilitätsdaten für die Messung von Transportströmen in Städten geeignet und somit anderen Erhebungsmethoden überlegen sind. Die Wissenschaftler analysieren zunächst mithilfe von Experteninterviews und Fallbeispielen den Status quo der Verkehrsmessung. Danach wird der Bezug zu Stuttgart hergestellt: Dazu vergleicht das Forschungsteam die Daten aus bestehenden Verkehrserhebungen der Region mit den Erkenntnissen, die aus den Mobilfunkdaten gewonnen werden können. Dabei soll ein besonderer Fokus auf situationsbedingte Schwankungen durch z.B. Starkregenereignisse und Großveranstaltungen gelegt werden. Auf diese Weise kann das Potenzial der Datenquelle im Vergleich zu anderen Erhebungsmethoden ermittelt werden.

Telefónica Deutschland stellt als Forschungspartner die nötigen Mobilfunkdaten zur Verfügung. Die Kundendaten sind dabei vollständig geschützt und werden mithilfe eines dreistufigen und vom TÜV Saarland zertifizierten Verfahrens anonymisiert. Dadurch ist jeglicher Bezug zu einzelnen Personen ausgeschlossen. Markus Haas, Chief Operating Officer von Telefónica Deutschland, erhofft sich von der Studie Impulse für weitere Projekte im Bereich der smarten Datenanalyse: »Als Netzbetreiber liegen uns durch unser Kerngeschäft eine große Menge an Daten vor. Wir wollen nun von einem renommierten Institut prüfen lassen, ob wir durch die Analyse dieser Daten einen Beitrag zur Verkehrsplanung leisten können.«

Stuttgart als ideale Teststadt

Unter der Federführung von Oberbürgermeister Fritz Kuhn hat die Landeshauptstadt 2013 den Aktionsplan »Nachhaltig mobil in Stuttgart« erarbeitet. Darin werden in neun Handlungsfeldern zentrale Maßnahmen der Stadtverwaltung aufgeführt und erläutert. Die Studie des Fraunhofer IAO kann hierzu wichtige Informationen liefern, beispielsweise hinsichtlich anstehender Straßenbaumaßnahmen oder bezüglich des Angebots im öffentlichen Personennahverkehr.

Dr. Michael Münter, Leiter des Referats Strategische Planung und Nachhaltige Mobilität der Landeshauptstadt Stuttgart, betont: »Viele Menschen haben den nachvollziehbaren Wunsch nach möglichst großer individueller Mobilität. Dieses Bedürfnis muss mit den Belangen der Umwelt sowie der Stadt und der dort lebenden Bürgerschaft in eine verträgliche Balance gebracht werden. In unserem Aktionsplan ‚Nachhaltig mobil in Stuttgart‘ setzen wir auch auf innovative Projekte für zukunftsfähige urbane Mobilität. Mit Spannung erwarten wir daher die Erkenntnisse des Fraunhofer IAO zum Einsatz von Mobilfunkdaten für die Verkehrsplanung in Stuttgart.«

Potenzial der Datenanalyse für Verkehr und Umwelt

Telefónica Deutschland erhofft sich durch die Ergebnisse der Studie weitere wertvolle Erkenntnisse für die Arbeit im Bereich Advanced Data Analytics, also der smarten Datenanalyse. Das Telekommunikationsunternehmen erforscht bereits in einem Pilotprojekt in Nürnberg, inwiefern sich die Luftverschmutzung auf Basis von Mobilfunkdaten berechnen lässt. Die Ergebnisse des Fraunhofer IAO bieten einen weiteren Einblick in das Potenzial der Datenanalyse für Verkehr und Umwelt.

Prof. Anette Weisbecker, stellvertretende Institutsleiterin des Fraunhofer IAO, erklärt: »Die exakte Messung von Verkehrsströmen in Städten ist ein komplexes Unterfangen. Unsere Studie liefert wichtige Erkenntnisse, inwieweit mobile Daten eine präzisere, effizientere und kostengünstigere Verkehrsplanung ermöglichen.«

Die Studie ist Teil der ganzheitlichen Forschungsarbeit des Fraunhofer IAO rund um das Thema Mobilität. Das Institut untersucht in zahlreichen Studien, wie Menschen heute und in Zukunft mobil sein wollen. Dabei unterstützt es Unternehmen und Institutionen auf dem Weg zu neuen Geschäftsmodellen und effizienten Prozessen.

Ansprechpartner:
Alexander Schmidt
Telefon: +49 711 970-5351
E-Mail: alexander.schmidt@iao.fraunhofer.de

Weitere Informationen:

https://www.iao.fraunhofer.de/lang-de/ueber-uns/presse-und-medien/1752-smarte-da...
https://blog.telefonica.de/daten-stiften-nutzen
http://www.stuttgart.de/nachhaltig-mobil

Juliane Segedi | Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht „Sachen machen mit KI“: Automatisches Kassensystem für Kantinen
04.12.2019 | Karlsruher Institut für Technologie

nachricht Optimaler Kundenservice durch künstliche Intelligenz
04.12.2019 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das 136 Millionen Atom-Modell: Wissenschaftler simulieren Photosynthese

Die Umwandlung von Sonnenlicht in chemische Energie ist für das Leben unerlässlich. In einer der größten Simulationen eines Biosystems weltweit haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler diesen komplexen Prozess an einem Bestandteil eines Bakteriums nachgeahmt – am Computer, Atom um Atom. Die Arbeit, die jetzt in der renommierten Fachzeitschrift „Cell“ veröffentlicht wurde, ist ein wichtiger Schritt zum besseren Verständnis der Photosynthese in einigen biologischen Strukturen. An der internationalen Forschungskooperation unter Leitung der University of Illinois war auch ein Team der Jacobs University Bremen beteiligt.

Das Projekt geht zurück auf eine Initiative des inzwischen verstorbenen, deutsch-US-amerikanischen Physikprofessors Klaus Schulten von der University of...

Im Focus: Developing a digital twin

University of Texas and MIT researchers create virtual UAVs that can predict vehicle health, enable autonomous decision-making

In the not too distant future, we can expect to see our skies filled with unmanned aerial vehicles (UAVs) delivering packages, maybe even people, from location...

Im Focus: Freiformflächen bis zu 80 Prozent schneller schlichten: Neue Werkzeuge und Algorithmen für die Fräsbearbeitung

Beim Schlichtfräsen komplexer Freiformflächen können Kreissegment- oder Tonnenfräswerkzeuge jetzt ihre Vorteile gegenüber herkömmlichen Werkzeugen mit Kugelkopf besser ausspielen: Das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen entwickelte im Forschungsprojekt »FlexiMILL« gemeinsam mit vier Industriepartnern passende flexible Bearbeitungsstrategien und implementierte diese in eine CAM-Software. Auf diese Weise lassen sich große frei geformte Oberflächen nun bis zu 80 Prozent schneller bearbeiten.

Ziel im Projekt »FlexiMILL« war es, für die Bearbeitung mit Tonnenfräswerkzeugen nicht nur neue, verbesserte Werkzeuggeometrien zu entwickeln, sondern auch...

Im Focus: Bis zu 30 Prozent mehr Kapazität für Lithium-Ionen-Akkus

Durch Untersuchungen struktureller Veränderungen während der Synthese von Kathodenmaterialen für zukünftige Hochenergie-Lithium-Ionen-Akkus haben Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und kooperierender Einrichtungen neue und wesentliche Erkenntnisse über Degradationsmechanismen gewonnen. Diese könnten zur Entwicklung von Akkus mit deutlich erhöhter Kapazität beitragen, die etwa bei Elektrofahrzeugen eine größere Reichweite möglich machen. Über die Ergebnisse berichtet das Team in der Zeitschrift Nature Communications. (DOI 10.1038/s41467-019-13240-z)

Ein Durchbruch der Elektromobilität wird bislang unter anderem durch ungenügende Reichweiten der Fahrzeuge behindert. Helfen könnten Lithium-Ionen-Akkus mit...

Im Focus: Neue Klimadaten dank kompaktem Alexandritlaser

Höhere Atmosphärenschichten werden für Klimaforscher immer interessanter. Bereiche oberhalb von 40 km sind allerdings nur mit Höhenforschungsraketen direkt zugänglich. Ein LIDAR-System (Light Detection and Ranging) mit einem diodengepumpten Alexandritlaser schafft jetzt neue Möglichkeiten. Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Atmosphärenphysik (IAP) und des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT entwickeln ein System, das leicht zu transportieren ist und autark arbeitet. Damit kann in Zukunft ein LIDAR-Netzwerk kontinuierlich und weiträumig Daten aus der Atmosphäre liefern.

Der Klimawandel ist in diesen Tagen ein heißes Thema. Eine wichtige wissenschaftliche Grundlage zum Verständnis der Phänomene sind valide Modelle zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

Intelligente Transportbehälter als Basis für neue Services der Intralogistik

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

RNA-Modifikation - Umbau unter Druck

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Der Versteppung vorbeugen

06.12.2019 | Geowissenschaften

Verstopfung in Abwehrzellen löst Entzündung aus

06.12.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics