Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Internet zum Anfassen - Daten werden über Tast-Player für jedermann zugänglich

01.10.2007
Wer einen Anzug im Internet kaufen möchte, der wird in Zukunft auch den Stoff fühlen können: Prof. Abdulmotaleb El Saddik, Wissenschaftler an der University of Ottawa/Kanada, Absolvent der TU Darmstadt und derzeit als Gastwissenschaftler an der TU, arbeitet gemeinsam mit Prof. Ralf Steinmetz am virtuellen Tastsinn. Der große Nachteil des Einkaufens im Internet, dass man die Ware nicht anfassen kann, könnte damit bald aufgehoben sein.

Prof. El Saddik will gemeinsam mit der Arbeitsgruppe um Steinmetz am Fachgebiet Multimedia Kommunikation an der TU erforschen, wie die Informationen der unterschiedlichen Sinnesbereiche synchronisiert werden können. "Hier in Darmstadt gibt es die notwendige Internet-Expertise. Ich hoffe, dass wir eine Lösung finden, wie Daten des Tastsinnes gleichzeitig mit Video- und Audio-Daten empfangen werden können", berichtet El Saddik.

Das könnte beispielsweise die Telemedizin einen großen Schritt voranbringen. Medizinstudenten könnten unter quasi realen Bedingungen Operationen trainieren. Bislang lernen die angehenden Ärzte über Monitore, wie Organe aussehen, nicht aber, wie sie sich anfühlen. Das Gefühl ist jedoch vor allem für die immer häufiger durchgeführten minimal-invasiven Operationen besonders wichtig. Die angehenden Ärzte erhalten mit der neuen Technik ein Gespür dafür, wie sich die Operationen am Körper anfühlen, noch bevor sie zum ersten Mal eine reale OP durchführen.

El Saddik gilt als Pionier der Haptik im Internet. Der gebürtige Libanese hat im Juni in Berlin für seine bahnbrechenden Forschungen den mit 45.000 Euro dotierten Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis der Alexander von Humboldt-Stiftung erhalten. "Als nächstes werden wir in nächster Zeit einen Haptik-Player im Internet zur Verfügung stellen", erzählt El Saddik. Er ist einem Video-Player vergleichbar, mit dem Unterschied, dass er anstelle von Bildern ertastete Daten wiedergibt.

Eingesetzt werden haptische Player bereits in Sprachkursen. Schüler, die japanische Schriftzeichen schreiben lernen, erhalten haptische Daten eines Japanisch-Lehrers, der vorab japanische Schriftzeichen aufgemalt hat. Zuvor hat er sich ein mit 22 Sensoren ausgestattetes Gerät über die Hand gezogen, dass die Kräfte, die beim Führen des Stiftes ausgeübt werden, durch ein so genanntes Force-Feedback speichert.

Das Gefühl, wie der Stift beim Zeichnen japanischer Schriftzeichen zu halten ist, kann jeder nachspüren, der sich ebenfalls ein solches Messgerät über die Hand zieht und über den Haptik-Player die Daten wiedergeben lässt.

In Kanada etwa bemühen sich Wissenschaftler schon um eine weitere Anwendung. Sie wollen "Kunst zum Anfassen" schaffen. In virtuellen Museen sollen Kunstgegenstände nicht mehr nur optisch zu bewundern sein, so dass Liebhaber künftig via Internet Eindrücke von Kunstschätzen wie der Venus von Milo erhalten könnten, die ihnen im realen Leben verwehrt bleiben: Sie können die virtuelle Dame anschauen und anfassen.

Medienkontakt:
Wolf Hertlein, Referat Kommunikation, TU Darmstadt, Tel. 06151 16 - 3229

Jörg Feuck | idw
Weitere Informationen:
http://www.tu-darmstadt.de/

Weitere Berichte zu: Anfassen Haptik-Player Schriftzeichen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Informationstechnologie:

nachricht Plasmonen im atomaren Flachland
25.02.2020 | Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie

nachricht Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien
25.02.2020 | Universität Bayreuth

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Informationstechnologie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Im Focus: From China to the South Pole: Joining forces to solve the neutrino mass puzzle

Study by Mainz physicists indicates that the next generation of neutrino experiments may well find the answer to one of the most pressing issues in neutrino physics

Among the most exciting challenges in modern physics is the identification of the neutrino mass ordering. Physicists from the Cluster of Excellence PRISMA+ at...

Im Focus: Krankheiten ohne Medikamente heilen

Fraunhofer-Forschende wollen mit Mikroimplantaten Nervenzellen gezielt elektrisch stimulieren und damit chronische Leiden wie Asthma, Diabetes oder Parkinson behandeln. Was diese Therapieform so besonders macht und welche Herausforderungen die Forscher noch lösen müssen.

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist jede vierte Frau von Harninkontinenz betroffen. Diese Form der Blasenschwäche wurde bislang durch ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Plasmonen im atomaren Flachland

25.02.2020 | Informationstechnologie

Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

25.02.2020 | Informationstechnologie

Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

25.02.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics