Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Menschliche Antikörper als medizinische Wirkstoffe

04.11.2016

Technologietransferpreis der IHK Braunschweig für Biotechnologen der Carolo-Wilhelmina

Vier Biotechnologen der Technischen Universität Braunschweig haben eine Methode entwickelt, um vollständig menschliche Antikörper in beliebiger Zahl und in hoher Qualität herzustellen. Damit erschließen sie neue Anwendungsmöglichkeiten für die Arzneiforschung, Diagnostik und Grundlagenforschung. Für ihre Entwicklung, die sie in einer eigenen Ausgründung, der Yumab GmbH, zur Marktreife führten, erhielten sie heute, am 04. November 2016, den mit 10.000 Euro dotierten Technologie-Transferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.


Die Preisträger gemeinsam mit IHK-Präsident Helmut Streiff (v. l.): Dr. Thomas Schirrmann, Prof. Michael Hust, Helmut Streiff, Dr. André Frenzel und Prof. Stefan Dübel.

Jörg Scheibe

Vier Biotechnologen der Technischen Universität Braunschweig haben eine Methode entwickelt, um vollständig menschliche Antikörper in beliebiger Zahl und in hoher Qualität herzustellen. Damit erschließen sie neue Anwendungsmöglichkeiten für die Arzneiforschung, Diagnostik und Grundlagenforschung. Für ihre Entwicklung, die sie in einer eigenen Ausgründung, der Yumab GmbH, zur Marktreife führten, erhielten sie heute, am 04. November 2016, den Technologie-Transferpreis der Industrie- und Handelskammer Braunschweig.

Antikörper, auch Immunglobuline genannt, kennt man als Teil des Immunsystems. In den weißen Blutzellen gebildet, schützen sie Mensch und Tier vor schädlichen Fremdstoffen im Körper. An diese Fremdstoffe, zum Beispiel Viren oder Bakterien, können Antikörper andocken und sie somit unschädlich machen. Dabei kann unser Körper diese Schutzmoleküle praktisch gegen beliebig viele Fremdstoffe herstellen. Genau dies macht die Immunglobuline so interessant für Forschung, Diagnostik und Therapie. Das Anwendungsspektrum reicht von der Entwicklung neuer Medikamente über die Untersuchung des menschlichen Genoms bis etwa zum Nachweis von Substanzen in geringsten Konzentrationen. Voraussetzung für diese Anwendungen ist, dass die jeweils benötigten Antikörper in hoher Qualität zur Verfügung stehen.

Tausende Antikörper passgenau hergestellt

Mit der patentierten Entwicklung des Phagendisplays machten die Braunschweiger Wissenschaftler um Professor Stefan Dübel, Dr. André Frenzel, Professor Michael Hust und Dr. Thomas Schirrmann dies möglich und schließlich auch im industriellen Maßstab handhabbar. Tausende verschiedener Antikörper können so heute in sehr kurzer Zeit erzeugt und getestet werden. Ein wichtiger Unterschied zu herkömmlichen Methoden ist auch, dass keine Tiere mehr zur Herstellung unserer Antikörper nötig sind.

Grundlage für die Entwicklung war das BMBF-Förderprojekt "Antibody Factory", das 2004 an der TU Braunschweig startete. Später kamen zahlreiche EU-Projekte hinzu. Im Verlauf dieser Arbeiten kristallisierte sich die Idee einer Unternehmensgründung heraus; 2012 wurde dann die Yumab GmbH ins Leben gerufen. Ihr gelang es, die Methode zu industrialisieren, in dem sie miniaturisiert, automatisiert und damit hochdurchsatzfähig wurde. Damit werden menschliche Antikörper sie für einen großen Kundenkreis für wenig Kapitaleinsatz deutlich schneller als zuvor verfügbar. Die Technologiereife des Transfergegenstandes ist mittlerweile durch den kommerziellen Erfolg nachgewiesen.

Von der Grundlagenforschung zum Produkt

Preisträger Prof. Dübel meinte dazu. "Die Entwicklung der Yumab zeigt, was ein kleines, aber hochmotiviertes Team in einem geeigneten Umfeld schaffen kann. Dazu bot uns die TU Braunschweig mit den hervorragenden Möglichkeiten zur interdisziplinären Zusammenarbeit, der Innovationsgesellschaft iTUBS, und überhaupt mit ihrer ganzen anwendungsorientierten Atmosphäre eine für Gründer hervorragende Ausgangssituation.

„Wir gratulieren dem Team rund um Prof. Dübel zum Technologietransferpreis der IHK Braunschweig. Für das Institut, die Ausgründung und die gesamte Universität ist dies eine große Anerkennung. Den Transfer von Forschungsergebnissen und Innovationen in die Gesellschaft sehen wir als Kernaufgabe “, sagt Prof. Ulrich Reimers, Vizepräsident für Strategie und Technologietransfer der TU Braunschweig und ergänzt: „Am Beispiel dieser Entwicklung zeigt sich allerdings, dass der Weg von der Grundlagenforschung bis zum marktfähigen Produkt viele Jahre dauern kann. Der Erfolg bestätigt, dass sich die jahrelangen Anstrengungen gelohnt haben.“

Kontakt:
Prof. Stefan Dübel
Technische Universität Braunschweig
Abteilung Biotechnologie
Institut für Biochemie, Biotechnologie und Bioinformatik
Spielmannstr. 7
38106 Braunschweig
Tel.: 0531 391-5732
E-Mail: s.duebel@tu-braunschweig.de
http://www.bbt.tu-bs.de/Biotech/

Dr. Elisabeth Hoffmann | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wie ein infizierter Knochen besser heilt
16.10.2019 | Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH

nachricht Sensorschleuse Argus von dormakaba mit ICONIC Award 2019 ausgezeichnet
15.10.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Insekten teilen den gleichen Signalweg zur dreidimensionalen Entwicklung ihres Körpers

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics