Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

MOT-Preis für Dissertation zur Bewertung von Knieorthesen

21.05.2010
Prüfstand für Knieorthesen

Die Medizintechnik zeigt ihre Interdisziplinarität bereits in ihrem Namen. Medizinische Fragestellungen werden durch technische Angebote beantwortet. Besonders erfreulich ist es, wenn technische Lösungen in der Medizin so willkommen sind, dass sie die Ehre einer medizinischen Preisverleihung erfahren. Dies ist Dr. David Hochmann gelungen, der sich in seiner Forschungstätigkeit als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fachgebiet Medizintechnik der TU Berlin mit Knieorthesen beschäftigt.

Für seine Dissertation mit dem Titel “Prüf- und Bewertungsmethoden für Knieorthesen“, die von Prof. Dr. Marc Kraft betreut wurde, bekam er den ersten Preis der Fachzeitschrift Medizinisch-Orthopädische Technik (MOT) auf dem süddeutschen Orthopädenkongress in Baden-Baden. Der mit 5.000 Euro dotierte MOT-Preis wird jährlich für eine innovative Arbeit auf dem Gebiet der Technischen Orthopädie vergeben.

Bei Knieorthesen handelt es sich um orthopädische Hilfsmittel, die beispielsweise nach Knieverletzungen, Operationen oder auch im Rahmen der Rehabilitation von Behinderungen eingesetzt werden. Die Anzahl der verschiedenen, auf dem Markt verfügbaren Knieorthesen ist hoch und deren mechanische Eigenschaften sehr unterschiedlich, da es keine standardisierten Bewertungsmethoden für ihre Charakterisierung gab. Das hat sich dank der Arbeit von Dr. David Hochmann nun grundlegend geändert. Er entwickelte in seiner mit „Auszeichnung“ abgeschlossenen Dissertation völlig neue Ansätze, um die Stützwirkung von Knieorthesen in verschiedenen Ebenen, ihre Betriebsfestigkeit und ihre mikroklimatischen Eigenschaften bewerten zu können. Dazu wurden im ersten Schritt die Knieorthesen instrumentiert, d.h. mit Sensoren versehen, um beispielsweise Zugkräfte in den Gurten, Druck in den Schellen, Biegemomente in den Anschlägen und Orthesenflexionswinkel zu messen und somit fehlende Informationen über die Wechselwirkungen zwischen Mensch und Orthese zu sammeln. Die entwickelte Messtechnik wurde in umfangreichen klinischen Untersuchungen sowie Probandentests eingesetzt. Die dabei gewonnenen Messdaten bildeten die Basis für die Entwicklung und Validierung der Prüftechnik, die einerseits experimentell erfasste Gegebenheiten so genau wie möglich abbildet und andererseits praktikable und wiederholbare Messungen erlaubt.

Die entwickelten Prüfvorrichtungen umfassen unter anderem ein Beinmodell, welches die Eigenschaften der Haut, des darunter liegenden Fettgewebes und der Muskulatur (in Form pneumatisch gefüllter Schläuche) am Ober- und Unterschenkel nachbildet sowie einen Vergleich der lasttragenden Wirkung von Knieorthesen ermöglicht. Muss beispielsweise bei einem Riss eines Kreuzbandes ein Rutschen des Knies in der seitlichen Ebene verhindert werden, ist diese Eigenschaft einer Orthese nun anhand der Messung von sogenannten „Kraft-Weg-Kennlinien“ quantifizierbar. Die Betriebsfestigkeitsprüfungen liefern Aussagen über die Lebensdauer einer Orthese, also die maximal mögliche Anzahl von Beugebewegungen des Knies, bis erste Teile der Orthese versagen. Gute mikroklimatische Eigenschaften einer Orthese verringern das Schwitzen, da für einen Austausch von Feuchtigkeit und Wärme gesorgt wird. Auch diese Eigenschaften können getestet werden.

Mit dem von Dr. David Hochmann entwickelten Verfahren lassen sich nun Knieorthesen einem objektiven Bewertungsverfahren unterziehen. Für Mediziner sind die Ergebnisse besonders interessant, da die entwickelten Prüfmethoden Aussagen über die biomechanischen Unterschiede zwischen verschiedenen Orthesendesigns, die im Rahmen von klinischen Studien untersucht werden, liefern.

Der 1970 in Kischinjow, Moldawien, geborene David Hochmann studierte Maschinenbau mit dem Schwerpunkt Biomedizinische Technik an der TU Berlin. Parallel dazu arbeitete er als Softwareentwickler bei einem Unternehmen. Nach dem Studium war er zunächst als Wissenschaftlicher Mitarbeiter und später als Wissenschaftlicher Assistent am Fachgebiet Medizintechnik der TU Berlin tätig. Seit 2009 arbeitet er als Entwicklungsingenieur/Projektleiter bei Otto Bock Healthcare GmbH und ist darüber hinaus eingebunden in die neu gegründete Forschungseinrichtung Rehabtech Research Lab GmbH, die kürzlich vom Akademischen Senat der TU Berlin als An-Institut der TU Berlin anerkannt wurde.

Weitere Informationen erteilt Ihnen gern: Prof. Dr. Marc Kraft, Institut für Konstruktion, Mikro- und Medizintechnik, Fachgebiet Medizintechnik, Tel. : 030/314-23388, E-Mail: info@medtech.tu-berlin.de

Dr. Kristina R. Zerges | idw
Weitere Informationen:
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/medieninformationen/
http://www.pressestelle.tu-berlin.de/?id=4608

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Das Stromnetz fit für E-Mobilität machen
21.10.2019 | Universität Passau

nachricht Wie ein infizierter Knochen besser heilt
16.10.2019 | Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hohlraum vermittelt starke Wechselwirkung zwischen Licht und Materie

Forschern ist es gelungen, mithilfe eines mikroskopischen Hohlraumes eine effiziente quantenmechanische Licht-Materie-Schnittstelle zu schaffen. Darin wird ein einzelnes Photon bis zu zehn Mal von einem künstlichen Atom ausgesandt und wieder absorbiert. Das eröffnet neue Perspektiven für die Quantentechnologie, berichten Physiker der Universität Basel und der Ruhr-Universität Bochum in der Zeitschrift «Nature».

Die Quantenphysik beschreibt Photonen als Lichtteilchen. Will man ein einzelnes Photon mit einem einzelnen Atom interagieren lassen, stellt dies aufgrund der...

Im Focus: A cavity leads to a strong interaction between light and matter

Researchers have succeeded in creating an efficient quantum-mechanical light-matter interface using a microscopic cavity. Within this cavity, a single photon is emitted and absorbed up to 10 times by an artificial atom. This opens up new prospects for quantum technology, report physicists at the University of Basel and Ruhr-University Bochum in the journal Nature.

Quantum physics describes photons as light particles. Achieving an interaction between a single photon and a single atom is a huge challenge due to the tiny...

Im Focus: Freiburger Forschenden gelingt die erste Synthese eines kationischen Tetraederclusters in Lösung

Hauptgruppenatome kommen oft in kleinen Clustern vor, die neutral, negativ oder positiv geladen sein können. Das bekannteste neutrale sogenannte Tetraedercluster ist der weiße Phosphor (P4), aber darüber hinaus sind weitere Tetraeder als Substanz isolierbar. Es handelt sich um Moleküle aus vier Atomen, deren räumliche Anordnung einem Tetraeder aus gleichseitigen Dreiecken entspricht. Bisher waren neben mindestens sechs neutralen Versionen wie As4 oder AsP3 eine Vielzahl von negativ geladenen Tetraedern wie In2Sb22– bekannt, jedoch keine kationischen, also positiv geladenen Varianten.

Ein Team um Prof. Dr. Ingo Krossing vom Institut für Anorganische und Analytische Chemie der Universität Freiburg ist es gelungen, diese positiv geladenen...

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungen

Serienfertigung von XXL-Produkten: Expertentreffen in Hannover

22.10.2019 | Veranstaltungen

Digitales-Krankenhaus – wo bleibt der Mensch?

21.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

13. Aachener Technologie- und Innovationsmanagement-Tagung – »Collaborate to Innovate: Making the Net Work«

22.10.2019 | Veranstaltungsnachrichten

Studenten entwickeln einen Koffer, der automatisch auf Schritt und Tritt folgt

22.10.2019 | Innovative Produkte

Chemikern der Universität Münster gelingt Herstellung neuartiger Lewis-Supersäuren auf Phosphor-Basis

22.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics