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Karl-Ziegler-Preis an Paul Knochel

30.07.2009
Wissenschaftsforum Chemie hält Erinnerung an Nobelpreisträger Ziegler wach

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) verleiht 2009 den mit 50.000 Euro dotierten Karl-Ziegler-Preis der Karl-Ziegler-Stiftung an Professor Dr. Paul Knochel vom Department Chemie der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Preisverleihung wird von der Stifterin, der Tochter Karl Zieglers, Dr. Marianne Witte, im Rahmen des Wissenschaftsforums Chemie am 31. August in Frankfurt in einer öffentlichen Abendveranstaltung vorgenommen.

Mit der Auszeichnung werden Knochels international führende Arbeiten im Grenzgebiet zwischen Organischer Chemie, Metallorganischer Chemie, Katalyse und Medizinischer Chemie anerkannt. Seine außergewöhnlich kreativen und produktiven Forschungsarbeiten beeindrucken durch methodische Breite und interessante praktische Anwendungen. Mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung wird am Vormittag desselben Tages Professor Dr. Vincenzo Busico vom Department Chemie der Universität Neapel im Rahmen des Ziegler Symposiums ausgezeichnet.

Paul Knochel wurde 1955 in Straßburg geboren, studierte an der dortigen Universität Chemie und promovierte 1982 an der ETH Zürich. Nach Stationen an der Université Pierre et Marie Curie, Paris, und an der Princeton University, New-Jersey, wurde er 1988 Assistant-Professor und 1991 Full-Professor an der University of Michigan, Ann Arbor. 1992 kehrte er nach Europa zurück, war bis 1999 Professor für Organische Chemie in Marburg und nahm dann einen Ruf an die Ludwig-Maximilians-Universität in München an. Seine fast 500 wissenschaftlichen Publikationen sind von ausgezeichneter wissenschaftlicher Qualität. Und so wurde Knochel bereits mehrfach ausgezeichnet, u.a. 1995 mit dem Otto-Bayer-Preis, 1996 mit dem Leibniz-Preis der DFG, 2004 mit dem Jannsen Preis und 2005 mit dem Arthur C. Cope Scholar Award.

Und so bewerten führende Chemiker Knochels Arbeiten: "Paul Knochel ist ohne Zweifel ein - auch im internationalen Vergleich - herausragender Wissenschaftler. Seine Arbeiten zur Synthese von funktionalisierten Aromaten und Heteroaromaten haben wesentliche Impulse für eine moderne und effiziente Synthese von Feinchemikalien und Bausteinen für Wirkstoffe geliefert" (Professor Dr. Matthias Beller, Rostock). "Mein Eindruck ist, dass Paul Knochel derzeit die Chemie Grignards revolutioniert. Seine funktionalisierten Organomagnesiumreagenzien haben diese mehr als 100 Jahre alte Metallorganik völlig verändert, und immer häufiger sieht man sie sowohl im Labormaßstab als auch bei industriell relevanten Umsetzungen angewandt" (Professor Dr. Carsten Bolm, Aachen). "Keiner, der die Chemielandschaft Deutschlands überblickt, kann die Statur und internationale Reputation von Prof. Knochel übersehen. Seine wegweisenden Arbeiten auf dem Gebiet der metallorganischen Chemie, besonders im Bereich der lange vernachlässigten Organozinkverbindungen, haben nicht nur in der akademischen Forschung großes Echo ausgelöst, sondern werden wegen ihrer Praktikabilität auch in der Industrie hoch geschätzt; als Folge wird die Zinkchemie heute international mit dem Namen Knochel verbunden" (Professor Dr. Alois Fürstner, Mülheim). "He is addressing the most important challenge facing chemists today, namely the demand for new strategies that would minimize the number of chemical steps needed for constructing a complete spatial arrangement around carbon centers for any given synthetic target" (Professor Dr. Ilan Marek, Haifa (Israel). "Schwerpunkte der Forschungsarbeiten von Prof. Knochel sind die Darstellung und Anwendung hochfunktionalisierter metallorganischer Verbindungen für die Organische Synthese. Insgesamt umspannen seine Forschungsarbeiten einen sehr weiten Bogen, so dass ich Herrn Prof. Knochel als herausragenden Wissenschaftler in besonderem Maße für den Karl-Ziegler-Preis qualifiziert sehe" (Professor Dr. Eckhard Ottow, Berlin).

Für seine Arbeiten über neue metallorganische Verbindungen erhielt Knochel kürzlich einen Advanced Investigator Grant über zwei Millionen Euro vom European Research Council (ERC). Im Anschluss an die Preisverleihung wird Knochel daher in einem öffentlichen Vortrag zum Thema "Vom Charme und Nutzen der Grundlagenforschung - zwei Millionen für "Funtionalized Main-group Organometallic Compounds" sprechen.

Nach dem Vortrag des Preisträgers befasst sich eine öffentliche Podiumsdiskussion mit dem Thema "Von der Grundlagenforschung zu innovativen Produkten - Erfolgsgeheimnisse der deutschen Chemie", an der neben dem GDCh-Präsidenten, Professor Dr. Klaus Müllen vom Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz, je zwei Vertreter aus dem universitären und dem industriellen Bereich und je eine Vertreterin der Deutschen Forschungsgemeinschaft und der Politik teilnehmen. Ausgangsgedanke der Podiumsdiskussion ist, dass es nicht nur sehr guter Arbeit in den Forschungslabors bedarf, sondern auch eines klugen Gedankenaustauschs mit den "Machern" in vielen Industriesparten, um auf dem globalen Chemiemarkt die Spitzenposition zu verteidigen und auszubauen. Und vor allem braucht es Forschungsgelder, die die Politik und NGOs im nationalen und europäischen Rahmen zur Verfügung stellen. Dieses Fördernetzwerk scheint immer undurchdringlicher zu werden. Wie kann man den Durchblick behalten?

Preisverleihung, Vortrag und Podiumsdiskussion geben dem Naturwissenschaftler und auch dem interessierten Laien einen gut verständlichen Einblick in aktuelle chemische Forschung und Forschungsförderung, werden aber auch erforderlichen Handlungsbedarf aufzeigen. Die gesamte Veranstaltung findet am 31. August im Hörsaal HZ 4, Hörsaalzentrum, Campus Westend der Goethe-Universität Frankfurt, zwischen 19 und ca. 21 Uhr statt.

Am Vormittag desselben Tages findet, nur den Tagungsteilnehmern vorbehalten, das Ziegler Symposium statt. Unter der Leitung von Professor Dr. Karola Rück-Braun von der TU Berlin wird es mit der Karl Ziegler-Giulio Natta-Vorlesung von Vincenzo Busico eröffnet, der die Frage stellt "Ziegler-Natta-Catalysis: Dull or Cool?". (Ziegler, der von 1949 bis 1951 erster Präsident der GDCh war, hatte zusammen mit Natta 1963 den Nobelpreis für neue Polymerisationsverfahren mit neuartigen Katalysatoren erhalten.) Mit der Ziegler-Natta-Vorlesung werden wechselweise italienische und deutsche Wissenschaftler ausgezeichnet. 2008 hielt Professor Dr. Stefan Mecking, Universität Konstanz, der als zweiter beim Frankfurter Ziegler Symposium vorträgt, die Vorlesung in Italien. Dritte Vortragende ist die junge Diplom-Chemikerin Viktoria Geßner, TU Dortmund, die aufgrund hervorragender Publikationen zu ihrem Arbeitsgebiet, das Struktur- und Reaktivitätsbeziehungen lithiumorganischer Verbindungen umfasst, einen Sonderpreis der Karl-Ziegler-Reisestipendien in Höhe von 1.000 Euro und die Einladung zu einem Kurzvortag erhielt.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) ist mit über 28.000 Mitgliedern eine der größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Ihre bedeutendste Tagung ist das alle zwei Jahre stattfindende Wissenschaftsforum Chemie, das 2009 vom 30. August bis 2. September an der Frankfurter Goethe-Universität veranstaltet wird. Zu den Höhepunkten der Wissenschaftsforen zählen die Preisverleihungen. Der Karl-Ziegler-Preis ist neben dem Otto-Hahn-Preis der höchstdotierte Preis der GDCh, der aus Stiftungsgeldern erstmals 1998 vergeben wurde, und zwar an Gerhard Erlt, den Nobelpreisträger von 2007.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

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