Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Karbonatreiches Gestein auf dem Mars entdeckt: lebensfreundliche Bedingungen auf dem frühen Mars

04.06.2010
Tübinger Forscher an Science-Publikation beteiligt

Der Mars heute ist kalt, trocken und von einer dünnen CO2-Atmosphäre umgeben. Viele Hinweise belegen aber das Vorhandensein von flüssigem Wasser auf seiner Oberfläche in der Vergangenheit, was gleichzeitig höhere Temperaturen und eine dichtere Atmosphäre und damit lebensfreundliche Bedingungen für mögliches mikrobielles Leben nahe legt.

Wasser in Verbindung mit CO2 aus der Atmosphäre hätte aber, wie auf der Erde, zu massiven Ablagerungen von Karbonaten führen müssen. Bisher gab es nur spärliche Hinweise auf solche Ablagerungen. Mit Hilfe des NASA Mars Exploration Rovers Spirit wurde jetzt auf dem Gusev-Krater Gestein entdeckt, das zu etwa einem Viertel seines Gewichtes aus Karbonat besteht und damit erdähnliche Bedingungen in der Frühzeit des Mars bestätigt. Der an den Universitäten Tübingen und Bayreuth beschäftigte Physiker Christian Schröder war an der Mars-Mission und der Entdeckung durch zwei Messgeräte und Auswertungen beteiligt. Die Ergebnisse der von Richard Morris am Johnson Space Center in Houston geleiteten Analyse des Gesteins werden am 4. Juni 2010 vom Wissenschaftsjournal Science vorab online auf dessen Science Express Webseite veröffentlicht

(http://dx.doi.org/10.1126/science.1189667).

Das neu nachgewiesene Karbonat ähnelt in seiner Zusammensetzung dem auf der Erde gefundenen und vom Mars stammenden Meteoriten ALH 84001 und den schon früher entdeckten Karbonatablagerungen in der Nili Fossae Region des Mars. Diese drei Gesteine sind ihrer chemischen und mineralogischen Zusammensetzung nach durch ähnliche Prozesse entstanden. Die Karbonate in diesen Gesteinen haben sich vor etwa 4 bis 3.5 Milliarden Jahren gebildet. Die Ursprungsregion von ALH 84001 auf dem Mars ist unbekannt; Nili Fossae ist etwa 6300 km vom Gusev-Krater entfernt. Dies lässt für die Frühzeit des Mars aktive Prozesse vermuten, die den ganzen Planeten betrafen.

Analysen mit den Messgeräten Spirits Mössbauer-Spektrometer und APXS (Alpha-Particle X-Ray Spectrometer) Instrument waren entscheidend für die Entdeckung des Karbonatgesteins. Christian Schröder unterstützt den Einsatz der beiden Instrumente während der seit 2004 laufenden Mars Exploration Rover Mission und ist mitverantwortlich für die Datenanalyse. Während seiner Doktorarbeit in Mainz war er an der Entwicklung des miniaturisierten Mössbauer-Spektrometers für die Mars Rover beteiligt. Danach arbeitete er am Johnson Space Center in Houston. In Tübingen und Bayreuth ist er für Mössbauer-Analysen innerhalb der von der DFG geförderten Forschergruppe „Elektronen Transferprozesse in anoxischen Grundwasserleitern“ zuständig – eine Thematik, die sich auch auf die Suche nach Leben auf dem Mars übertragen lässt.

Nähere Informationen:
Morris, R. V., S. W. Ruff, R. Gellert, D. W. Ming, R. E. Arvidson, B. C. Clark, D. C. Golden, K. Siebach, G. Klingelhöfer, C. Schröder, I. Fleischer, A. Yen, and S. W. Squyres (2010), Identification of carbonate-rich outcrops on Mars by the Spirit Rover, Science, in press.

DOI 10.1126/science.1189667

Kontakt:
Dr. Christian Schröder
Universität Tübingen und Universität Bayreuth
Sigwartstr. 10
72076 Tübingen
Tel.: 07071-29-78924
Fax: 07071-29-5059
E-Mail: christian.schroeder [at] ifg.uni-tuebingen.de

Michael Seifert | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-tuebingen.de
http://www.ifg.uni-tuebingen.de/departments/zag/environmental_mineralogy/group/Schroeder_Christian.html

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Eine Festung aus Eis und Schnee
04.10.2019 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

nachricht Vom Verschwinden der peruanischen Gletscher
02.10.2019 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Controlling superconducting regions within an exotic metal

Superconductivity has fascinated scientists for many years since it offers the potential to revolutionize current technologies. Materials only become superconductors - meaning that electrons can travel in them with no resistance - at very low temperatures. These days, this unique zero resistance superconductivity is commonly found in a number of technologies, such as magnetic resonance imaging (MRI).

Future technologies, however, will harness the total synchrony of electronic behavior in superconductors - a property called the phase. There is currently a...

Im Focus: Ultraschneller Blick in die Photochemie der Atmosphäre

Physiker des Labors für Attosekundenphysik haben erkundet, was mit Molekülen an den Oberflächen von nanoskopischen Aerosolen passiert, wenn sie unter Lichteinfluss geraten.

Kleinste Phänomene im Nanokosmos bestimmen unser Leben. Vieles, was wir in der Natur beobachten, beginnt als elementare Reaktion von Atomen oder Molekülen auf...

Im Focus: Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Wie kommt es, dass manche Neutronensterne zu den stärksten Magneten im Universum werden? Eine mögliche Antwort auf die Frage nach der Entstehung dieser sogenannten Magnetare hat ein deutsch-britisches Team von Astrophysikern gefunden. Die Forscher aus Heidelberg, Garching und Oxford konnten mit umfangreichen Computersimulationen nachvollziehen, wie sich bei der Verschmelzung von zwei Sternen starke Magnetfelder bilden. Explodieren solche Sterne in einer Supernova, könnten daraus Magnetare entstehen.

Wie entstehen die stärksten Magnete des Universums?

Im Focus: How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

How do some neutron stars become the strongest magnets in the Universe? A German-British team of astrophysicists has found a possible answer to the question of how these so-called magnetars form. Researchers from Heidelberg, Garching, and Oxford used large computer simulations to demonstrate how the merger of two stars creates strong magnetic fields. If such stars explode in supernovae, magnetars could result.

How Do the Strongest Magnets in the Universe Form?

Im Focus: Wenn die Erde flüssig wäre

Eine heisse, geschmolzene Erde wäre etwa 5% grösser als ihr festes Gegenstück. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie unter der Leitung von Forschenden der Universität Bern. Der Unterschied zwischen geschmolzenen und festen Gesteinsplaneten ist wichtig bei die Suche nach erdähnlichen Welten jenseits unseres Sonnensystems und für das Verständnis unserer eigenen Erde.

Gesteinsplaneten so gross wie die Erde sind für kosmische Massstäbe klein. Deshalb ist es ungemein schwierig, sie mit Teleskopen zu entdecken und zu...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Bildung.Regional.Digital: Tagung bietet Rüstzeug für den digitalen Unterricht von heute und morgen

10.10.2019 | Veranstaltungen

Zukunft Bau Kongress 2019 „JETZT! Bauen im Wandel“

10.10.2019 | Veranstaltungen

Aktuelle Trends an den Finanzmärkten im Schnelldurchlauf

09.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IZM setzt das E-Auto auf die Überholspur

11.10.2019 | Energie und Elektrotechnik

IVAM-Produktmarkt auf der COMPAMED 2019: Keine Digitalisierung in der Medizintechnik ohne Mikrotechnologien

11.10.2019 | Messenachrichten

Kryptografie für das Auto der Zukunft

11.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics