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Veränderungen südpazifischer Höhenwinde beeinflussen Antarktis langfristig

05.11.2019

Neue Erkenntnisse aus der Erdgeschichte verbessern das Verständnis von Klimamechanismen

Die Höhenwinde des südlichen Westwindgürtels, der fast die Hälfte des Globus umfasst, haben sich in der letzten 1 Million Jahre über dem Südpazifik nicht so gleichförmig verhalten wie angenommen. Stattdessen verändern sie sich zyklisch auf langen Zeitskalen von ca. 21.000 Jahren.


Änderungen des Flusseintrages vor Nordchile über die letzten 1 Millionen Jahre und Vergleich zu Änderungen der Präzession der Erdachse

Grafik: Helge Arz IOW, Frank Lamy AWI

Eine neue Studie belegt nun eine enge Kopplung des Klimas der mittleren und hohen Breiten an das der Tropen im Südpazifik, mit Konsequenzen für die Kohlenstoffbilanz des pazifischen Südozeans und die Stabilität des westantarktischen Eisschildes.

Die Studie hat Dr. Frank Lamy, Geowissenschaftler am Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung mit weiteren Forschenden aus Chile, den Niederlanden, USA und Deutschland verfasst. Sie wurde jetzt in den Proceedings of the National Academy of Sciences of the United States of America (PNAS) veröffentlicht.

Die Änderungen des südlichen Westwindgürtels haben fundamentale Auswirkungen auf die Stärke und Position des antarktischen Zirkumpolarstromes, der weltweit größten Meeresströmung, welche die globale Ozeanzirkulation steuert. Ein Schlüsselfaktor ist dabei der windgesteuerte Auftrieb von CO2-reichem Tiefenwasser, das relativ warm ist und dadurch die Stabilität des westantarktischen Eisschildes und das Kohlenstoffbudget des Südpolarmeeres beeinflusst.

Anhand von Sedimentkernen untersuchte das Forscherteam Veränderungen des Sedimenteintrags in den Pazifik vor Chile, die durch Niederschläge bedingt waren. Sie betrachteten die letzten 1 Millionen Jahre und stellten dabei starke sogenannte Präzessionszyklen fest.

Diese werden verursacht durch natürliche Schwankungen in den Erdumlaufbahnparametern, in diesem Falle zyklische Veränderungen in der Rotationsbewegung der Erdachse alle ca. 21.000 Jahre. Veränderungen dieser und weiterer orbitaler Zyklen gelten als ein wesentlicher Antriebsmotor des Wechsels von langfristigen Kalt- und Warmzeiten während der letzten Millionen Jahre auf der Erde.

„Zunächst war es schwierig zu erklären, warum die Veränderungen in der Zusammensetzung der vom Kontinent stammenden Sedimente vor der südlichen Atacama Wüste in Nord-Chile ausgeprägte Niederschlagsschwankungen über die 21000 Jahre anzeigten und weniger ausgeprägte über die längerfristigen Zyklen der Warm- und Eiszeiten“ erläutert der Sedimentologe, Helge Arz (Institut für Ostseeforschung Warnemünde).

Die Erklärung dieser Beobachtung gelang in Zusammenarbeit mit dem amerikanischen Klima-Modellierer John Chiang (University of California, Berkeley): „Unsere Klimamodelle zeigen, dass die in den Sedimentkernen aufgezeichneten Niederschlagsänderungen letztendlich mit der Konfiguration der Höhenwinde über dem subtropischen Pazifik zusammenhängen. Dabei verändert sich die Aufspaltung des Höhenwindes in einen nördlichen, subtropischen Ast, einen mittleren und einen subpolaren Ast über den 21.000 Jahre währenden Zyklus.“

“Die Studie liefert erstmals Hinweise auf langfristige Änderungen der Höhenwinde des südlichen Westwindgürtels über dem Südpazifik“, erklärt Dr. Frank Lamy. „Unsere Ergebnisse lassen auf engere atmosphärische Verbindungen zwischen den Tropen und mittleren bis hohen Breiten als in anderen Sektoren der Südhemisphäre schließen mit Auswirkungen auf die globale Umwälzzirkulation und die ozeanische Speicherung von atmosphärischem CO2“, so Lamy weiter.

Die Erkenntnisse sind auch zum Verständnis heutiger und besonders zukünftiger großräumiger Klimamechanismen auf der weit weniger untersuchten Südhemisphäre wichtig. Entscheidend ist dabei die enge Kopplung der pazifischen Tropen mit dem Ursprung des global wirksamen Klimaphänomens El Niño-Southern Oscillation (ENSO) an die Westantarktis.

Die Daten zeigen, dass die starke ENSO-Empfindlichkeit des Eisschildes im pazifischen Sektor, die aus Satellitenbeobachtungen während der letzten wenigen Jahrzehnte bekannt sind, wahrscheinlich auch auf weit längeren Zeiträumen von Bedeutung ist. „Eine Veränderung der Höhenwinde im Südpazifik durch die von vielen Klimamodellen vorausgesagte Zunahme und Verstärkung der El Niño Ereignisse, würde die Stabilität des westantarktischen Eisschildes verringern und auch die CO2-Speicherung im Südpazifik negativ beeinflussen“, ordnet Dr. Frank Lamy die Forschungsergebnisse ein.

Hinweise für Redaktionen:

Ihr wissenschaftlicher Ansprechpartner ist Dr. Frank Lamy, Tel. 0471 4831-2124 (E-Mail: Frank.Lamy(at)awi.de).

Ihre Ansprechpartnerin in der Abteilung Kommunikation und Medien ist Ulrike Windhövel, Tel. 0471 4831-2008 (E-Mail: medien(at)awi.de).

Druckbare Bilder finden Sie in der Online-Version dieser Pressemitteilung nach Ablauf der Sperrfrist: https://www.awi.de/ueber-uns/service/presse.html

Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 19 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft

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