Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Verhaltensforscherin gewinnt DPZ-Förderpreis 2012

24.10.2012
Vanessa Schmitt hat den Förderpreis des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) des Jahres 2012 gewonnen, eine der höchstdotierten Auszeichnungen für Nachwuchswissenschaftler in Deutschland.
Die Verhaltensforscherin erhält 1000 Euro und ein sechsmonatiges Stipendium, um an einem Institut eigener Wahl ein primatenbezogenes Forschungsprojekt durchzuführen. Die Preisverleihung mit einem Vortrag der Preisträgerin findet am 30. Oktober um 18.15 Uhr im Hörsaal des Deutschen Primatenzentrums, Kellnerweg 4, in Göttingen statt. Besucher sind herzlich zu der Veranstaltung eingeladen.

Vanessa Schmitt (30) aus Trier hat an der Universität Kaiserslautern ihr Biologiestudium begonnen, ihr Diplom in Göttingen gemacht und anschließend am Deutschen Primatenzentrum promoviert. Ihr Interesse galt schon immer der Intelligenz und geistigen Leistungsfähigkeit von Tieren und der Frage, wie diese sich evolutionär entwickelt hat. „Ich bin gezielt nach Göttingen gekommen, um hier Primaten erforschen zu können“, erklärt Vanessa Schmitt. In ihrer im April abgeschlossenen Doktorarbeit untersuchte sie Javaneraffen und Anubispaviane.

Sie testete beispielsweise, inwieweit die Tiere Mengen und Größen unterscheiden können oder ob sie Kausalzusammenhänge verstehen: So bekamen die Tiere unter anderem zwei Tücher gezeigt, auf denen Rosinen lagen, eines jedoch war zerschnitten. Die Affen konnten wahlweise an einem Tuch ziehen und kamen nur an Futter, wenn sie das intakte benutzten.

Sowohl die Paviane als auch die Javaneraffen zeigten sich der Aufgabe gewachsen, die auch für Menschenaffen kein Problem darstellt, wie Kollegen in Leipzig herausgefunden hatten. Die soziale Intelligenz der Tiere untersuchte die Forscherin beispielsweise, indem sie vor den Affen auf denjenigen von zwei Bechern deutete, der Rosinen enthielt. Damit wollte die Biologin prüfen, ob die Affen den Hinweis verstehen und den gefüllten Becher statt des leeren wählen würden. Weder die Affen am DPZ noch die Menschenaffen waren in der Lage, die Hinweise zu nutzen. Die Ergebnisse von Vanessa Schmitts Arbeit zeigen, dass die Größe des Hirns für die Entwicklung der Denkfähigkeit offenbar nicht so bedeutend ist wie bisher angenommen.

Stattdessen spielt die soziale und ökologische Umwelt, in der sich die Arten entwickelt haben, eine wichtige Rolle. „Die Daten, die Vanessa Schmitt erhoben hat, deuten darauf hin, dass die Grenze, die in der Forschung oft zwischen Menschenaffen und den übrigen Arten gezogen wird, in den hier untersuchten Bereichen weniger deutlich ist, als angenommen“, sagt Julia Fischer, Leiterin der Abteilung Kognitive Ethologie am DPZ, die die Doktorarbeit der Förderpreis-Gewinnerin betreut hat.

Zur Zeit arbeitet Vanessa Schmitt als Koordinatorin der Leibniz-Graduiertenschule „Grundlagen für das Sozialverhalten von Primaten“ am DPZ und arbeitet an weiteren Veröffentlichungen, in denen sie das Thema vertiefen will. „Mit dem Stipendium will ich aber unbedingt als Post-Doc ins Ausland, am liebsten in die USA“, sagt die Preisträgerin über ihre Zukunftspläne.
Der Preis wird vom Förderkreis des Deutschen Primatenzentrums finanziert und der Preisträger vom wissenschaftlichen Beirat des Instituts ausgewählt. Bewerben dürfen sich Nachwuchsforscher aus ganz Deutschland, die im vergangenen Jahr eine herausragende Forschungsarbeit mit oder über nicht-menschliche Primaten abgeschlossen haben. „Die Arbeit von Frau Schmitt hat die Jury überzeugt, da sie mit ihren Daten die in Fachkreisen verbreitete Überzeugung widerlegt, dass Menschenaffen sich in ihren Denkleistungen deutlich von weniger menschenähnlichen Affen unterscheiden“, erläutert Michael Lankeit, Geschäftsführer des Deutschen Primatenzentrums.
Kontakt und Hinweise für Redaktionen

Ass. Jur. Michael Lankeit
Tel: +49 551 3851-114
E-Mail: mlankei@gwdg.de

Dr. Susanne Diederich (Stabsstelle Kommunikation)
Tel: +49 551 3851-359
E-Mail: sdiederich@dpz.eu

Die Deutsches Primatenzentrum GmbH (DPZ) - Leibniz-Institut für Primatenforschung betreibt biologische und biomedizinische Forschung über und mit Primaten auf den Gebieten der Infektionsforschung, der Neurowissenschaften und der Primatenbiologie. Das DPZ unterhält vier Freilandstationen im Ausland und ist Referenz- und Servicezentrum für alle Belange der Primatenforschung. Das DPZ ist eine der 86 Forschungs- und Infrastruktureinrichtungen der Leibniz-Gemeinschaft.

Dr. Susanne Diederich | idw
Weitere Informationen:
http://www.dpz.eu/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Ausgezeichnet: „betop“ Magazin gewinnt Gold und Silber
05.08.2019 | Rittal GmbH & Co. KG

nachricht Bosch Global Supplier Award für Rittal
02.08.2019 | Rittal GmbH & Co. KG

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die verschränkte Zeit der Quantengravitation

Die Theorien der Quantenmechanik und der Gravitation sind dafür bekannt, trotz der Bemühungen unzähliger PhysikerInnen in den letzten 50 Jahren, miteinander inkompatibel zu sein. Vor kurzem ist es jedoch einem internationalen Forschungsteam von PhysikerInnen der Universität Wien, der Österreichischen Akademie der Wissenschaften sowie der Universität Queensland (AUS) und dem Stevens Institute of Technology (USA) gelungen, wichtige Bestandteile der beiden Theorien, die den Verlauf der Zeit beschreiben, zu verbinden. Sie fanden heraus, dass die zeitliche Abfolge von Ereignissen echte Quanteneigenschaften aufweisen kann.

Der allgemeinen Relativitätstheorie zufolge verlangsamt die Anwesenheit eines schweren Körpers die Zeit. Das bedeutet, dass eine Uhr in der Nähe eines schweren...

Im Focus: Quantencomputer sollen tragbar werden

Infineon Austria forscht gemeinsam mit der Universität Innsbruck, der ETH Zürich und Interactive Fully Electrical Vehicles SRL an konkreten Fragestellungen zum kommerziellen Einsatz von Quantencomputern. Mit neuen Innovationen im Design und in der Fertigung wollen die Partner aus Hochschulen und Industrie leistbare Bauelemente für Quantencomputer entwickeln.

Ionenfallen haben sich als sehr erfolgreiche Technologie für die Kontrolle und Manipulation von Quantenteilchen erwiesen. Sie bilden heute das Herzstück der...

Im Focus: Quantum computers to become portable

Together with the University of Innsbruck, the ETH Zurich and Interactive Fully Electrical Vehicles SRL, Infineon Austria is researching specific questions on the commercial use of quantum computers. With new innovations in design and manufacturing, the partners from universities and industry want to develop affordable components for quantum computers.

Ion traps have proven to be a very successful technology for the control and manipulation of quantum particles. Today, they form the heart of the first...

Im Focus: Towards an 'orrery' for quantum gauge theory

Experimental progress towards engineering quantized gauge fields coupled to ultracold matter promises a versatile platform to tackle problems ranging from condensed-matter to high-energy physics

The interaction between fields and matter is a recurring theme throughout physics. Classical cases such as the trajectories of one celestial body moving in the...

Im Focus: "Qutrit": Komplexe Quantenteleportation erstmals gelungen

Wissenschaftlern der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und der Universität Wien ist es gemeinsam mit chinesischen Forschern erstmals gelungen, dreidimensionale Quantenzustände zu übertragen. Höherdimensionale Teleportation könnte eine wichtige Rolle in künftigen Quantencomputern spielen.

Was bislang nur eine theoretische Möglichkeit war, haben Forscher der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) und der Universität Wien nun erstmals...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

GAIN 2019: Das größte Netzwerktreffen deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler startet in den USA

22.08.2019 | Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz auf der MS Wissenschaft

22.08.2019 | Veranstaltungen

Informatik-Tagung vom 26. bis 30. August 2019 in Aachen

21.08.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

GAIN 2019: Das größte Netzwerktreffen deutscher Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler startet in den USA

22.08.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Künstliche Intelligenz auf der MS Wissenschaft

22.08.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Experiment HADES simuliert die Kollision und das Verschmelzen von Sternen: 800 Milliarden Grad in der kosmischen Küche

22.08.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics