Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Geowissenschaften: Was unter dem Wald schläft

15.10.2018

Gar nicht so tief unter der Oberfläche des Waldbodens beginnt ein weitgehend unbekanntes Terrain. Während man über die Prozesse der obersten 30 Zentimeter des Bodens gut Bescheid weiß, stehen tiefere Bereiche des Erdreichs im Fokus einer Forschungsgruppe unter Leitung von Prof. Dr. Bernd Marschner vom Geographischen Institut der Fakultät für Geowissenschaften der Ruhr-Universität Bochum (RUB). Hier ist doppelt so viel Kohlenstoff gespeichert wie in der Atmosphäre und Vegetation zusammen. Wie alt er ist, wo er herkommt und warum ihn niemand verstoffwechselt, ist Gegenstand der Untersuchungen.

Tests an repräsentativen Böden


Prof. Dr. Bernd Marschner mit den Projektmitarbeitern Michael Herre und Dr. Julian Heitkötter (von links) an einem Bodenprofil

Damian Gorczany

Über die Hälfte des Kohlenstoffs im Boden befinden sich tiefer als 30 Zentimeter unter der Oberfläche – wie lange schon? Gibt es dort Leben? Findet ein Austausch des Kohlenstoffs mit dem in der Atmosphäre statt? Um diese Fragen zu beantworten, führen die Forscherinnen und Forscher umfassende Tests an repräsentativen Böden im Raum Hannover und Göttingen durch.

Aus den Blättern kommt fast nichts an

Sie gruben unter äußerster Vorsicht Schächte in den Waldboden, aus denen sie kontinuierlich Proben nehmen und auswerten. Sie untersuchten mit viel Aufwand, wie viel Kohlenstoff aus dem Laub der Bäume wie tief in den Waldboden eindringt.

Dazu tauschten sie im Herbst das gesamte gefallene Buchenlaub einiger Bäume gegen zuvor markiertes Laub aus. „Zu unserer Überraschung haben wir dabei festgestellt, dass weniger als ein Prozent des Kohlenstoffs aus den Blättern in die tieferen Bodenschichten gelangt war“, erzählt Bernd Marschner.

Leben gibt es – aber es tastet den Kohlenstoff nicht an

Der Kohlenstoff in der Tiefe ist also sehr alt, unterhalb von 50 Zentimetern oft über 1.000 Jahre. Woher stammt er und vor allem: Wieso bleibt er so unberührt? Warum verstoffwechseln ihn diese Lebewesen nicht? Dass es Leben tief im Boden gibt, konnten die Forscher der Gruppe nachweisen. Sie behandelten Proben aus tiefen Bodenschichten mit Zuckerlösung und stellten plötzlich eine erhebliche Stoffwechselaktivität fest.

Wie man verhindert, dass der Kohlenstoff in die Atmosphäre gelangt

Nun prüfen sie die Auswirkungen anderer Stoffe auf die Mikroorganismen im Boden, um festzustellen, ob auch diese sie aufwecken können. „Diese Frage ist deswegen besonders interessant, weil wir möglichst vermeiden sollten, dass der im Boden gespeicherte alte Kohlenstoff verstoffwechselt wird und als CO2 in die Atmosphäre gelangt“, so Bernd Marschner. „CO2 als Klimagas würde sonst den Klimawandel extrem anheizen.“

Die Forschergruppe Subsom wird seit 2013 von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Prof. Dr. Bernd Marschner
Lehrstuhl Bodenkunde und Bodenökologie
Fakultät für Geowissenschaften
Ruhr-Universität Bochum
Tel.: 0234 32 22108
E-Mail: bernd.marschner@rub.de

Weitere Informationen:

http://news.rub.de/wissenschaft/2018-09-05-geowissenschaften-was-unter-dem-wald-... - Einen ausführlichen Beitrag zum Thema finden Sie im Wissenschaftsmagazin Rubin. Texte auf der Webseite und Bilder aus dem Downloadbereich dürfen unter Angabe des Copyrights für redaktionelle Zwecke honorarfrei verwendet werden.

Meike Drießen | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Berichte zu: Atmosphäre Bodenschichten CO2 Geowissenschaften Schächte Waldboden

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Letztes Stadium vor dem grossen Knall?
19.11.2018 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Massiver Meteoriten-Einschlagskrater entdeckt
15.11.2018 | Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: InSight: Touchdown auf dem Mars

Am 26. November landet die NASA-Sonde InSight auf dem Mars. Erstmals wird sie die Stärke und Häufigkeit von Marsbeben messen.

Monatelanger Flug durchs All, flammender Abstieg durch die Reibungshitze der Atmosphäre und sanftes Aufsetzen auf der Oberfläche – siebenmal ist das Kunststück...

Im Focus: Weltweit erstmals Entstehung von chemischen Bindungen in Echtzeit beobachtet und simuliert

Einem Team von Physikern unter der Leitung von Prof. Dr. Wolf Gero Schmidt, Universität Paderborn, und Prof. Dr. Martin Wolf, Fritz-Haber-Institut Berlin, ist ein entscheidender Durchbruch gelungen: Sie haben weltweit zum ersten Mal und „in Echtzeit“ die Änderung der Elektronenstruktur während einer chemischen Reaktion beobachtet. Mithilfe umfangreicher Computersimulationen haben die Wissenschaftler die Ursachen und Mechanismen der Elektronenumverteilung aufgeklärt und visualisiert. Ihre Ergebnisse wurden nun in der renommierten, interdisziplinären Fachzeitschrift „Science“ veröffentlicht.

„Chemische Reaktionen sind durch die Bildung bzw. den Bruch chemischer Bindungen zwischen Atomen und den damit verbundenen Änderungen atomarer Abstände...

Im Focus: Rasende Elektronen unter Kontrolle

Die Elektronik zukünftig über Lichtwellen kontrollieren statt Spannungssignalen: Das ist das Ziel von Physikern weltweit. Der Vorteil: Elektromagnetische Wellen des Licht schwingen mit Petahertz-Frequenz. Damit könnten zukünftige Computer eine Million Mal schneller sein als die heutige Generation. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) sind diesem Ziel nun einen Schritt nähergekommen: Ihnen ist es gelungen, Elektronen in Graphen mit ultrakurzen Laserpulsen präzise zu steuern.

Eine Stromregelung in der Elektronik, die millionenfach schneller ist als heutzutage: Davon träumen viele. Schließlich ist die Stromregelung eine der...

Im Focus: UNH scientists help provide first-ever views of elusive energy explosion

Researchers at the University of New Hampshire have captured a difficult-to-view singular event involving "magnetic reconnection"--the process by which sparse particles and energy around Earth collide producing a quick but mighty explosion--in the Earth's magnetotail, the magnetic environment that trails behind the planet.

Magnetic reconnection has remained a bit of a mystery to scientists. They know it exists and have documented the effects that the energy explosions can...

Im Focus: Eine kalte Supererde in unserer Nachbarschaft

Der sechs Lichtjahre entfernte Barnards Stern beherbergt einen Exoplaneten

Einer internationalen Gruppe von Astronomen unter Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Astronomie in Heidelberg ist es gelungen, beim nur sechs Lichtjahre...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Personalisierte Implantologie – 32. Kongress der DGI

19.11.2018 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz diskutiert digitale Innovationen für die öffentliche Verwaltung

19.11.2018 | Veranstaltungen

Naturkonstanten als Hauptdarsteller

19.11.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gen-Radiergummi: Neuer Behandlungsansatz bei chronischen Erkrankungen

19.11.2018 | Biowissenschaften Chemie

Mit maschinellen Lernverfahren Anomalien frühzeitig erkennen und Schäden vermeiden

19.11.2018 | Informationstechnologie

Neuer Stall ermöglicht innovative Forschung für tiergerechte Haltungssysteme

19.11.2018 | Agrar- Forstwissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics