Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das Leben an Land ist 300 Millionen Jahre älter als gedacht

07.11.2016

Das Leben auf der Erde hat den Sprung an Land bereits vor mindestens 3,2 Milliarden Jahren vollzogen, also 300 Millionen Jahre früher als bisher angenommen. Das legt eine Studie von Wissenschaftlern aus Berlin, Potsdam und Jena nahe, die kürzlich im Fachjournal “Geology” erschienen ist. Das Team um Sami Nabhan von der Freien Universität Berlin hat uralte Gesteinsformationen in Südafrika untersucht. An der Studie war Michael Wiedenbeck vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ beteiligt.

Die Felsen des so genannten Barberton Greenstone Belt zählen zu den ältesten bekannten Gesteinen der Erde. Sie sind bis zu 3,5 Milliarden Jahren alt. In einer Schicht, die auf 3,22 Milliarden Jahre datiert wird, fanden die Forscher winzige Körnchen des Minerals Pyrit, ein Eisensulfid.


Der Barberton Greenstone Belt in Südafrika: Wo heute felsiges Grasland ist, floss vor 3,2 Milliarden Jahren ein verwilderter Fluss ("Zopfstrom"). In dessen Ebene lebten Bodenorganismen.

Foto: Sami Nabhan/FSU Jena

Die Körnchen weisen klare Anzeichen von Beeinflussung durch Mikroorganismen auf: dabei geht es um die Verteilung von Spurenelementen ebenso wie um das Verhältnis der Schwefelisotope 34S und 32S im Pyrit.

Im SIMS-Labor des Deutschen GeoForschungsZentrums GFZ wies Michael Wiedenbeck nach, dass der 34S-Anteil im Kern der Kristalle in charakteristischer Weise vom 34S-Anteil in deren Randzonen abweicht. Das wiederum deutet darauf hin, dass Mikroorganismen den Schwefel am Rand der Kristalle umgewandelt haben. Der Prozess heißt biogene Fraktionierung.

Das Kürzel SIMS steht für Sekundäre Ionenmassenspektrometrie. Das Gerät ist seit 2013 am GFZ in Betrieb und hat für die vorliegende Studie Proben analysiert, die weniger als ein Milliardstel Gramm wiegen.

Die Zusammensetzung des Gesteins, die Schichtung und die Form der Kristalle deuten alle darauf hin, dass die Felsen ihren Ursprung in einem alten Bodenprofil hatten. Dieser „Paläoboden“ entstand vor mehr als drei Milliarden Jahren in einer Flussebene eines so genannten Zopfstroms. Der Fluss transportierte Sedimente, welche die Eisensulfide enthielten, und lagerte sie in der Ebene ab.

Dort, so folgern die Forscher aus den Daten, lebten Mikroorganismen in einer Bodenzone, die abwechselnd feucht und trocken war, und verursachten die typischen Ränder an den Pyritkristallen. Damit, so die Forscher in „Geology“ seien Bodenlebewesen nachgewiesen, die vor mindestens 3,2 Milliarden Jahren außerhalb der Ozeane lebten. Das rückt den Sprung an Land durch das Leben um rund 300 Millionen Jahre weiter zurück als bisher bekannt.

Originalstudie: Sami Nabhan, Michael Wiedenbeck, Ralf Milke and Christoph Heubeck: Biogenic overgrowth on detrital pyrite in ca. 3.2 Ga Archean paleosols. In: Geology, vol. 44, No. 9 (DOI: 10.1130/G38090.1)

Josef Zens | Helmholtz-Zentrum Potsdam - Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ
Weitere Informationen:
http://www.gfz-potsdam.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Im nicht mehr ewigen Eis – Rostocker Forscher untersuchen Leben in der Antarktis
26.03.2019 | Universität Rostock

nachricht Dem Prozess der Lachgasbildung im Ozean auf der Spur
26.03.2019 | GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Neues Gen mit möglicher Rolle bei Metastasierung identifiziert

Gen nach römischer Göttin Minerva benannt, da Immunzellen im Kopf der Fruchtfliege stecken bleiben

Weisen Tumore eine bestimmte Kombination von Zuckern – das sogenannte T-Antigen – auf, breiten sie sich mit größerer Wahrscheinlichkeit im Körper aus und töten...

Im Focus: New gene potentially involved in metastasis identified

Gene named after Roman goddess Minerva as immune cells get stuck in the fruit fly’s head

Cancers that display a specific combination of sugars, called T-antigen, are more likely to spread through the body and kill a patient. However, what regulates...

Im Focus: Saxony5 und Industrie 4.0 Modellfabrik präsentieren sich auf Hannover Messe

Vom 1. bis 4. April 2019 ist die HTW Dresden mit der Industrie 4.0 Modellfabrik und dem Projekt Saxony5 auf der Hannover Messe vertreten. Am Gemeinschaftstand der sächsischen Hochschulen für angewandte Forschung (HAW) „Forschung für die Zukunft“ stellen die Dresdner Forscher aktuelle Projekte zum kollaborativen Arbeiten und deren Anwendungen in der Industrie vor.

Virtuell können die Besucher von Hannover aus auf dem Tablet ihre Züge gegen den kollaborativen Roboter YuMi, der in der Modellfabrik in Dresden steht, setzen....

Im Focus: Hochdruckwasserstrahlen zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen erprobt

Beim Fräsen hochfester Werkstoffe wie Oxidkeramik oder Sondermetalle – und besonders bei der Schruppbearbeitung – verschleißen Werkzeuge schnell. Für Unternehmen ist die Bearbeitung dieser Werkstoffe deshalb mit hohen Kosten verbunden. Im Projekt »HydroMill« hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen mit seinen Projektpartnern nun gezeigt, dass sich der Hochdruckwasserstrahl zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen eignet. War der Einsatz von Wasserstrahlen bislang auf die Schneidbearbeitung beschränkt, zeigen die Projektergebnisse, wie sich hochfeste Werkstoffe kosten- und ressourcenschonender als bisher flächig abtragen lassen.

Diese neue und zur konventionellen Schruppbearbeitung alternative Anwendung der Wasserstrahlbearbeitung untersuchten die Aachener Ingenieure gemeinsam mit...

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Industrie 4.0 - Herausforderungen & Wege in der Ingenieurausbildung

26.03.2019 | Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Künstliche Intelligenz forscht mit

26.03.2019 | Informationstechnologie

Neues Gen mit möglicher Rolle bei Metastasierung identifiziert

26.03.2019 | Biowissenschaften Chemie

Im nicht mehr ewigen Eis – Rostocker Forscher untersuchen Leben in der Antarktis

26.03.2019 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics