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Erster Paul-Crutzen-Preis geht an japanischen Atmosphärenchemiker

10.09.2012
Der erstmals vergebene Paul-Crutzen-Preis geht an den japanischen Chemiker Dr. Manabu Shiraiwa.
Der Wissenschaftler des California Institute of Technology in Pasadena wird für seine Arbeiten zu den Wechselwirkungen von Ozon und anderen Gasen mit Aerosolpartikeln in der Atmosphäre geehrt. Diese chemischen Mechanismen sind von großer Bedeutung vom globalen Klima bis hin zur menschlichen Gesundheit. Der Preis wird am Mittwoch auf der gemeinsamen Jahrestagung der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der GDCh und der SETAC-GLB vergeben.

Vom 10. bis 13. September 2012 treffen sich über 250 Umweltchemiker und Ökotoxikologen am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) – organisiert von der Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) und der Society of Environmental Toxicology and Chemistry – Europe, German Language Branch (SETAC GLB), in der die Ökotoxikologen der deutschsprachigen Länder organisiert sind. Die Konferenzteile zu urbaner Luftverschmutzung und Aerosolen wurden von Prof. Hartmut Herrmann vom Leibniz-Institut für Troposphärenforschung (TROPOS) organisiert, der auch Vorsitzender des Arbeitskreises Atmosphärenchemie der GDCh ist.
Der Paul-Crutzen-Preis wurde nach dem niederländischen Wissenschaftler benannt, der 1995 für seine Arbeiten auf dem Gebiet der Atmosphärenchemie den Nobelpreis für Chemie erhalten hatte. Crutzen gilt als Pionier der Erforschung des Ozonlochs, da er den Einfluss der Polaren Stratosphärenwolken dabei klärte. Der Preis ist hervorgegangen aus dem Fachgruppen-Preis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie und ist ein Publikationspreis für eine herausragende wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Umweltchemie und Ökotoxikologie. Der aus Japan stammende Wissenschaftler Shiraiwa erhält ihn für seine Veröffentlichung „The role of long-lived reactive oxygen intermediates in the reaction of ozone with aerosol particles“, die 2011 in Nature Chemistry publiziert wurde. Shiraiwa hat in seinen Arbeiten wichtige Erkenntnisse über die Wechselwirkungen von Ozon und anderen Gasen mit Aerosolpartikeln in der Atmosphäre gewonnen. Die von ihm aufgeklärten chemischen Mechanismen sind von großer Bedeutung, um die Eigenschaften atmosphärischer Aerosole und reaktiver Spezies zu verstehen, die das globale Klima und die Gesundheit beeinflussen. Die Arbeiten umfassen komplexe Laborexperimente sowie quantenmechanische und reaktionskinetische Modellrechnungen, die helfen, Aussagen über die Toxizität und das allergene Potenzial von Ruß, polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen und nitirierten Protein-Makromolekülen zu treffen. Dr. Shiraiwa hat seine innovativen Forschungsansätze bereits in 18 hochrangigen Zeitschriften veröffentlicht, darunter 11 mal als Erstautor. Der japanische Wissenschaftler arbeitete mehrere Jahre am Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz.

Am Dienstag hält Dr. Manabu Shiraiwa auch einen Vortrag am Leibniz-Institut für Troposphärenforschung, an dem ebenfalls chemische Prozesse in der Troposphäre und damit auch die Wechselwirkungen zwischen Ozon und Aerosolpartikeln untersucht werden. So konnten die TROPOS-Wissenschaftler erst kürzlich zusammen mit Kollegen der Universität Helsinki und des National Center for Atmospheric Research in Boulder die Existenz eines bisher wenig charakterisierten Radikals nachweisen, das eine ähnliche Rolle beim Abbau von Luftschadstoffen spielen könnte wie OH-Radikale - insbesondere bei der Oxidation des Schwefeldioxids.
Weitere Informationen:
Leibniz-Institut für Troposphärenforschung
Prof. Hartmut Herrmann, Abteilung Chemie
Tel. 0341-235-2446
http://www.tropos.de/info/herrmann_h.pdf
oder
Tilo Arnhold, TROPOS-Öffentlichkeitsarbeit
Tel. 0341-235-3210
http://www.tropos.de/ift_personal.html

Links:
Paul-Crutzen-Preis der GDCh-Fachgruppe Umweltchemie und Ökotoxikologie:
http://www.oekochemie.tu-bs.de/ak-umweltchemie/startseite/doc/mitteilungen/Ausschreibung_Fachgruppenpreis12.pdf
AK Atmosphärenchemie der GDCh:
http://www.gdch.de/netzwerk-strukturen/fachstrukturen/umweltchemie-und-oekotoxikologie/arbeitskreise/atmosphaerenchemie.html

NATURE: Neues Oxidationsmittel der Atmosphäre entdeckt, das Luftschadstoffe abbaut (Pressemitteilung vom 08. August 2012):
https://idw-online.de/de/news491295

Das Leibniz-Institut für Troposphärenforschung ist Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft. Ihr gehören zurzeit 87 Forschungsinstitute und wissenschaftliche Infrastruktureinrichtungen für die Forschung sowie zwei assoziierte Mitglieder an. Die Ausrichtung der Leibniz-Institute reicht von den Natur-, Ingenieur- und Umweltwissenschaften über die Wirtschafts-, Sozial- und Raumwissenschaften bis hin zu den Geisteswissenschaften. Leibniz-Institute bearbeiten gesamtgesellschaftlich relevante Fragestellungen strategisch und themenorientiert. Dabei bedienen sie sich verschiedener Forschungstypen wie Grundlagen-, Groß- und anwendungsorientierter Forschung. Sie legen neben der Forschung großen Wert auf wissenschaftliche Dienstleistungen sowie Wissenstransfer in Richtung Politik, Wissenschaft, Wirtschaft und Öffentlichkeit. Sie pflegen intensive Kooperationen mit Hochschulen, Industrie und anderen Partnern im In- und Ausland. Das externe Begutachtungsverfahren der Leibniz-Gemeinschaft setzt Maßstäbe. Jedes Leibniz-Institut hat eine Aufgabe von gesamtstaatlicher Bedeutung. Bund und Länder fördern die Institute der Leibniz-Gemeinschaft daher gemeinsam. Die Leibniz-Institute beschäftigen etwa 16.800 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sind ca. 7.800 Wissenschaftler, davon wiederum 3.300 Nachwuchswissenschaftler. Der Gesamtetat der Institute liegt bei mehr als 1,4 Mrd. Euro, die Drittmittel betragen etwa 330 Mio. Euro pro Jahr.

http://www.leibniz-gemeinschaft.de

Tilo Arnhold | idw
Weitere Informationen:
http://www.ufz.de/umwelt2012

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