Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Meeresboden im Roten Meer ist älter als angenommen

16.09.2016

Das Rote Meer ist für Geowissenschaftler ein faszinierendes Untersuchungsobjekt, weil sie dort einen Ozean in einem frühen Entwicklungsstadium beobachten können. Doch aufgrund der immer wieder schwierigen Arbeitssituation in der Region sind noch viele Fragen offen. Neueste Untersuchungen von Forschenden des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel zeigen jetzt, dass viele bisherige Lehrmeinungen über das Rote Meer verändert werden müssen. Dazu gehört auch das Alter der Ozeanbodenspreizung, wie eine neue Studie in der internationalen Fachzeitschrift Geomorphology zeigt.

Ein Kontinent zerbricht, zwischen den Bruchteilen bildet sich dünne neue Erdkruste und schließlich füllt Wasser den Graben auf. Im Laufe der Jahrmillionen weitet sich der Grabenbruch immer weiter – ein Ozean entsteht. Dieser Prozess hat sich im Laufe der Erdgeschichte schon häufig abgespielt. Doch ob der Ablauf auch im Detail jedes Mal ähnlich ist, bleibt umstritten.


Virtueller Anblick eines der größten Unterwasservulkane im Roten Meer. Hatiba Mons durchmisst mehr als 13 km.

Grafik: Nico Augustin, GEOMAR

Eine der wenigen Regionen dieser Erde, wo aktuell ein junger Ozean beobachtet werden kann, ist das Rote Meer. Während des Jeddah Transect Project (JTP) und in einigen Nachfolgeprojekten haben Forscherinnen und Forscher des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel, der King Abdulaziz Universität (KAU) in Jeddah (Saudi Arabien) und des Istituto di Scienze Marine (ISMAR) in Bologna (Italien) den Meeresboden dort genau unter die Lupe genommen.

Dabei stellte sich heraus, dass entgegen früherer Annahmen das Rote Meer tatsächlich dem jungen Atlantik gleicht. Weitere Analysen haben jetzt diese ersten Ergebnisse bestätigt, aber auch Indizien dafür geliefert, dass die Ozeankruste in diesem Baby-Ozean einige Millionen Jahre älter ist als bisher vermutet „Je mehr Daten des Projekts wir auswerten, desto stärker müssen wir bestehende Lehrmeinungen zum Roten Meer verändern“, sagt Dr. Nico Augustin vom GEOMAR, Erstautor der neuesten Studie zu dem Thema. Sie ist jetzt in der Fachzeitschrift Geomorphology erschienen.

Die neuen Erkenntnisse beruhen auf Expeditionen mit dem deutschen Forschungsschiff POSEIDON, der niederländischen PELAGIA sowie der italienischen URANIA in den Jahren 2005, 2011 und 2012. Während dieser Ausfahrten untersuchten die Forscherinnen und Forscher den Grabenbruch im zentralen Roten Meer mit Hilfe von Meeresbodenkartierungen, Probennahmen und magnetischer Modellierung.

Dabei fanden sie zahlreiche Strukturen, die auch für ältere, sich langsam spreizende Ozeanbecken wie im Atlantik oder im Arktischen Ozean typisch sind. Zu diesen Strukturen zählen tiefe Bruchtäler, lange vulkanische Rücken, steile Verwerfungen und stark gestörtes Terrain. Auch die Formen der Vulkane am Meeresboden ähneln denen an älteren mittelozeanischen Rücken, die in den großen Ozeanen die Bruchzone zwischen den Erdplatten markieren.

„Mit dem Tethis-Dome, dem Hatiba Mons und dem Aswad-Dome liegen gleich drei große Vulkane direkt auf der Spreizungsachse im zentralen Roten Meer, was eine typische Erscheinungsform lang andauernder und fokussierter magmatischer Aktivität magmatischer Aktivität an derartigen Grabenbrüchen ist“, sagt Dr. Froukje van der Zwan, Koautorin der Studie.

Mit Hilfe aktueller geophysikalischer Daten konnten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler außerdem Indizien dafür finden, dass sich im Roten Meer schon seit mindestens 12 Millionen Jahren Ozeankruste bildet. „Bisher ging man davon aus, dass die älteste ozeanische Kruste dort nur etwa fünf Millionen Jahre alt ist“, erklärt Dr. Augustin, „die ist zwar von mächtigen Sedimenten verdeckt, aber unsere Daten deuten auf eine Verdoppelung des Alters hin und somit eine viel frühere Teilung der Nubischen und Arabischen Kontinentalplatten“. Das hätte Auswirkungen auf die Vorstellung der geologischen Entwicklung der gesamten Region.

„Insgesamt bekommen wir dank der neuen, sehr hoch auflösenden Meeresbodenkarten und der vielen Daten aus dem JTP ein immer genaueres Bild vom Roten Meer und seiner Geschichte. Da es immer wieder als Vergleichsobjekt für andere Meere herangezogen wird, sind diese Entdeckungen bedeutend für das globale Verständnis der Plattentektonik und mit ihr verbundener Prozesse“, fasst Dr. Augustin zusammen Mittlerweile sind die Daten vollständig in der geowissenschaftlichen PANGAEA-Datenbank eingepflegt und dort auch öffentlich zugänglich.

Originalarbeit:
Augustin, N., F. M. van der Zwan, C. W. Devey, M. Ligi, T. Kwasnitschka. P. Feldens (2016): Geomorphology of the central Red Sea Rift: Determining spreading processes. Geomorphology 273, http://dx.doi.org/10.1016/j.geomorph.2016.08.028

Weitere Informationen:

http://www.geomar.de Das GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel
https://doi.pangaea.de/10.1594/PANGAEA.860374 Hochauflösende Bathymetrie für GIS Software

Andreas Villwock | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Im Focus: Der Roboter als „Tankwart“: TU Graz entwickelt robotergesteuertes Schnellladesystem für E-Fahrzeuge

Eine Weltneuheit präsentieren Forschende der TU Graz gemeinsam mit Industriepartnern: Den Prototypen eines robotergesteuerten CCS-Schnellladesystems für Elektrofahrzeuge, das erstmals auch das serielle Laden von Fahrzeugen in unterschiedlichen Parkpositionen ermöglicht.

Für elektrisch angetriebene Fahrzeuge werden weltweit hohe Wachstumsraten prognostiziert: 2025, so die Prognosen, wird es jährlich bereits 25 Millionen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

EEA-ESEM Konferenz findet an der Uni Köln statt

13.08.2018 | Veranstaltungen

Digitalisierung in der chemischen Industrie

09.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Macht Sinn: Fraunhofer entwickelt Sensorsystem für KMU

15.08.2018 | Energie und Elektrotechnik

Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

15.08.2018 | Informationstechnologie

FKIE-Wissenschaftler präsentiert neuen Ansatz zur Detektion von Malware-Daten in Bilddateien

15.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics