Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

’Polarstern’ aus der Antarktis zurück

28.05.2002


Am 30.Mai kehrt der Forschungseisbrecher Polarstern der Stiftung Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) von seiner 19. Antarktisexpedition zurück nach Bremerhaven. Das Schiff war dann beinahe acht Monate auf See. Für die Großveranstaltung "Eis und Meer", die vom 5. bis zum 9. Juni im Rahmen des Jahres der Geowissenschaften in Bremerhaven stattfindet, bringt die ’Polarstern’ eigens einen Eisblock aus der Antarktis mit. Am 9. Juni kann sie im Trockendock liegend in der Lloyd-Werft besichtigt werden.

Klimageschichte aus altem Eis
Wie in jedem Jahr brachte die Polarstern Versorgungsgüter und Personal zur Antarktis-Station Neumayer. Rund fünfzig Wissenschaftler und Techniker nahmen Ende Dezember dort ihre Arbeit auf. Dazu gehörten auch die neuen Überwinterer (Üwis), die nun in der Zeit der Polarnacht bis zum nächsten Frühjahr die Messgeräte betreuen werden. Die alten Üwis sind seit Anfang März wieder zu Hause.
Von der Neumayer-Station wurde nach einer zehntägigen Fahrt mit Pistenbullis am 4. Januar die Kohnen-Station wieder in Betrieb genommen. Diese liegt rund 500 Kilometer landeinwärts. Die Polarflugzeuge des AWI brachten Wissenschaftler und Techniker nach Kohnen. Hier arbeiteten 25 Männer und Frauen bis zum 18. Februar am europäischen Eisbohrprojekt EPICA. Sie konnten Eisbohrkerne aus bis zu 450 Metern Tiefe gewinnen. Dieses alte Eis enthält die Klimageschichte der letzten 7000 Jahre. Das Material ist bereits in Bremerhaven eingetroffen. Ab dem 10. Juni sind Wissenschaftler aus aller Welt für drei Wochen am AWI zu Gast, um die Eisbohrkerne aufzuschneiden und Teile davon zur weiteren Analyse in ihre Institute mitzunehmen. Die Kohnen-Station wird im nächsten Südpolar-Sommer wieder in Betrieb genommen. Dann soll bis in 1250 Meter Tiefe gebohrt werden.

Kontrolle von Schutzgebieten
Auf dem nächsten Teil der Reise waren ungewöhnliche Forscher mit an Bord der ’Polarstern’: Vier Schülerinnen und Schüler aus Aurich unterstützten die Wissenschaftler bei den Untersuchungen der Fischbestände in Gebieten, in denen die Fischerei aus Gründen des Bestandsschutzes 1990 verboten worden war. Die überfischten Bestände haben sich noch nicht so weit erholt, dass das Gebiet wieder freigegeben werden kann. Das ist das vorläufige Ergebnis für die Region um die südlichen Shetland Inseln und Elephant Island.

Krebse in der Tiefsee
Die Ozeane, die rund 70 % der Erdoberfläche bedecken, sind an den meisten Stellen tiefer als 3000 Meter. Was dort auf dem Meeresboden lebt, ist unbekannt. Nur wenige dieser Tiefseeorganismen sind wissenschaftlich klassifiziert. Speziell die Scotia See zwischen Südamerika und der Antarktis ist eines der am wenigsten erforschten Meere der Welt.
Im Rahmen der Projektes ANDEEP sammelten internationale Wissenschaftler von Bord der Polarstern aus mit Spezialgeräten Lebewesen aus der Tiefsee, um sie zu bestimmen und ein Verständnis dieses Ökosystems zu gewinnen. Ein Ergebnis nach rund zwei Monaten Tiefsee-Fischerei: Einige Tierarten scheinen in der Tiefsee häufiger zu sein als erwartet. So sind die Flohkrebse in der antarktischen Tiefsee ebenso dominant wie die Meeresasseln und Schlickkrebse; in anderen Tiefseeregionen dagegen gibt es im tieferen Wasser eher weniger Flohkrebse.
Der Einsatz der Unterwasser-Kamera und verschiedener anderer Geräte in einer Tiefe von bis zu 5200 Metern stellt im polaren Südozean einen Tiefenrekord dar. "So weit unten hat noch niemand Meeresbiologie betrieben", stellt Fahrtleiter Prof. Dieter Fütterer (AWI) fest.

Fähren aus Tang
In der Scotia-See gingen Forscher des südamerikanischen Projektes LAMPOS im April der Frage nach, ob Tiere und Pflanzen zwischen Südamerika und der Antarktis hin- und herwandern können. Hier gibt es einen Insel- und Flachwasserbogen, der den südamerikanischen Kontinent mit der Antarktis verbindet und es manchen Organismen ermöglicht, aus- oder einzuwandern. Fahrtleiter Prof. Wolf Arntz (AWI) nennt in diesem Zusammenhang "zahlreiche Tangfelder, die zum Teil hunderte von Kilometern vom Festland entfernt sind. Flachwasserorganismen benutzen diese Vehikel sicherlich, um die Inseln im Scotiabogen zwischen Südamerika und der Antarktis zu besiedeln. Weit weniger erfolgreich ist offenbar das ’Hüpfen’ von Flach zu Flach im Wasser, das in diesem Gebiet sehr unterschiedliche Böden aufweist, die durch tiefes Wasser, starke Strömung und Temperaturgefälle voneinander getrennt sind." Die Forscher entdeckten darüber hinaus zahlreiche neue Arten. Allein die bisher bekannte Anzahl von Flohkrebsarten (Amphipoden, bisher rund 7000 Arten) wurde um 700 vergrößert.

Antarktisches Eis in Bremerhaven
Für die Großveranstaltung "Eis und Meer", die vom 5. bis zum 9. Juni im Rahmen des Jahres der Geowissenschaften in Bremerhaven stattfindet, bringt die Polarstern einen Eisblock aus der Antarktis mit. Dieser wird am Sonnabend der Wissenschaften, dem 8.Juni, als Mittelpunkt einer Zeltstadt auf dem Parkplatz des AWI platziert. Engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des AWI stellen ihre Arbeit in verschiedenen Zelten der Öffentlichkeit vor. Für Essen, Trinken und Kinderunterhaltung ist ebenfalls gesorgt.
Weitere Highlights von "Eis und Meer" sind die Eröffnungsveranstaltung im Alten Stadtbad (5. Juni) und das "Offene Geolabor" sowie das "Offene Eislabor". In den Laboren können angemeldete Schülergruppen wissenschaftliches Arbeiten kennen lernen und selbst ausprobieren. Am Samstag sind diese Labore für die allgemeine Öffentlichkeit zugänglich. Am Sonntag, dem 9. Juni, können die Forschungsschiffe ’Uthörn’, ’Heincke’ und auch die ’Polarstern’ besichtigt werden.

Offene ’Polarstern’
Die geplante Liegezeit von Polarstern im Heimathafen wird für umfangreiche Reparaturen und Verbesserungen genutzt. Unter anderem wird das Heck des Schiffes aufgeschnitten, um die Ruderanlage zu ersetzen. Die alte Anlage funktionierte zwar noch, zeigte jedoch schon Anzeichen von "Altersschwäche". Die ’Polarstern’ kann am Sonntag, dem 9.Juni, zwischen 11 und 18 Uhr besichtigt werden. Der enorme Tiefgang von 11,21 Meter und das aufgeschnittene Heck im Trockendock sind damit zum ersten Mal für die Öffentlichkeit zu sehen.

Am 23. Juni um Mitternacht sticht die ’Polarstern’ wieder in See. Biologische, ozeanographische und geowissenschaftliche Fragen führen sie dann nach Grönland und in die Framstraße.

Dipl.-Phys. Claudia Ratering | idw

Weitere Berichte zu: AWI Antarktis Polarstern Tiefsee

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Geowissenschaften:

nachricht Der Januskopf des südasiatischen Monsuns
15.06.2018 | Max-Planck-Institut für Chemie

nachricht Was das Eis der West-Antarktis vor 10.000 Jahren gerettet hat, wird ihr heute nicht helfen
14.06.2018 | Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Geowissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics