Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nebennierenkarzinome gezielt bekämpfen

16.11.2012
Prof. Dr. Martin Fassnacht vom Münchner Klinikum der LMU wird für die Erforschung der „Viererkombination“ ausgezeichnet

Das Nebennierenkarzinom ist ein bösartiger Tumor, der im fortgeschrittenen Stadium schwierig zu beherrschen ist. Eine internationale Studie zeigt nun erstmals, mit welcher Chemotherapie sich dieser Tumor am besten behandeln lässt.

Für diese Studie, die im Juni dieses Jahres im New England Journal of Medicine publiziert wurde, erhält Prof. Dr. Martin Fassnacht (Medizinische Klinik IV) am 16. November 2012 in Berlin den mit 7.500 Euro dotierten Wissenschaftspreis der Arbeitsgemeinschaft Internistische Onkologie (AIO) der Deutschen Krebsgesellschaft.

Nebennierenkarzinome werden zu den seltenen Krankheiten gerechnet: In Deutschland treten pro Jahr „nur“ 80 bis 120 Fälle auf. Betroffen sind oft auch junge Menschen im Alter von 20 bis 40 Jahren. Die Aussichten auf Heilung stehen schlecht; mehr als die Hälfte der Patienten sterben in den ersten drei bis vier Jahren nach der Diagnosestellung.

Was ein Nebennierenkarzinom so gefährlich macht: Viele Patienten haben schon zu Beginn der Erkrankung Metastasen im Körper, meistens in Leber, Lunge und Knochen. Darum bricht der Krebs auch nach der operativen Entfernung des Tumors – sofern diese überhaupt möglich ist – häufig wieder aus.

„Wie diese Krebskrankheit im fortgeschrittenen Stadium am besten zu behandeln ist, war bislang nicht klar“, sagt Martin Fassnacht, der im September 2012 als Professor für Klinische Endokrinologie an die Medizinischen Klinik IV der LMU München berufen wurde. Darum wurde im Jahr 2004 die große internationale Studie FIRM-ACT gestartet. Ihr Ziel: Die beiden Chemotherapie-Strategien zu vergleichen, die den größten Erfolg versprechen.

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass eine Chemotherapie mit einer Kombination aus den vier Medikamenten Mitotane, Etoposid, Doxorubicin und Cisplatin deutlich effektiver ist als die Behandlung mit einer Zweierkombination aus Mitotane und Streptozotocin. So lebten ein Jahr nach dem Beginn der Behandlung noch 26 Prozent der Patienten mit der Viererkombination, ohne dass die Erkrankung in dieser Zeit weiter voranschritt.

Mit der Zweierkombination waren es nur sieben Prozent. Bei der Viererkombination war zudem die Zahl der Patienten, bei denen sich die Tumormasse verkleinerte, deutlich größer. „Die Viererkombination hat sich damit bei vergleichbaren Nebenwirkungen als klar überlegen erwiesen. Sie wird sich darum als Standardtherapie bei dieser Erkrankung durchsetzen. Aber trotz dieser Verbesserung sterben immer noch sehr viele Patienten, so dass es weiterhin großen Forschungsbedarf gibt“, so Fassnacht.

Fakten zur Studie FIRM-ACT

Insgesamt waren 304 Patienten mit einem Nebennierenkarzinom im fortgeschrittenen Stadium in die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mitfinanzierte Studie eingebunden. Betreut wurden sie an 40 medizinischen Zentren in zwölf Ländern in Europa, Australien und den USA. Deutschland war mit 103 Patienten das Land, das mit Abstand am meisten Patienten beitragen konnte. Mit den über 300 Patienten ist FIRM-ACT weltweit die bislang größte Studie ihrer Art. Sie hat laut Martin Fassnacht mehr Patienten untersucht als alle bisherigen Chemotherapie Studien beim Nebennierenkarzinom zusammen.

Vernetzung wertvoll für Patienten

Die an der Studie beteiligten Zentren wollen nun weiter daran arbeiten, die Behandlung zu verbessern. „Dank dieser Studie sind die internationalen Zentren für Nebennierenkarzinome jetzt erstmals sehr gut vernetzt. Das wird für die Patienten auf lange Sicht zu neuen, wirksameren Therapien führen“, sagt Martin Fassnacht.

Wissenschaftspreis der AIO

Der Wissenschaftspreis der AIO wird jährlich einmal verliehen. Die höchste Auszeichnung der AIO geht zu gleichen Teilen an einen Autor oder eine Autorengruppe mit der besten Publikation zur Entstehung von Krebs und zu innovativen Entwicklungen in der Krebsbehandlung (präklinischer Teil) bzw. zur klinischen Krebsforschung (klinischer Teil). Der von der Firma Pfizer gestiftete Preis ist mit 15.000 Euro dotiert und wird seit 1982 vergeben. Die Arbeit, die Martin Fassnacht als Repräsentant seiner internationalen Studiengruppe erhielt, wurde von der Jury aus acht hochwertigen klinischen Arbeiten ausgewählt.

Kontakt:
Prof. Dr. Martin Fassnacht
Bereichsleiter Klinische Endokrinologie
Medizinische Klinik und Poliklinik IV
Klinikum der Universität München
Ziemssenstr. 1
80366 München
Tel: 089-5160-2941
Fax: 089-5160-2942
E-Mail: Martin.Fassnacht@med.uni-muenchen.de

Philipp Kreßirer | Klinikum der Universität München
Weitere Informationen:
http://www.klinikum.uni-muenchen.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Europa-Preis: DFG zeichnet ausgewählte „Jugend forscht“-Sieger aus
22.05.2019 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

nachricht DFG fördert 13 neue Graduiertenkollegs
13.05.2019 | Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Direkte Abbildung von Riesenmolekülen

Physiker am Max-Planck-Institut für Quantenoptik (MPQ) konnten riesige zweiatomige Moleküle erzeugen und mit einem hochaufgelösten Mikroskop direkt abbilden.

Die optische Auflösung einzelner Konstituenten herkömmlicher Moleküle ist aufgrund der kleinen Bindungslänge im Sub-Nanometerbereich bisher nicht möglich....

Im Focus: New studies increase confidence in NASA's measure of Earth's temperature

A new assessment of NASA's record of global temperatures revealed that the agency's estimate of Earth's long-term temperature rise in recent decades is accurate to within less than a tenth of a degree Fahrenheit, providing confidence that past and future research is correctly capturing rising surface temperatures.

The most complete assessment ever of statistical uncertainty within the GISS Surface Temperature Analysis (GISTEMP) data product shows that the annual values...

Im Focus: Geometrie eines Elektrons erstmals bestimmt

Physiker der Universität Basel können erstmals zeigen, wie ein einzelnes Elektron in einem künstlichen Atom aussieht. Mithilfe einer neu entwickelten Methode sind sie in der Lage, die Aufenthaltswahrscheinlichkeit eines Elektrons im Raum darzustellen. Dadurch lässt sich die Kontrolle von Elektronenspins verbessern, die als kleinste Informationseinheit eines zukünftigen Quantencomputers dienen könnten. Die Experimente wurden in «Physical Review Letters» und die Theorie dazu in «Physical Review B» veröffentlicht.

Der Spin eines Elektrons ist ein vielversprechender Kandidat, um als kleinste Informationseinheit (Qubit) eines Quantencomputers genutzt zu werden. Diesen Spin...

Im Focus: The geometry of an electron determined for the first time

Physicists at the University of Basel are able to show for the first time how a single electron looks in an artificial atom. A newly developed method enables them to show the probability of an electron being present in a space. This allows improved control of electron spins, which could serve as the smallest information unit in a future quantum computer. The experiments were published in Physical Review Letters and the related theory in Physical Review B.

The spin of an electron is a promising candidate for use as the smallest information unit (qubit) of a quantum computer. Controlling and switching this spin or...

Im Focus: Optische Superlinsen aus Gold

Oldenburger Forscher entwickeln neues optisches Mikroskop mit extrem hoher Auflösung

Eine kegelförmige Spitze aus Gold bildet das Kernstück eines neuen, extrem leistungsfähigen optischen Mikroskops, das Oldenburger Wissenschaftler in der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Effizientes Wertstoff-Recycling aus Elektronikgeräten

24.05.2019 | Veranstaltungen

Früherkennung 2.0: Mit Präzisionsmedizin Screeningverfahren weiterentwickeln

23.05.2019 | Veranstaltungen

Kindermediziner tagen in Leipzig

22.05.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Schweißen ohne Wärme

24.05.2019 | Maschinenbau

Bakterien in fermentierten Lebensmitteln interagieren mit unserem Immunsystem

24.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Wie Einzelzellen und Zellverbünde beim Navigieren zusammenwirken

24.05.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics