Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Clausthaler Minensuch- und Ortungssysteme in Berlin ausgezeichnet

12.12.2007
Alle 15 Minuten tritt irgendwo auf der Welt ein Mensch auf eine Landmine. Viele sterben an ihren Verletzungen.

An der Technischen Universität (TU) Clausthal und am benachbarten Umwelttechnik-Institut (CUTEC) sind unabhängig voneinander zwei Minensuchsysteme entwickelt worden, mit denen die lebensbedrohlichen Sprengkörper in Zukunft sicherer und schneller geräumt werden können. Für diesen wissenschaftlichen wie humanitären Beitrag ist zwei Clausthaler Forschern in Berlin vom Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) der mit 10.000 Euro dotierte "Technologiepreis der wehrtechnischen Industrie" verliehen worden.

Angaben der UNO zufolge liegen weltweit mehr als 110 Millionen Tretminen in 70 Ländern im Boden vergraben. Die Suche danach mit herkömmlichen Metalldetektoren ist aufwendig und nicht frei von Fehlern. Hier setzt das unter Leitung von Professor Matthias Reuter entwickelte System "Zuverlässig Minen finden" an. Mit Hilfe neuartiger auf Computerintelligenz basierender Verfahren werden Metalldetektorsignale optimal ausgewertet und die Minen mit neuronalen Netzen identifiziert. Auf diesem Gebiet forscht Professor Reuter außer im CUTEC auch erfolgreich im Institut für Informatik der TU Clausthal.

Beim anderen Clausthaler Ansatz, der "Laser-Minensuchnadel", ermöglicht eine miniaturisierte Lasertechnologie im Erdreich verborgene Gegenstände sofort präzise zu identifizieren. Der große Vorteil dieses Konzeptes besteht darin, dass es an die bisherige Praxis anknüpft und damit beim Räumungspersonal Akzeptanz genießt. Denn die neuartige Technologie ist quasi in eine konventionelle Minensuchnadel eingepflanzt worden. Ein Prototyp des Gerätes kostet rund 50.000 Euro. Entwickelt wurde die Laser-Minensuchnadel von einem Team um Professor Wolfgang Schade im LaserAnwendungsCentrum (LAC) der TU Clausthal. Für die Auswertung der Daten der Lasersuchnadel - und hier befindet sich die Schnittstelle der beiden Clausthaler Systeme - werden die neuronalen Netze von Professor Reuter eingesetzt. Unterstützt wurde dieses Minensuchprojekt, das vom Verteidigungsministerium finanziell gefördert wird, auch vom Wehrwissenschaftlichen Institut für Werk-, Explosiv- und Betriebsstoffe der Bundeswehr.

Nicht zuletzt Gespräche am Rande der Preisverleihung im Haus der Wirtschaft in Berlin haben die Dimensionen der beiden Entwicklungen, die sich in Zukunft sicher synergetisch ergänzen, noch einmal aufgezeigt und verdeutlicht: Es besteht weiterer Forschungsbedarf. "Wir müssen die entwickelte Technologie nun auf Roboter setzen, damit künftig eine voll automatisierte Minensuche möglich ist", sagt Physiker Schade. Außerdem könnte das Modell eines Tages über das Aufspüren militärischer Sprengsätze hinaus eingesetzt werden, beispielsweise um Terroranschlägen zu vermeiden, indem etwa Kofferbomben frühzeitig erkannt werden.

Auf dem Gebiet der chipbasierten Laser-Sensortechnologie für Sicherheitsforschung gilt die TU Clausthal in der Branche inzwischen als akzeptierter Partner. So erhält das LaserAnwendungsCentrum seit Oktober 2007 für die nächsten drei Jahre aus einem Verbundprojekt des Bundesforschungsministeriums 730.000 Euro. Seitens der EU steht ebenfalls eine größere Förderung bevor. Und in Hinblick auf das in Goslar entstehende Energie-Forschungszentrum Niedersachsen (EFZN) kann sich Professor Schade eine Verbindung der Themen Sicherheit und Energie gut vorstellen. Sein Ansatz: An der TU Clausthal wird miniaturisierte Lasersensorik entwickelt, die beispielsweise Kraftwerke vor Anschlägen bewahrt oder die Hochspannungskabel von Windkraftanlagen vor Überlastungen schützt. Für das preisgekrönte Team um Professor Schade mit Dr. Christian Bohling (Secopta GmbH), Dr. Gerhard Holl (Bundeswehr), Dr. Dirk Scheel und Konrad Hohmann (beide TU Clausthal) bleibt also noch einiges zu tun.

Christian Ernst | idw
Weitere Informationen:
http://www.lac.tu-clausthal.de/

Weitere Berichte zu: CUTEC Minensuch- und Ortungssystem

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht GFOS-Innovationsaward 2019: Anmeldung ab sofort möglich
13.12.2018 | GFOS mbH

nachricht Röhrchen statt Platten: 2,5 Millionen Euro für Entwicklung neuartiger Elektrolysezelle
13.12.2018 | Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Data storage using individual molecules

Researchers from the University of Basel have reported a new method that allows the physical state of just a few atoms or molecules within a network to be controlled. It is based on the spontaneous self-organization of molecules into extensive networks with pores about one nanometer in size. In the journal ‘small’, the physicists reported on their investigations, which could be of particular importance for the development of new storage devices.

Around the world, researchers are attempting to shrink data storage devices to achieve as large a storage capacity in as small a space as possible. In almost...

Im Focus: Data use draining your battery? Tiny device to speed up memory while also saving power

The more objects we make "smart," from watches to entire buildings, the greater the need for these devices to store and retrieve massive amounts of data quickly without consuming too much power.

Millions of new memory cells could be part of a computer chip and provide that speed and energy savings, thanks to the discovery of a previously unobserved...

Im Focus: Quantenkryptographie ist bereit für das Netz

Wiener Quantenforscher der ÖAW realisierten in Zusammenarbeit mit dem AIT erstmals ein quantenphysikalisch verschlüsseltes Netzwerk zwischen vier aktiven Teilnehmern. Diesen wissenschaftlichen Durchbruch würdigt das Fachjournal „Nature“ nun mit einer Cover-Story.

Alice und Bob bekommen Gesellschaft: Bisher fand quantenkryptographisch verschlüsselte Kommunikation primär zwischen zwei aktiven Teilnehmern, zumeist Alice...

Im Focus: An energy-efficient way to stay warm: Sew high-tech heating patches to your clothes

Personal patches could reduce energy waste in buildings, Rutgers-led study says

What if, instead of turning up the thermostat, you could warm up with high-tech, flexible patches sewn into your clothes - while significantly reducing your...

Im Focus: Tödliche Kombination: Medikamenten-Cocktail dreht Krebszellen den Saft ab

Zusammen mit einem Blutdrucksenker hemmt ein häufig verwendetes Diabetes-Medikament gezielt das Krebswachstum – dies haben Forschende am Biozentrum der Universität Basel vor zwei Jahren entdeckt. In einer Folgestudie, die kürzlich in «Cell Reports» veröffentlicht wurde, berichten die Wissenschaftler nun, dass dieser Medikamenten-Cocktail die Energieversorgung von Krebszellen kappt und sie dadurch abtötet.

Das oft verschriebene Diabetes-Medikament Metformin senkt nicht nur den Blutzuckerspiegel, sondern hat auch eine krebshemmende Wirkung. Jedoch ist die gängige...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungen

Pro und Contra in der urologischen Onkologie

14.12.2018 | Veranstaltungen

Konferenz zu Usability und künstlicher Intelligenz an der Universität Mannheim

13.12.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Laserstrahlen für die Glasbearbeitung – geformt nach Kundenwunsch

17.12.2018 | Physik Astronomie

Rittal: Das sind die IT- und Datacenter-Trends 2019

17.12.2018 | Informationstechnologie

Tagung 2019 in Essen: LED Produktentwicklung – Leuchten mit aktuellem Wissen

14.12.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics