Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

«Sozialer Kitt» der Schweizer Gesellschaft wird untersucht

24.05.2012
Ehrenamtliche Tätigkeiten gelten als sozialer Kitt einer Gesellschaft. Am Institut für Politikwissenschaft der Universität Bern wurde eine Forschungspartnerschaft mit der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) eingerichtet, die sich der Freiwilligenarbeit und deren ge- sellschaftlichen Bedeutung in der Schweiz widmet.

Im Europäischen Jahr der Freiwilligkeit 2011 wurde das Ziel gesetzt, die Rahmenbedingungen sowie die Sichtbarkeit des freiwilligen Engagements in Europa zu verbessern. In der Schweiz knüpft nun eine neue Forschungspartnerschaft zwischen der Universität Bern unter der Leitung von Prof. Dr. Markus Freitag und der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) an dieses Ziel an.

Die Kooperation wurde im April 2012 unter der Bezeichnung «Freiwilliges Engagement und Sozialkapital» eingerichtet. Künftig widmen sich Politikwissenschaftlerinnen und Politikwissenschaftler der Universität Bern intensiv dem Bestand, den Ursprüngen und den Konsequenzen der freiwilligen und ehrenamtlichen Tätigkeiten, die gemeinhin als sozialer Kitt oder als soziales Kapital einer Gesellschaft gelten. Konkret werden die Zusammenhänge zwischen dem freiwilligen Engagement und Demokratie, Sozialstaat, Religion und kultureller Diversität für die Schweiz analysiert.

Vereinsleben erstmals schweizweit untersucht
Das jüngste Ergebnis der Forschungszusammenarbeit wurde mit der soeben erschienenen Studie «Zivilgesellschaft in der Schweiz. Analysen zum Vereinsengagement auf lokaler Ebene» vorgelegt. Die Studie nimmt gegenwärtige Debatten zur Zivilgesellschaft zum Anlass, erstmalig die lokalen Bestände und Voraussetzungen für das freiwillige Vereinsengagement schweizweit empirisch auszuleuchten. Neben einer Erhebung der Vereinsstrukturen in über 1200 Kommunen wurden in 60 repräsentativen Gemeinden auch die Bürgerinnen und Bürger zu ihrem Vereinsengagement sowie zu ihren Einschätzungen bezüglich des Vereinslebens befragt. Im Zentrum stand dabei die Erfassung und Analyse lokaler Gegebenheiten freiwilligen Engagements, wie etwa die Vereinslandschaft vor Ort oder die kulturellen, strukturellen und politischen Voraussetzungen in den Gemeinden.

Insbesondere versuchten die Forschenden, erstmals lokale Instrumente zur Förderung der Freiwilligkeit wie Kontakt- und Anlaufstellen, Öffentlichkeitsarbeit und Formen der Anerkennung mit dem tatsächlichen Engagement der Einwohnerinnen und Einwohner in Bezug zu setzen und einen Eindruck über die Wirksamkeit verschiedener Massnahmen kommunaler «Engagementpolitik» zu vermitteln. Die detaillierten Analysen münden in konkreten Handlungsempfehlungen, wie die Vereinslandschaft gefördert werden kann und wie sich freiwillig und ehrenamtlich Tätige gewinnen lassen – «um der landauf, landab beklagten Auflösung des sozialen Kitts entgegenzutreten», sagt der Leiter der Forschungskooperation Markus Freitag.

So sollen Vereine und ihre Vertreter frühzeitig in die lokalpolitischen Entscheidungsprozesse eingebunden werden, wenn es um deren Belange geht. Ausserdem könnte eine unbürokratische und kostenlose Bereitstellung von Infrastruktur durch die Gemeinde wie auch gezielte Informationen über die lokale Vereinslandschaft das Vereinswesen beleben. Materielle und personelle Unterstützung der Gemeinde sowie Informationen über die lokalen Vereine helfen zudem, gering Gebildete, Nichterwerbstätige und ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger für ein freiwilliges Engagement zu gewinnen. Somit besteht die Wirkung politischer Massnahmen vor allem in einer Ausweitung der freiwilligen Tätigkeit auf breitere Bevölkerungsschichten, während der Umfang des Vereinsengagements von den kulturellen Traditionen der Gemeinden abhängt: Kultur bestimmt die Quantität, Politik die soziale Qualität lokaler Vereinstätigkeit.

Studie: Richard Traunmüller, Isabelle Stadelmann-Steffen, Kathrin Ackermann, Markus Freitag: Zivilgesellschaft in der Schweiz. Analysen zum Vereinsengagement auf lokaler Ebene, 2012, Seismo Verlag, 240 S., ISBN-13: 9783037771136

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.sgg-ssup.ch/
http://www.ipw.unibe.ch/content/index_ger.html
http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2012/freiwilligenarbeit/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Teilhabeatlas Deutschland – Ungleichwertige Lebensverhältnisse und wie die Menschen sie wahrnehmen
22.08.2019 | Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung

nachricht Vor allem Geringverdiener und gut Ausgebildete bleiben auch im Rentenalter in Beschäftigung
15.08.2019 | Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neuer Werkstoff für den Bootsbau

Um die Entwicklung eines Leichtbaukonzepts für Sportboote und Yachten geht es in einem Forschungsprojekt der Technischen Hochschule Mittelhessen. Prof. Dr. Stephan Marzi vom Gießener Institut für Mechanik und Materialforschung arbeitet dabei mit dem Bootsbauer Krake Catamarane aus dem thüringischen Apolda zusammen. Internationale Kooperationspartner sind Prof. Anders Biel von der schwedischen Universität Karlstad und die Firma Lamera aus Göteborg. Den Projektbeitrag der THM fördert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramms Mittelstand mit 190.000 Euro.

Im modernen Bootsbau verwenden die Hersteller als Grundmaterial vorwiegend Duroplasten wie zum Beispiel glasfaserverstärkten Kunststoff. Das Material ist...

Im Focus: Novel Material for Shipbuilding

A new research project at the TH Mittelhessen focusses on the development of a novel light weight design concept for leisure boats and yachts. Professor Stephan Marzi from the THM Institute of Mechanics and Materials collaborates with Krake Catamarane, which is a shipyard located in Apolda, Thuringia.

The project is set up in an international cooperation with Professor Anders Biel from Karlstad University in Sweden and the Swedish company Lamera from...

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Dezember 2019

14.10.2019 | Veranstaltungen

10. Weltkonferenz der Ecosystem Services Partnership an der Leibniz Universität Hannover

14.10.2019 | Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Technologiemodul senkt Ausschussrate von Mikrolinsen auf ein Minimum

14.10.2019 | Informationstechnologie

Diagnostik für alle

14.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Bayreuther Forscher entdecken stabiles hochenergetisches Material

14.10.2019 | Materialwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics