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25.02.2008
Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) vergab bei seiner Jahrestagung in Witten zum ersten Mal den David-Sackett-Preis / Eine gemeinsame Pressemitteilung des DNEbM und der Universität Witten/Herdecke

Für ihre Leistungen auf dem Gebiet der evidenzbasierten Medizin und Gesundheitsversorgung sind heute (22.2.2008) die beiden Wissenschaftler Dr. Erik von Elm und Günter Egidi mit dem erstmals vergebenen David-Sackett-Preis ausgezeichnet worden.

Der mit 2000 Euro dotierte Preis ist vom Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) ins Leben gerufen worden. Der Vorsitzende des DNEbM, Prof. Dr. Edmund Neugebauer, überreichte die Auszeichnung im Rahmen der 9. Jahrestagung des Netzwerkes.

Die Tagung ist Teil des Kongresses "EbM 2008: Evidenzbasierte Primärversorgung und Pflege", der noch bis morgen an der Universität Witten/Herdecke stattfindet.

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Unter evidenzbasierter Medizin (EbM) versteht man die systematische Auswertung wissenschaftlicher Erkenntnisse und deren Umsetzung in alltagsrelevante Empfehlungen, um die Qualität der medizinischen Versorgung zu steigern. David Sackett, nach dem der Preis benannt worden ist, gilt als Pionier der EbM, die vom angloamerikanischen Raum ausgehend mittlerweile weltweit praktiziert wird. Der heute in Kanada lebende Sackett gründete 1967 das erste Institut für klinische Epidemiologie in Kanada an der McMaster Universität und später das Oxford Centre for Evidence-based Medicine. Er ist Initiator und Mitherausgeber des Journals Evidence-Based Medicine, Autor von mehr als 60 Lehrbüchern und -artikeln, zudem Begründer der Fortbildungskurse für EbM an der Universität Oxford.

Die eingegangenen Bewerbungen um den David-Sackett-Preis setzten sich aus unterschiedlichsten Gebieten der EbM zusammen. Deshalb entschied sich die Jury - bestehend aus dem erweiterten Vorstand des DNEbM - dafür, neben dem eigentlichen Preis auch einen Förderpreis zu vergeben.

Den David-Sackett-Preis 2008 erhielt Dr. Erik von Elm stellvertretend für die STROBE-Group (STROBE = Strengthening the Reporting of Observational Studies in Epidemiology) und ihre "Guidelines for Reporting Observational Studies". Die internationale STROBE-Gruppe hat eine Checkliste mit 22 Punkten ausgearbeitet, die von Studiendesign und -methoden bis zum Umgang mit quantitativen Variablen reicht. Die STROBE-Checkliste wendet sich in erster Linie an Autoren, Zeitschriften-Herausgeber und -gutachter. Sie soll eine Hilfestellung sein, um sicherzugehen, dass Publikationen gewisse inhaltliche Mindestanforderungen erfüllen. Erik von Elm ist Mitarbeiter der Universität Bern, Institut für Sozial- und Präventivmedizin (ISPM) und des Deutschen Cochrane Zentrums, Universität Freiburg.

Der Förderpreis ging an Günther Egidi für seine Arbeit "Die Top 6 der Arzneiverordnungen - ein interaktives evidenzbasiertes Fortbildungs-Modul zur Arzneitherapie für Hausärzte". Der niedergelassener Arzt für Allgemeinmedizin in Bremen entwickelte eine Fortbildung, die Studien-Evidenz zu versorgungsrelevanten Therapiefragen in einer Form aufbereitet und präsentiert, die auf die Bedürfnisse von Hausärzten zugeschnitten ist. In dem Fortbildungsmodul geht es primär darum, das von Hausärzten erlebte Spannungsfeld zwischen Leitlinienempfehlungen und Budgetanforderungen mit evidenzbasierten Werkzeugen zu lösen.

Veranstalter des Kongresses "EbM 2008" sind neben dem DNEbM die Deutsche Gesellschaft für Pflegewissenschaft (DGP), die Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) und das Aktionsbündnis Patientensicherheit. Die Umsetzung evidenzbasierter Erkenntnisse in die praktische Patientenversorgung ist ein Hauptthema der Tagung mit ihren rund 60 Vorträgen, Workshops und großen Plenarveranstaltungen. Neben der Frage, auf welchen Wegen das Wissen am besten zu Ärzten und Pflegenden gelangt, geht es auch um die Einbeziehung der Patienten. "Wir wollen, dass sich Patienten und Ärzte möglichst auf Augenhöhe begegnen", betont Prof.

Neugebauer, Vorsitzender des DNEbM, das im März sein 10-jähriges Bestehen feiern wird.

Evidenzbasierte Medizin hat auch die Aufgabe, verständliche und transparente Informationen für die Patienten bereitzustellen. Die Betroffenen sollen in die Lage versetzt werden, die Chancen und Risiken von Behandlungen besser einzuschätzen, um eine individuelle Abwägung treffen zu können. "Bei einem Verkehrsunfall wird der Notarzt die Diskussion mit dem Unfallopfer - wenn sie denn überhaupt möglich ist - natürlich auf ein Minimum beschränken", erläutert PD Dr. Martin Butzlaff, Dekan der Fakultät für Medizin der gastgebenden Universität Witten/Herdecke. "Aber schon die Frage, ob einem moribunden Krebspatienten die Lebensqualität oder die Lebensdauer wichtiger ist, wenn beispielsweise eine Chemotherapie in Betracht kommt, kann nur individuell und unter Berücksichtigung hochwertiger, wissenschaftlicher Informationen getroffen werden."

Der Bereich Patienteninformationen soll weiter ausgebaut werden. Eigene Informationen und Hinweise auf weitere verlässliche und unabhängige Angebote publiziert das DNEbM auf seinen Internetseiten.
Recherchemöglichkeiten bietet auch die Universität Witten/Herdecke unter:
http://www.patientenleitlinien.de.
Weitere Informationen:
Dipl.Soz.Päd. Marga Cox, DNEbM, 030/4005-2500, kontakt@ebm-netzwerk.de Bernd Frye, Universität Witten/Herdecke, 02302/926-808, bernd.frye@uni-wh.de Anke Kettermann, lokale Kongress-Organisation, 02302/926-741, anke.kettermann@uni-wh.de http://www.ebm-netzwerk.de/, http://www.EbM-Kongress.de

Bernd Frye | Universität Witten/Herdecke
Weitere Informationen:
http://www.uni-wh.de
http://www.EbM-Kongress.de
http://www.ebm-netzwerk.de

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