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Keine Chance mehr für Datenkraken

16.05.2019

Messenger, Spiele, Fitnesstrainer: Große Internetkonzerne bieten in ihren Stores Millionen von Apps zum Download an. Viele davon kosten vermeintlich nichts. Doch für viele App- und Werbenetzwerk-Betreiber sind Nutzerinnen und Nutzer eine Datenquelle, aus der bares Geld sprudelt und abgeschöpft wird. Forscherinnen und Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) und des FZI Forschungszentrums Informatik, einem Innovationspartner des KIT, haben nun eine App entwickelt, welche die eigenen Daten besser schützt.

Aufenthaltsort, Kommunikation, Einkäufe, Vorlieben bei Filmen und Musik, alles wird von App-Anbietern aufgezeichnet. Wer Wert auf Datensparsamkeit legt, dem blieb bislang nur, sich der Digitalisierung so weit wie möglich zu entziehen – für Viele kein gangbarer Weg.


Für App-Anbieter sind Smartphones eine nie versiegende Datenquelle. Die Anwendung AVARE dreht solchen Abzapfern den Hahn zu.

Foto: Lydia Albrecht, KIT

Forscherinnen und Forscher haben im Auftrag der Baden-Württemberg Stiftung jetzt Abhilfe geschaffen und eine Datenschutz-App entwickelt, welche trotzdem die uneingeschränkte Nutzung beliebter, aber informationshungriger Anwendungen erlaubt.

Während es bislang nötig war, die Berechtigungen jeder einzelnen App auf dem Smartphone von Hand zu ändern, um den ungewollten Abfluss von Daten zu verhindern – vielfach ist es auch gar nicht möglich, weil die betreffende App dann streikt –, genügen dafür jetzt wenige Klicks.

Das Programm AVARE lässt sich auf Android-Geräten wie eine App installieren und erzeugt dann einen abgeschlossenen Bereich, in den andere Apps eingepackt werden können und der die gesamte Kommunikation zwischen diesen Apps und dem Betriebssystem kontrolliert.

„Wir haben einen Weg gesucht, der es erlaubt, sämtliche Anwendungen uneingeschränkt zu nutzen, dabei die eigenen Daten aber nur kontrolliert weiterzugeben“, sagt Dr. Gunther Schiefer, der Leiter der Arbeitsgruppe Mobile Business am Institut für Angewandte Informatik und Formale Beschreibungsverfahren (AIFB) des KIT.

Versucht nun eine in AVARE eingepackte App etwa auf die Kontakte im Adressbuch zuzugreifen, ermöglicht AVARE es dem Nutzer, nur einzelne Kontakte freizugeben und die Freigabe beispielsweise auf Mobilfunknummer, Vor- und Nachname zu beschränken. „Adresse oder Geburtsdatum sind für einen Chat ja nicht nötig“, so Schiefer.

Darüber hinaus kann AVARE die Genauigkeit der Ortsangabe vermindern und auf einen Radius von mehreren Kilometern ausdehnen, sodass zum Beispiel eine Wetter-App weiterhin verlässliche Voraussagen geben kann, ohne den Standort des Nutzers gebäudegenau zu erfassen.

Bei Apps, die ohne pauschale Zugriffsrechte überhaupt nicht funktionieren, soll AVARE zukünftig noch weiter gehen: „Dann spielen wir falsche Daten ein, die aber als solche erkennbar sind. Die Schnittstelle des Mikrofons bekommt dann ein Rauschen, die der Kamera eine schwarze Fläche oder ein Wolkenbild, die des Adressbuchs die Notrufnummern von Feuerwehr und Pannendienst.“

Der AVARE-Code ist als Open-Source-Software verfügbar unter: www.avare.app External Link. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hoffen, dass ihr Programm von anderen Entwicklern aufgegriffen wird, die mithelfen, die momentane beta-Version zu erweitern, um zu einer Version 1.0 zu kommen.

Das Projekt AVARE wurde von der Baden-Württemberg Stiftung (http://www.bwstiftung.de) im Rahmen des Forschungsprogramms „IKT-Sicherheit“ finanziert.

Weitere Informationen und Video auf: http://www.avare.app

Details zum KIT-Zentrum Information · Systeme · Technologien (in englischer Sprache): http://www.kcist.kit.edu

Weiterer Pressekontakt: Dr. Felix Mescoli, Redakteur/Pressereferent, Tel.: +49 721 608 21171, felix.mescoli@kit.edu

Als „Die Forschungsuniversität in der Helmholtz-Gemeinschaft“ schafft und vermittelt das KIT Wissen für Gesellschaft und Umwelt. Ziel ist es, zu den globalen Herausforderungen maßgebliche Beiträge in den Feldern Energie, Mobilität und Information zu leisten. Dazu arbeiten rund 9 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf einer breiten disziplinären Basis in Natur-, Ingenieur-, Wirtschafts- sowie Geistes- und Sozialwissenschaften zusammen. Seine 25 100 Studierenden bereitet das KIT durch ein forschungsorientiertes universitäres Studium auf verantwortungsvolle Aufgaben in Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft vor. Die Innovationstätigkeit am KIT schlägt die Brücke zwischen Erkenntnis und Anwendung zum gesellschaftlichen Nutzen, wirtschaftlichen Wohlstand und Erhalt unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Originalpublikation:

https://www.kit.edu/kit/pi_2019_066_keine-chance-mehr-fur-datenkraken.php

Monika Landgraf | Karlsruher Institut für Technologie

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