Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Entwicklungsgeschichte der Erdkruste auf der Spur

15.11.2000


In einem geologisch bislang wenig erforschten Gebiet in Namibia haben Wissenschaftler von der Universität Würzburg einige hundert Kilogramm Steine gesammelt. Nun untersuchen sie deren
Entwicklungsgeschichte. Damit wollen die Forscher ein weiteres Puzzleteil zum Verständnis der frühen Erdgeschichte beisteuern.

Vergleicht man die Entwicklungsgeschichte der 4,56 Milliarden Jahre alten Erde mit einem 100 Meter langen Maßband, so umfasst die Geschichte des Menschen nicht einmal den letzten Zentimeter. Die Entwicklung des Lebens, wie sie anhand von Fossilien belegt werden kann, begann vor etwa 550 Millionen Jahren, also innerhalb der letzten zwölf Meter. Will man ältere Gesteine und ihre Entwicklungsgeschichte zeitlich einordnen, dann sind andere Methoden als die Bestimmung von Fossilien nötig.

Im Nordwesten von Namibia gibt es ein altes Gebirge, dessen gesamte Entwicklung in die ersten 88 Meter des Maßbandes fällt. In einem zum großen Teil unbewohnten und nur mit Geländewagen zugänglichen Bergland am Nordost-Rand der Namibwüste haben sich in den vergangenen Jahrzehnten neben wenigen Geologen nur einige Firmen betätigt, die nach Bodenschätzen wie Kupfer und Nickel suchen. So existiere bislang keine umfassende Arbeit über die geologische Entwicklung dieser sehr alten Gesteinseinheiten, sagt Dr. Barbara Seth.

Die Wissenschaftlerin hat vor Ort 350 Kilogramm der wichtigsten Gesteine gesammelt. In Würzburg untersucht nun Diplom-Geologe Sönke Brandt im Rahmen seiner Doktorarbeit einen Teil davon in Hinsicht auf die Drucke und Temperaturen, die sie im Laufe ihrer Entwicklung überstehen mussten. Er fand beispielsweise heraus, dass Gesteinseinheiten, die ehemals an der Oberfläche gebildet wurden, in eine Tiefe von rund 15 Kilometer versenkt wurden, wo sie Temperaturen von über 900 Grad Celsius ausgesetzt waren. Anschließend wurden diese Gesteine wieder rasch herausgehoben.

Doch wann fanden diese Entwicklungsschritte statt? Das will Dr. Seth im Rahmen ihres Postdoktoranden-Projektes, das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördert wird, herausfinden. Für die Altersdatierung macht sich die Wissenschaftlerin das Entstehen charakteristischer Minerale zunutze, denn die Stabilität vieler Minerale ist abhängig von bestimmten Temperaturen oder Drucken. Bestimmt man das Alter solcher einzelner Minerale, dann lässt sich zeitabhängig eine Druck-Temperatur-Entwicklung des Gesteins rekonstruieren.

Die Datierung einzelner Minerale basiert auf dem Umstand, dass beim Mineralwachstum spezielle Elemente in das Kristallgitter eingebaut werden, die im Laufe der Jahrmillionen einem radioaktiven Zerfall unterliegen. Mit Hilfe der Halbwertzeit dieser so genannten Isotopensysteme kann das Alter des Minerals berechnet werden. Die entsprechenden Arbeiten führt Dr. Seth an der Universität Bern durch.

Besonders geeignet für diese Art der Datierung sind Minerale wie Zirkon, Monazit, Granat oder Biotit: Granat wächst beispielsweise häufig bei ansteigenden Temperaturen, wie sie beim Versenken des Gesteins in die Tiefe der Erde zu Stande kommen. Hingegen entsteht Biotit meist bei der Abkühlung, also beim Wiederherausheben an die Erdoberfläche. Durch all diese Untersuchungen lässt sich herausfinden, wann und in welchem "Stockwerk" der Erdkruste welche gesteinsbildenden und -verändernden Ereignisse passiert sind.

Weitere Informationen: Dr. Barbara Seth, T (0931) 888-5406, Fax (0931) 888-4620, E-Mail:
barbara.seth@mail.uni-wuerzburg.de

Robert Emmerich | idw

Weitere Berichte zu: Entwicklungsgeschichte Erdkruste Gestein Mineral

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Gebirge in Bewegung
14.08.2018 | Technische Universität München

nachricht Künstliche Gletscher als Antwort auf den Klimawandel?
09.08.2018 | Universität Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Im Focus: Neue interaktive Software: Maschinelles Lernen macht Autodesigns aerodynamischer

Neue Software verwendet erstmals maschinelles Lernen um Strömungsfelder um interaktiv designbare 3D-Objekte zu berechnen. Methode wird auf der renommierten SIGGRAPH-Konferenz vorgestellt

Wollen Ingenieure oder Designer die aerodynamischen Eigenschaften eines neu gestalteten Autos, eines Flugzeugs oder anderer Objekte testen, lassen sie den...

Im Focus: New interactive machine learning tool makes car designs more aerodynamic

Scientists develop first tool to use machine learning methods to compute flow around interactively designable 3D objects. Tool will be presented at this year’s prestigious SIGGRAPH conference.

When engineers or designers want to test the aerodynamic properties of the newly designed shape of a car, airplane, or other object, they would normally model...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

Das Architekturmodell in Zeiten der Digitalen Transformation

14.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schatzkammer Datenbank: Digitalisierte Schwingfestigkeitskennwerte sparen Entwicklungszeit

16.08.2018 | Informationstechnologie

Interaktive Software erleichtert Design komplexer Gussformen

16.08.2018 | Informationstechnologie

Fraunhofer HHI entwickelt Quantenkommunikation für jedermann im EU-Projekt UNIQORN

16.08.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics