Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Farbiges Erbe: Farb-Mikrofilme schützen Kulturgüter für Jahrhunderte

15.03.2010
Ein Jahr liegt der Einsturz des Kölner Stadtarchivs zurück. Zum Jahrestag stellte das für den Schutz von Kulturgut zuständige Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) gemeinsam mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek ein langzeitstabiles und einfaches Archivierungskonzept vor: die Sicherungskopie auf Farb-Mikrofilm. Technologisch basiert das Verfahren auf dem ARCHE-Belichter von Fraunhofer IPM - einem speziellen Laserbelichter für Farb-Mikrofilm.

Am Abend des 2. September 2004 zerstörte ein Brand in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar einzigartige Schriften; rund viereinhalb Jahre später, am frühen Nachmittag des 3. März 2009, stürzte das historische Archiv der Stadt Köln in sich zusammen.

Verheerende Unglücke wie diese erinnern immer wieder daran, wie wichtig eine verlässliche Langzeitarchivierung von einzigartigen Kulturgütern ist. Eine sehr sichere Archivierung bietet die bewährte Sicherungsverfilmung auf Schwarzweiß-Mikrofilm. Denn Mikrofilme sind im Gegensatz zu digitalen Sicherungskopien langzeitstabil und einfach auslesbar - nachweislich auch in über 500 Jahren noch. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BBK) ging nun gemeinsam mit der Herzogin Anna Amalia Bibliothek in Weimar am 15. März 2010 einen Schritt weiter und stellte eine neue Archivierungsmöglichkeit auf Farb-Mikrofilm vor. Damit ist erstmals die Sicherungsverfilmung auf Farb-Mikrofilm möglich. Das Verfahren basiert auf dem ARCHE-Laserfilmbelichter, der von Fraunhofer IPM in Freiburg entwickelt wurde.

Schwarzweiß-Mikrofilm: Stand der Technik

Viele schriftliche Zeugnisse von Kultur und Geschichte werden heutzutage archiviert. Geht dabei durch Unglück oder technisches Versagen ein Werk einmal verloren oder wird es zerstört, so ist das vor allem dann ein Problem, wenn es das einzige Exemplar war. Um einen unwiederbringlichen Verlust von Archivgut zu vermeiden, werden Kopien angefertigt, z. B. durch eine Sicherungsverfilmung auf Schwarzweiß-Mikrofilm. Das ist eine seit den 1960er Jahren technisch und wirtschaftlich bewährte Methode.

Ein Problem gibt es jedoch noch: bei der bislang monochromen Darstellung gehen wesentliche Informationen verloren - nicht nur bei Bildern oder Landkarten, sondern z. B. auch schon bei farbigen Änderungen in Grundbuch-Einträgen.

Farb-Mikrofilm: erfolgreicher Pilotbetrieb

Durch die Entwicklung des ARCHE-Laserbelichters von Fraunhofer IPM ist es nun erstmals in großem Stil möglich, qualitativ hochwertige Farbaufnahmen auf einem langzeitstabilen 35-mm-Mikrofilm zu archivieren. Dabei dienen die digitalen Daten der Originale, wie sie derzeit von allen wichtigen Beständen erstellt werden, als Ausgangspunkt für die Farbkopien, die mit modernster Lasertechnologie auf Film belichtet werden: Damit entstehen Aufnahmen mit einer Lebensdauer von über 500 Jahren, die sich leicht durch eine einfache Kontaktkopie vervielfältigen lassen.

Da der Laserbelichter ARCHE die digital vorliegenden Daten in einem einzigen Arbeitsschritt auf Farb-Mikrofilm übertragen kann, ist diese Art der Langzeitarchivierung äußerst kostengünstig und gleichzeitig schonend für die Originale. Bei Bedarf lassen sich die Daten ganz einfach mithilfe eines Scanners redigitalisieren. Die schnelle Durchsuchbarkeit ist dabei durch gleichzeitiges Einbinden von Metadaten beim Belichten möglich (Erstellungsdatum, Schlagwort etc.).

Im Rahmen des Zivilschutzes ist das Sichern von Archivgut eine Bundesaufgabe, die der Bund selbst und mit Hilfe der Länder durchführt. Im November 2009 kaufte der Bund den ersten ARCHE-Belichter für den Pilotbetrieb. Der Prototyp steht derzeit beim Institut für Erhaltung von Archiv- und Bibliotheksgut (IFE) des Landesarchivs Baden-Württemberg in Ludwigsburg. Das IFE beherbergt eine der größten Verfilmungswerkstätten der Bundessicherungsverfilmung und hat langjährige Erfahrung mit dem Umgang mit dem speziellen Farb-Mikrofilm "Ilfochrome", der dabei zum Einsatz kommt. Insgesamt gibt es bundesweit 14 Verfilmungsstellen.

Hintergrund:
Mikrofilm - das einzige Medium für eine echte Langzeitarchivierung
Der Einsatz von Mikrofilm als Medium für die Langzeitarchivierung ist heute unter Experten unumstritten. Digitalisierte Dokumente eignen sich zwar für eine zeit- und ortsunabhängige Nutzung, sie sind jedoch für die gesetzlich geforderte Langzeitarchivierung (500 Jahre für Kulturgüter laut Haager Konvention) ungeeignet.
Probleme digitaler Datenträger:
-> Die physische Langzeitstabilität digitaler Datenträger ist nicht gegeben. Selbst für hochwertige goldbeschichtete DVDs geben die Hersteller keine Haltbarkeitsgarantien über mehrere Jahre.
-> Datenträgerformate ändern sich in immer kürzeren Zeiträumen und können mit Auslesegeräten neuerer Generationen nicht mehr gelesen werden (die Floppy-Disk ist bereits heute nur noch von Spezialisten lesbar). Daten müssen permanent auf aktuelle Formate konvertiert werden. Dies ist mit hohen Risiken verbunden (Manipulation, rund 2 bis 3 Prozent Datenverlust; hoher Aufwand)
-> Mikrofilm-Material hat sich in simulierten Langzeittests als äußerst stabil erwiesen. Experten gehen davon aus, dass bestimmtes Material (z. B. der Spezialfilm von Ilford) bei sachgerechter Lagerung bis zu 500 Jahre stabil bleibt. Das Medium hat sich seit 140 Jahren bewährt.

-> Farb-Mikrofilm bietet eine hohe Auflösung und Dichte. Auf einem Bild von 32 x 45 mm, einem so genannten Frame, können mehrere Hundert MB gespeichert werden. So können Bücher oder auch Gemälde in den Originalfarben detailgetreu archiviert werden (z. B. auch der jeweilige Farb-Status eines Gemäldes, dessen Farben sich natürlicherweise im Laufe von Jahrzehnten verändern). So könnten auch nach Jahren Aussagen über die Originalfarben von Gemälden getroffen werden.

Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK):
http://www.bbk.bund.de
Herzogin Anna Amalia Bibliothek:
http://www.klassik-stiftung.de/einrichtungen/herzogin-anna-amalia-bibliothek.html
Fraunhofer IPM:
Das Fraunhofer-Institut für Physikalische Messtechnik IPM verfügt über langjährige Erfahrung in optischer 2-D- und 3-D-Messtechnik. Fraunhofer IPM entwickelt und realisiert schlüsselfertige optische Sensor- und Belichtungssysteme. Bei den vorwiegend laserbasierten Systemen sind Optik, Mechanik, Elektronik und Software ideal aufeinander abgestimmt. Die Lösungen sind besonders robust ausgelegt und jeweils individuell auf die Bedingungen am Einsatzort zugeschnitten. Auf dem Gebiet der Thermoelektrik ist das Institut führend in der Materialforschung, der Simulation und dem Aufbau von Systemen. In der Dünnschichttechnik arbeitet Fraunhofer IPM an Materialien, Herstellungsprozessen und Systemen, ein weiteres Betätigungsfeld ist die Halbleiter-Gassensorik.
Ihr Ansprechpartner bei Fraunhofer IPM:
Dr. Dominik Giel
Telefon +49 761 8857-389
dominik.giel@ipm.fraunhofer.de

Holger Kock | Fraunhofer-Gesellschaft
Weitere Informationen:
http://www.ipm.fraunhofer.de
http://www.ipm.fraunhofer.de/fhg/ipm/presse/meldungen/index.jsp

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Kryptografie für das Auto der Zukunft
11.10.2019 | Fraunhofer-Institut für Sichere Informationstechnologie SIT

nachricht Mit einer WebApp passende Grünflächen aufspüren – Interessierte können jetzt Beta-Version testen
11.10.2019 | Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung e. V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics