Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FS Polarstern startet Richtung Antarktis

19.12.2017

Ozeanographen erforschen Abschmelzprozesse der Schelfeise, die zum Kalben riesiger Eisberge führen können

Am Mittwoch, den 20. Dezember 2017 läuft das Forschungsschiff Polarstern von Bremerhaven in Richtung Süden aus. Nach einem Zwischenstopp in Kapstadt wird die Neumayer-Station III versorgt. Anschließend sammeln Wissenschaftler im ganzjährig von Meereis bedeckten südlichen Weddellmeer am Filchner-Rønne Schelfeis grundlegende Daten, um die Schmelzraten der antarktischen Gletscher zu messen.


Weddellmeer

Foto: Alfred-Wegener-Institut / Frank Rödel

Ab März 2018 erforschen Biologen die Meereslebewesen rund um die Antarktische Halbinsel. Auf der Rückfahrt nach Bremerhaven, wo der Eisbrecher am 11. Juni 2018 erwartet wird, finden ozeanographische Arbeiten statt.

Es ist das zweitgrößte seiner Art auf der Erde: Das Filchner-Rønne Schelfeis hat eine Fläche von etwa 450.000 Quadratkilometern und birgt dem Volumen nach mehr Eis, als jeder andere der riesigen, auf dem Meer aufschwimmenden Ausläufer von Gletschern. Es liegt im südlichen Weddellmeer, an dessen Westseite im Juli 2017 ein riesiger Eisberg vom Larsen C Schelfeis kalbte.

Klimawissenschaftler interessieren sich besonders dafür, ob mehr Gletschereis in den Ozean transportiert wird, denn dieser Prozess ist für den Meeresspiegelanstieg relevant. Zudem bildet sich vor den Schelfeisen sogenanntes Tiefenwasser, das die globale Ozeanzirkulation wie eine Pumpe antreibt und somit das Klimageschehen auf der ganzen Erde beeinflusst.

Wissenschaftler des Alfred-Wegener-Instituts, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) haben mit Forschern vom British Antarctic Survey und der Universität Bergen im Jahr 2013 das Gemeinschaftsprojekt FISP (Filchner Ice Schelf Project) aufgelegt. Ziel ist es, den Ist-Zustand des komplexen Systems Atmosphäre-Eis-Ozean zu beschreiben.

„Wir untersuchen die wechselnden Strömungsverhältnisse und den Einstrom warmen Wassers unter das Schelfeis, indem wir Verankerungsketten mit Messgeräten am Meeresgrund ausbringen“, sagt Dr. Michael Schröder, der die Polarstern-Expedition ins Weddellmeer leitet.

„Die von uns erhobenen Daten sind von herausragender Bedeutung für die Validierung der am AWI entwickelten hochauflösenden gekoppelten Atmosphäre-Eis-Ozean-Modelle. Sie erlauben verlässlichere Vorhersagen zur Reaktion des Gesamtsystems auf den Klimawandel“, so der AWI-Ozeanograph weiter. AWI-Forscher um Dr. Hartmut Hellmer haben beispielsweise im Mai 2017 eine Studie zur Stabilität des Schelfeises im Hinblick auf den zukünftigen Wärmeeinstrom unter das Eis veröffentlicht (https://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/eine-unumkeh...).

Eine erste Auswertung der Temperatur- und Strömungsmessungen aus dem FISP-Projekt belegt, wie warmes Wasser periodisch unter das Schelfeis einströmt. Ergänzt werden die ozeanographischen Messungen an Bord der Polarstern durch Sensoren, die unter dem hunderte Meter dicken Schelfeis Temperaturen, Salzgehalt und Strömungen in der gesamten Wassersäule erfassen.

Neben den Ozeanographen sind auf dieser Antarktis-Expedition namens PS111 auch Forschende aus den Disziplinen Meteorologie, Meereisphysik, Bathymetrie, Geologie und Meeresbiologie an Bord. Allen gemein ist das Interesse Daten in einem Gebiet zu erlangen, das wegen der ganzjährigen Meereisbedeckung nur Eisbrecher wie die Polarstern erforschen können.

„Eine spannende Herausforderung wird der Einsatz von Unterwasserfahrzeugen, die unter das Eis tauchen“, sagt Fahrtleiter Michael Schröder, dessen Aufgabe es ist, die verschiedenen Messprogramme zu koordinieren. Wenn die Wetterbedingungen es erlauben, will er mit seinem Expeditionsteam bereits auf dem Weg in die Antarktis einen Zwischenstopp einlegen, um ein besonderes Phänomen zu erforschen.

Im vergangenen Südwinter hatte sich erstmals seit den 1970iger Jahren die sogenannte Weddell Polynia gebildet: Mehr als drei Monate lang gab es mitten im winterlichen Meereis eine bis zu 80.000 Quadratkilometer große eisfreie Wasserfläche. „Die genauen physikalischen Voraussetzungen für diesen zeitlich begrenzten Meereisschwund sind noch nicht genau geklärt, so dass Wissenschaftler aus aller Welt großes Interesse an Messungen in dieser Region haben“, sagt Schröder.

Die folgende Expedition, die Mitte März 2018 im chilenischen Punta Arenas startet, führt ins Meeresgebiet vor der Antarktischen Halbinsel, wo Biologen Salpen und Krill erforschen werden. Die Atlantiküberfahrt zurück nach Bremerhaven nutzt ein Team von Ozeanographen, um ein neues geschlepptes Messsystem zu erproben. Auf der jetzt startenden Anreise in die Antarktis von Bremerhaven nach Kapstadt sind zehn wissenschaftliche Fahrtteilnehmende an Bord, die akustische Systeme beispielsweise zur Vermessung des Meeresbodens einsetzen. Die Polarstern wird mit dem Mittagshochwasser gegen 13:30 Uhr am 20. Dezember auslaufen.

Hinweise für Redaktionen:
Druckbare Bilder finden Sie unter: https://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/polarstern-s...

Ihre Ansprechpartnerin in der Pressestelle des Alfred-Wegener-Instituts ist Dr. Folke Mehrtens (Tel. 0471 4831-2007; E-Mail: folke.mehrtens(at)awi.de), die Ihnen gerne Ansprechpartner vermittelt.

Wenn Sie das Auslaufen redaktionell begleiten möchten, melden Sie sich bitte bis Dienstag, 19. Dezember 2017 um 17:00 an bei Folke Mehrtens.

Das Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) forscht in der Arktis, Antarktis und den Ozeanen der gemäßigten sowie hohen Breiten. Es koordiniert die Polarforschung in Deutschland und stellt wichtige Infrastruktur wie den Forschungseisbrecher Polarstern und Stationen in der Arktis und Antarktis für die internationale Wissenschaft zur Verfügung. Das Alfred-Wegener-Institut ist eines der 18 Forschungszentren der Helmholtz-Gemeinschaft, der größten Wissenschaftsorganisation Deutschlands.

Ralf Röchert | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.awi.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics