Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit der Schildkröte in der Tasche

20.11.2008
Didaktiker haben Minicomputer für den Informatikunterricht einsatzbereit gemacht

Taschencomputer haben für den Schulunterricht viele Vorteile. Im Fach Informatik zum Beispiel können Schüler mit den Minicomputern, den sogenannten PDAs (Personal Digital Assistants), einfach und spielerisch Programmierkenntnisse erwerben.

Aber auch in anderen Fächern bietet ihr Einsatz viele Möglichkeiten. Ein weiterer Pluspunkt: Die kleinen Computer sind günstiger in der Anschaffung als herkömmliche PC-Systeme. Prof. Dr. Marco Thomas und seine Mitarbeiter vom Arbeitsbereich Didaktik der Informatik der Universität Münster wollen daher das Potenzial von Taschencomputern bei Lehrern und Schülern bekannt machen. Für den Einsatz im Informatikunterricht haben sie verschiedene Anwendungen entwickelt und erprobt.

„Es geht uns nicht darum, PCs aus den Schulen zu vertreiben", betont Thomas. Dennoch sind er und seine Mitarbeiter überzeugt, dass den Minicomputern ein höherer Stellenwert im Schulunterricht gebührt. Informatikdidaktiker Hendrik Büdding sagt: „PDAs eignen sich als privates Lernwerkzeug für Schüler aller Altersklassen. Ihr berührungssensitiver Bildschirm, der Handschrift erkennt, ist besonders für Schüler geeignet, die noch nicht sicher im Umgang mit der Tastatur sind." Büdding erprobt den Einsatz von Minicomputern seit Jahren im Schulunterricht. Gemeinsam mit Prof. Thomas leitet er das Projekt „Mobile Endgeräte im Bildungsbereich", das sich mit der Nutzbarmachung von Taschencomputern im Schulunterricht, besonders im Informatikunterricht, beschäftigt.

Eine Entwicklung des Studenten Markus Hunke ist „PocketLogo". Diese Programmiersprache beruht auf der Computersprache Logo, die in Boston (USA) für Kinder entwickelt wurde. Hunke hat sie um Elemente erweitert, die sie noch einfacher erlernbar machen. PocketLogo ist besonders geeignet, um Schüler im Informatikunterricht mit den Grundlagen des Programmierens vertraut zu machen. Die Schüler können zum Beispiel mit einfachen Anweisungen einer „Schildkröte" beibringen, einen Apfel in einem Labyrinth zu finden. „Diese Aufgabe ist eigentlich sehr komplex, mit PocketLogo wird sie jedoch auf das Wesentliche vereinfacht", so Prof. Thomas. „Die Schüler müssen bei PocketLogo nicht von vornherein ein komplettes Programm schreiben, sondern können zunächst einzelne Befehle eingeben und sofort sehen, was passiert", erklärt er.

Auch andere informatische Probleme lassen sich Schülern anhand der PDAs vermitteln. „Wir haben in einem Schulprojekt mit den Taschencomputern Schülern gezeigt, wie drahtlose Kommunikation zwischen Geräten funktioniert", so Büdding. Hier kam die ebenfalls am Arbeitsbereich entwickelte PDA-Software „Feinstein" zur Steuerung von Robotern per Bluetooth-Funktion zum Einsatz. „Auch Fragen zur Abhörsicherheit, Verschlüsselung von Daten oder der Problematik des ‚Spamming' können wir mit den PDAs in jedem Klassenzimmer praktisch beantworten."

Nicht nur im Informatikunterricht sollten die Taschencomputer zum Einsatz kommen, ginge es nach den münsterschen Forschern. Auch für den Mathematikunterricht wollen die Didaktiker geeignete Software entwickeln, die grafikfähigen Taschenrechnern, die in der Anschaffung mit nennenswerten Summen zu Buche schlagen, Konkurrenz machen. Die PDAs könnten als Wörterbuch im Fremdsprachenunterricht dienen, im Geographieunterricht als GPS-Gerät eingesetzt oder - dank Kamerafunktion - zur Dokumentation von Unterrichtsprojekten verwendet werden. Vor dem Hintergrund, dass die Minirechner fachübergreifend eingesetzt werden könnten, würde sich die Anschaffung rentieren. „Auch der Einsatz in Klausuren wäre kein Problem: Durch einen Wechsel der Speicherkarte können die Rechner schnell auf ‚Null' gesetzt werden - dann ist Spicken durch gespeicherte Daten nicht mehr möglich", so Büdding.

Alle Softwareprodukte, die die Informatikdidaktiker für den Einsatz in der Schule entwickelt haben, sind Open-Source-Produkte und können von Interessierten weiterentwickelt werden. „Wichtig ist, dass medienpädagogische Aspekte und Lerninhalte berücksichtigt werden", so Büdding. Dass die kleinen Geräte den Vorlieben der Schüler entgegenkommen, davon sind die Didaktiker überzeugt: „Ob Mini-Spielkonsole oder Handy - die Schüler lieben solch kleine Computer", so Prof. Thomas. Abgesehen davon, dass die Anschaffung eines Klassensatzes von mobilen PDAs für Schulen eine Alternative zur Anschaffung neuer stationärer PCs sein könnte, ist er überzeugt: „In einigen Jahren werden die meisten Schüler ohnehin mit diesen Geräten ausgestattet sein - in Form der neuen Handy-Generation, der Smartphones."

Die Informatikdidaktiker Prof. Dr. Marco Thomas und Hendrik Büdding stehen interessierten Lehrern gern weiterhin mit Rat und Tat zur Seite. Weitere Informationen unter http://ddi.uni-muenster.de oder per E-Mail unter ddi@uni-muenster.de.

Pressestelle der Universität Münster
Schlossplatz 2, 48149 Münster
pressestelle@uni-muenster.de
+49 251 83-22232 o. -22233

| Universität Münster
Weitere Informationen:
http://ddi.uni-muenster.de
http://www.uni-muenster.de
http://ddi.uni-muenster.de/ab/prko

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne
20.07.2018 | Universität Rostock

nachricht Maschinelles Lernen: Neue Methode ermöglicht genaue Extrapolation
13.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics