Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Der Staub, der aus der Kälte kam

03.04.2008
Neueste Erkenntnisse aus Eiskernbohrungen mit Berner Beteiligung zeigen, dass sich in der Antarktis in den letzten 800'000 Jahren mehrmals viel Staub ablagerte: Immer während der Eiszeiten gingen dort grosse Staubmengen aus den gemässigten Breiten nieder. Es gibt somit einen Zusammenhang zwischen Kälte und Staubansammlung. Die Erkenntnisse werden heute in "Nature" publiziert.

Während der Eiszeiten in den letzten 800'000 Jahren gelangten grosse Staubmengen aus Patagonien in die Antarktis: Dies haben Wissenschaftler des EPICA-Projekts ("European Project for Ice Coring in Antarctica") mit Berner Beteiligung herausgefunden. Während der Warmzeiten waren die Staubablagerung weit geringer. Bei der Untersuchung eines EPICA-Eisbohrkerns wurde die Temperatur rekonstruiert und mit der Konzentration der Staubpartikel verglichen.

Dabei zeigte sich, dass die Konzentration der Staubpartikel während der Eiszeiten 25mal höher war als während der Warmzeiten. Eine so deutliche kälteabhängige Schwankung der Staubablagerung während der letzten 800'000 Jahre konnte zum ersten Mal dank zeitlich hoch aufgelöster Eisbohrkern-Daten nachgewiesen werden. In anderen Proben wie zum Beispiel Seesediment-Kernen wurden bisher nur kleinere Schwankungen erkannt. Bisherige Klimamodelle gingen daher von geringen Schwankungen des sogenannten Staubflusses aus - was nun von den neuesten EPICA-Erkenntnissen korrigiert wurde.

Je kälter, desto staubiger die Luft

... mehr zu:
»Eiszeit »Staubfluss

Die Zunahme des Staubflusses während der Eiszeiten lässt auf eine zunehmende Kopplung des antarktischen Klimas mit der gemässigten Klimazone um Patagonien - woher der Staub stammt - schliessen. Je kälter die Temperaturen wurden, desto enger war die Abhängigkeit und desto mehr Staub gelangte von den Landmassen in die Antarktis. In der gemässigten Klimazone um Patagonien herrschen andauernd starke Westwinde - nach dem Breitengrad auch "Brüllende Vierziger genannt. Die Winde werden von den Landmassen kaum gebremst, und über Patagonien tragen sie grosse Mengen von Staub ab, die gegen Südost zur Antarktis transportiert werden.

Wie die Forschenden herausfanden, fallen bei Kälte weniger Staupartikel aus der Atmosphäre: Je kälter und trockener die Luft, desto länger bleiben sie in der Atmosphäre hängen, und desto weiter werden sie von den Winden getragen. Wird die Luft wärmer und feuchter, gelangen sie mit Niederschlag schnell zur Erde oder ins Meer. Daher vermuten die Forschenden, dass das antarktische Klima den Staubfluss verstärkte: Indem während der Eiszeiten der südliche Ozean und der südliche Atlantik teilweise mit Eis bedeckt waren, erhielten die Staubpartikel im Luftstrom über dieser Fläche eine längere "Lebensdauer" und gelangten in grossen Mengen in die Antarktis.

Der Datensatz des Staubs im EPICA-Eisbohrkern wurde mit dem Berner "CFA System" (Continuous Flow Analysis) in hoher zeitlicher Auflösung in der Antarktis gemessen. Daneben wurden einzelne Staubproben auch in Grenoble analysiert. Patrik Kaufmann, Klimaphysiker am Berner Institut für Kli-ma- und Umweltphysik, kommentiert die Erkenntnisse wie folgt: "Unsere Daten liefern wichtige Angaben für künftige Klimamodelle zum Staubfluss während Eis- und Warmzeiten."

Nathalie Matter | idw
Weitere Informationen:
http://www.nature.com/index.html
http://www.kommunikation.unibe.ch/medien/mitteilungen/news/2008/eiszeitstaub.html

Weitere Berichte zu: Eiszeit Staubfluss

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Hochwasserrisiko kann deutlich gesenkt werden
18.10.2018 | Jade Hochschule - Wilhelmshaven/Oldenburg/Elsfleth

nachricht Geowissenschaften: Was unter dem Wald schläft
15.10.2018 | Ruhr-Universität Bochum

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Auf dem Weg zu maßgeschneiderten Naturstoffen

Biotechnologen entschlüsseln Struktur und Funktion von Docking Domänen bei der Biosynthese von Peptid-Wirkstoffen

Mikroorganismen bauen Naturstoffe oft wie am Fließband zusammen. Dabei spielen bestimmte Enzyme, die nicht-ribosomalen Peptid Synthetasen (NRPS), eine...

Im Focus: Größter Galaxien-Proto-Superhaufen entdeckt

Astronomen enttarnen mit dem ESO Very Large Telescope einen kosmischen Titanen, der im frühen Universum lauert

Ein Team von Astronomen unter der Leitung von Olga Cucciati vom Istituto Nazionale di Astrofisica (INAF) Bologna hat mit dem VIMOS-Instrument am Very Large...

Im Focus: Auf Wiedersehen, Silizium? Auf dem Weg zu neuen Materalien für die Elektronik

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) in Mainz haben zusammen mit Wissenschaftlern aus Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgarien) und Madrid (Spanien) ein neues, metall-organisches Material entwickelt, welches ähnliche Eigenschaften wie kristallines Silizium aufweist. Das mit einfachen Mitteln bei Raumtemperatur herstellbare Material könnte in Zukunft als Ersatz für konventionelle nicht-organische Materialien dienen, die in der Optoelektronik genutzt werden.

Bei der Herstellung von elektronischen Komponenten wie Solarzellen, LEDs oder Computerchips wird heutzutage vorrangig Silizium eingesetzt. Für diese...

Im Focus: Goodbye, silicon? On the way to new electronic materials with metal-organic networks

Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research (MPI-P) in Mainz (Germany) together with scientists from Dresden, Leipzig, Sofia (Bulgaria) and Madrid (Spain) have now developed and characterized a novel, metal-organic material which displays electrical properties mimicking those of highly crystalline silicon. The material which can easily be fabricated at room temperature could serve as a replacement for expensive conventional inorganic materials used in optoelectronics.

Silicon, a so called semiconductor, is currently widely employed for the development of components such as solar cells, LEDs or computer chips. High purity...

Im Focus: Blauer Phosphor – jetzt erstmals vermessen und kartiert

Die Existenz von „Blauem“ Phosphor war bis vor kurzem reine Theorie: Nun konnte ein HZB-Team erstmals Proben aus blauem Phosphor an BESSY II untersuchen und über ihre elektronische Bandstruktur bestätigen, dass es sich dabei tatsächlich um diese exotische Phosphor-Modifikation handelt. Blauer Phosphor ist ein interessanter Kandidat für neue optoelektronische Bauelemente.

Das Element Phosphor tritt in vielerlei Gestalt auf und wechselt mit jeder neuen Modifikation auch den Katalog seiner Eigenschaften. Bisher bekannt waren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Natürlich intelligent

19.10.2018 | Veranstaltungen

Rettungsdienst und Feuerwehr - Beschaffung von Rettungsdienstfahrzeugen, -Geräten und -Material

18.10.2018 | Veranstaltungen

11. Jenaer Lasertagung

16.10.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Ultraleichte und belastbare HighEnd-Kunststoffe ermöglichen den energieeffizienten Verkehr

19.10.2018 | Materialwissenschaften

IMMUNOQUANT: Bessere Krebstherapien als Ziel

19.10.2018 | Biowissenschaften Chemie

Raum für Bildung: Physik völlig schwerelos

19.10.2018 | Bildung Wissenschaft

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics