Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mit alten Platten Neues bauen: BTU Cottbus entwickelt System zur Entsorgung von Plattenbauten

20.02.2003


Stück für Stück werden Geschosse abgetragen, die Plattenbau-Wohnanlage somit kleiner und attraktiver gestaltet.


Bauteile werden wiederverwendet – Brandenburgisch Technische Universität (BTU) Cottbus erhält DBU-Förderung von 107.500 Euro

... mehr zu:
»Abbruchabfall »BTU

In Ostdeutschland befinden sich 1,5 Millionen Wohnungen in sogenannten Plattenbauten. Diese in der DDR bevorzugte Bauart findet heute nur noch wenig Nachfrage: 30 Prozent der Wohnungen stehen leer. "Es kann davon ausgegangen werden, dass mehr als 600.000 dieser Wohneinheiten in den nächsten 15 Jahren vom Markt genommen werden müssen", erläuterte Dr. Fritz Brickwedde, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), Osnabrück. Diese Entwicklung stelle die Baubranche vor ein großes Problem, das es zu lösen gelte. Die Umweltstiftung habe sich daher entschlossen, ein Projekt der Brandenburgisch Technischen Universität Cottbus (BTU) mit 107.500 Euro zu fördern, das sich mit der Entwicklung eines Entsorgungssystems zum kompletten Rückbau von Plattenbauten beschäftigt. "Die hier gewonnenen Fertigteile und Bauelemente sollen dabei einer Wiederverwendung bzw. Wiederverwertung zugeführt, nicht verwertbare Abfälle sinnvoll entsorgt werden", so Brickwedde. Die Bearbeitung erfolgt durch ein Forschungsteam um Prof. Dr. Hans Peter Unruh am Lehrstuhl Baubetrieb und Bauwirtschaft.

Große Plattenbauwohnanlagen erleiden Imageverlust


Plattenbau. Laut Definition ist dies eine Möbelbauart, bei der das gesamte Möbelstück aus Platten gefertigt wird. So verhalte es sich auch mit der in der DDR favorisierten Hausbauweise. Den Vorteil des schrittweisen Rück- oder gar Abbaus, den ein solches System mit seinen einzelnen Komponenten biete, wolle sich die BTU nun zunutze machen. "Große Wohnanlagen mit dauerhaften Leerständen bergen aufgrund ihres Imageverlustes die Gefahr des wirtschaftlichen und sozialen Verfalls, das haben Untersuchungen ergeben", hob Brickwedde die Bedeutung des Projektes hervor. Die von monoton wirkenden Plattenbauten dominierten Gebiete könnten in neue Wohnanlagen umgestaltet werden, die höheren Komfort und attraktiveres Wohnen gewährleisteten.

Umbau von leerstehenden Wohnkomplexen wird nötig

Aufgrund der Entwicklung in dieser Baumarktsparte sei damit zu rechnen, dass durch den Rück- oder Umbau von Plattenbauten große Mengen Beton anfallen. Diesen wie bisher dem Materialrecycling zuzuführen, sei nicht mehr sinnvoll, da schon zuviel recycelter Beton produziert werde. Daher beabsichtige die BTU Cottbus ein Produkt-Recycling zu entwickeln, das es erlaube, abgebaute Formteile aus Plattenbauten einer neuen Verwendung zuzuführen. Problemlos möglich sei dies vor allem bei Deckenplatten und tragenden Innenwänden, da diese nicht der Witterung ausgesetzt seien und damit auch nach jahrzehntelanger Nutzung in gutem Zustand vorlägen. Man gehe davon aus, dass über 80 Prozent der Fertigteile auf diese Weise wieder verwendet werden könnten.

Momentan noch keine Verwertung der Rückbauabfälle

Derzeit würden fast 100 Prozent der anfallenden Abbruchabfälle aus dem Rückbau von Plattenbauten auf Deponien gelagert, da theoretische Grundlagen zur technischen Aufbereitung der einzelnen Elemente fehlen. Auch die Kostenunterschiede zwischen Wiederverwendung/Wiederverwertung und Deponie würden häufig falsch eingeschätzt. Dabei könne man davon ausgehen, dass die im Ergebnis einer städtebaulichen Umgestaltung durch Geschossreduzierung und Herausnehmen von Segmenten demontierten Teile kostenlos zur Verfügung stünden. Nach ersten Berechnungen der BTU Cottbus erscheinen Einsparungen von 20 Prozent bei Verwendung von gebrauchten Bauteilen gegenüber traditioneller Rohbauweise möglich. Gesamtziel des Projektes sei die sinnvolle Wiederverwendung bzw. –verwertung der Beton- und Stahlbetonfertigteile, der Bauelemente sowie der Abbruchabfälle. Voraussetzungen für ein Entsorgungsnetzwerk sollen ebenso geschaffen werden wie die zielgerichtete Zuführung der Materialien zur weiteren Verwendung.

Nicole Frommeyer | DBU

Weitere Berichte zu: Abbruchabfall BTU

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht ESJET-Drucktechnologie für großflächige Displays ausgezeichnet
11.04.2019 | Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung IAP

nachricht BMBF fördert Innovationsraum NewFoodSystems
10.04.2019 | Max Rubner-Institut - Bundesforschungsinstitut für Ernährung und Lebensmittel

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Explosion on Jupiter-sized star 10 times more powerful than ever seen on our sun

A stellar flare 10 times more powerful than anything seen on our sun has burst from an ultracool star almost the same size as Jupiter

  • Coolest and smallest star to produce a superflare found
  • Star is a tenth of the radius of our Sun
  • Researchers led by University of Warwick could only see...

Im Focus: Neues „Baustein-Konzept“ für die additive Fertigung

Volkswagenstiftung fördert Wissenschaftler aus dem IPF Dresden bei der Erkundung eines innovativen neuen Ansatzes im 3D-Druck

Im Rahmen Ihrer Initiative „Experiment! - Auf der Suche nach gewagten Forschungsideen“
fördert die VolkswagenStiftung ein Projekt, das von Herrn Dr. Julian...

Im Focus: Vergangenheit trifft Zukunft

autartec®-Haus am Fuß der F60 fertiggestellt

Der Hafen des Bergheider Sees beherbergt seinen ersten Bewohner. Das schwimmende autartec®-Haus – entstanden im Rahmen eines vom Bundesministerium für Bildung...

Im Focus: Hybrid-Neuronen-Netzwerke mit 3D-Lithografie möglich

Netzwerken aus wenigen Neuronenzellen können gezielt künstliche dreidimensionale Strukturen vorgegeben werden. Sie werden dafür elektronisch verschaltet. Dies eröffnet neue Möglichkeiten, Fehler in neuralen Netzwerken besser zu verstehen und technische Anwendungen mit lebenden Zellen gezielter zu steuern. Dies stellt ein Team aus Forschenden aus Greifswald und Hamburg in einer Publikation in der Fachzeitschrift „Advanced Biosystems“ vor.

Eine der zentralen Fragen der Lebenswissenschaften ist, die Funktionsweise des Gehirns zu verstehen. Komplexe Abläufe im Gehirn ermöglichen uns, schnell Muster...

Im Focus: Was geschieht im Körper von ALS-Patienten?

Wissenschaftler der TU Dresden finden Wege, um das Absterben von Nervenzellen zu verringern und erforschen Therapieansätze zur Behandlung von ALS

Die Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine unheilbare Erkrankung des zentralen Nervensystems. Nicht selten verläuft ALS nach der Diagnose innerhalb...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Künstliche Intelligenz: Lernen von der Natur

17.04.2019 | Veranstaltungen

Mobilität im Umbruch – Conference on Future Automotive Technology, 7.-8. Mai 2019, Fürstenfeldbruck

17.04.2019 | Veranstaltungen

Augmented Reality und Softwareentwicklung: 33. Industrie-Tag InformationsTechnologie (IT)²

17.04.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Irdischer Schutz für außerirdisches Metall

18.04.2019 | Verfahrenstechnologie

Erster astrophysikalischer Nachweis des Heliumhydrid-Ions

18.04.2019 | Physik Astronomie

Radioteleskop LOFAR blickt tief in den Blitz

18.04.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics