Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ökonom der Universität Münster untersuchte Heilerfolge bei Phobien

23.10.2003


Klinische Studien lassen Patienten darauf vertrauen, dass die Wirksamkeit ihrer Behandlung durch Statistiken belegt ist. Die physiologische Heilung ist scheinbar einfach zu evaluieren, doch psychotherapeutische Methoden sind deutlich schwerer auf Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit zu überprüfen. Einen neueren Ansatz des "Operations Research" hat jetzt Prof. Dr. Aloys Prinz vom Institut für Finanzwissenschaft der Universität Münster angewandt, um die Effizienz der Therapien von Angsterkrankungen zu untersuchen.

... mehr zu:
»Heilerfolg »Phobie »Therapie »Ökonom

Ihn interessierte nicht das medizinische Detail, das im einen Einzelfall zur Heilung, im anderen zur Fortdauer der Krankheit führen mag, sondern die gesundheitsökonomischen Folgerungen, die sich aus den verschiedenen Psychotherapien ergeben. Prinz wurde von einer Klinik gebeten, Daten zu Therapie, Verweildauer und Rückfallquote auszuwerten, die im Rahmen einer Multicenterstudie mit acht Kliniken und einigen Hundert Patienten erhoben worden waren.

"Das grundsätzliche Problem ist, dass die Patienten sehr heterogen sind. Sie unterscheiden sich sowohl in der Ausprägung der Krankheit als auch in der bisherigen Dauer der Erkrankung. Dazu können weitere Krankheiten kommen, die das Gesamtbild beeinflussen", erläutert der Gesundheitsökonom. Auch Krankenhäuser lassen sich nur bedingt miteinander vergleichen, da beispielsweise Universitätsklinika normalerweise die schwersten Fälle betreuen. Die Aufgabe von Prof. Prinz bestand darin, die unterschiedlichen Fälle dennoch miteinander vergleichbar zu machen. "Dazu haben wir in erster Linie den Schweregrad der Erkrankung und die Befindlichkeit des Patienten vor Beginn der Behandlung herangezogen. Für das Behandlungsergebnis wurde der Gesundheitszustand unmittelbar nach der Behandlung sowie ein Jahr später als Maßstab genommen", erklärt Prinz.


Während sich unmittelbar nach der Behandlung die Unterschiede zwischen Behandlungsmethoden und Kliniken in Grenzen hielten, ergab sich ein Jahr später ein völlig anderes Bild: "Nicht gerade wenigen Patienten ging es nach zwölf Monaten schlechter als vor der Therapie", so Prinz. Auch wenn dieses Ergebnis aus methodischen Gründen mit großer Vorsicht zu interpretieren sei, weil nicht alle Patienten nach einem Jahr wieder befragt werden konnten, so vermutet Prinz doch einen relativ engen Zusammenhang zwischen Behandlungsmethode und Heilungserfolg. "Viele Kliniken arbeiten schulorientiert und bieten jeweils die selben Therapien für unterschiedliche Ausprägungen der Erkrankungen an. Die Kliniken sollten voneinander lernen und die Methoden sowie ihre Anwendung im Detail dementsprechend anpassen", fordert der Ökonom. Eine auf den ersten Blick teurere Therapie könne sich langfristig als die kostengünstigere herausstellen, wenn die Patienten dauerhaft geheilt seien und keine Behandlung mehr brauchen.

"Studien dieser Art sind so wichtig, weil sie die Heilungsergebnisse nicht unter Laborbedingungen, sondern im klinischen Alltag beleuchten", meint Prof. Prinz. Für die Behandlung von psychischen Erkrankungen kommt er zu dem Schluss, dass zum einen die Verbindung von stationärer und ambulanter Behandlung verbessert werden, zum anderen die Flexibilität des Methodeneinsatzes deutlich erhöht werden solle.

Brigitte Nussbaum | idw
Weitere Informationen:
http://www.wiwi.uni-muenster.de/~13/IfF2-Organisation-Prinz.htm

Weitere Berichte zu: Heilerfolg Phobie Therapie Ökonom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Gesellschaftswissenschaften:

nachricht Der ängstliche Nao - Wenn Menschen emotional auf Roboter reagieren
14.08.2018 | Universität Duisburg-Essen

nachricht Mit stochastischer Spieltheorie zu mehr Kooperation
05.07.2018 | Institute of Science and Technology Austria

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Gesellschaftswissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics