Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Auszeichnungen und Ausgezeichnetes auf der Chemiedozententagung

24.02.2010
Zehn Nominierungen gab es für den Carl-Duisberg-Gedächtnispreis 2010. Eine fünfköpfige Jury votierte Ende letzten Jahres einstimmig für Professor Dr. Sebastian Schlücker, Universität Osnabrück.

Der Vorstand der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) folgte diesem Vorschlag, so dass nun, am 9. März 2010 anlässlich der Chemiedozententagung in Gießen, der Preis verliehen werden kann. Der zweite Auszuzeichnende an diesem Tag ist Professor Dr. Georg Schwedt, Bonn, Emeritus der TU Clausthal.

Er wurde unter sieben Kandidaten für den Preis der GDCh für Journalisten und Schriftsteller ausgewählt. Die Preisverleihung findet im Rahmen einer Festsitzung statt, die von der Vizepräsidentin der GDCh, Professor Dr. Barbara Albert, TU Darmstadt, eröffnet wird. Den Festvortrag hält Professor Dr. Herbert Waldmann, Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie, Dortmund, Carl-Duisberg-Preisträger 1992, über Biologie-orientierte Synthesen.

Der Chemiker Sebastian Schlücker, der sich Ende 2006 im Alter von 33 Jahren in Physikalischer Chemie an der Fakultät für Chemie und Pharmazie der Universität Würzburg habilitiert hat, erhielt 2008 einen Ruf auf eine W2-Professur für Experimentalphysik an der Universität Osnabrück. Seine dortige Arbeitsgruppe zur Biophotonik ist multidisziplinär angelegt. Den Preis erhält er für seine innovativen und wegweisenden Beiträge zur Bioanalytik und Nanodiagnostik mittels oberflächenverstärkter Raman-Streuung (SERS, surface-enhanced Raman scattering). Die SERS-Mikrospektroskopie könnte schon bald in der Medizin eine wichtige Rolle spielen.

Die Nanodiagnostik, also der Einsatz von Nanomaterialien für diagnostische Zwecke, ist ein junges Arbeitsgebiet im Grenzbereich zwischen Chemie, Physik und Biologie. Auf der Oberfläche von Edelmetallnanopartikeln werden einmolekulare Schichten von organischen Molekülen adsorbiert und mit einer schützenden Hülle versehen. Mit diesem Markierungsreagenz können Biomoleküle, beispielsweise tumorrelevante Zielproteine, nach Laseranregung Raman-spektroskopisch nachgewiesen werden. Aufsehen erregte Schlückers Publikation über eine neue Generation signifikant verbesserter SERS-Marker im vergangenen Jahr in der Angewandten Chemie, der weltweit führenden, von der GDCh herausgegebenen Chemie-Zeitschrift. 2007 hatte Schlücker, ebenfalls in der Angewandten Chemie, erstmals die SERS-Mikrospektroskopie zum ultrasensitiven Nachweis von an Festphasen gebundenen Peptiden beschrieben. Auch diese Arbeit wird große Bedeutung erlangen, weil die Festphasen-Synthese in der Chemie eine gängige Methode ist.

Die Verleihung des Preises der GDCh für Journalisten und Schriftsteller an den Chemiker und Lebensmittelchemiker Georg Schwedt kann man als Ehrung für ein Lebenswerk auffassen, auch wenn der 66jährige dieses sicher noch lange nicht abgeschlossen hat. Kontinuierlich und unermüdlich erweitert er seine schon jetzt immense Zahl an Buchveröffentlichung zu nahezu allen Gebieten der Chemie - und darüber hinaus, wie sein im vergangenen Jahr erschienenes Buch "Goethe - Der Manager" zeigt.

Angefangen hat es mit Publikationen zur Analytischen Chemie; denn auf diesem Gebiet, in dem er sich 1978 habilitierte, war er als Forscher und Hochschullehrer zunächst vor allem zuhause. Sein "Taschenatlas der Analytik" wurde ins Englische, Französische, Japanische, Chinesische und Neugriechische übersetzt. Aber das nur am Rande; denn die Auszeichnung gilt dem "Öffentlichkeitsarbeiter", dem Buchautor und Vortragenden, der die Chemie einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat und weiterhin machen will. So publizierte er u.a. beim Weinheimer Verlag Wiley-VCH Titel wie "Experimente mit Supermarktprodukten" (und lässt es auch einmal in Buchhandlungen brodeln und zischen), "Wenn das Gelbe vom Ei blau macht" (in dem er Sprüche mit versteckter Chemie erläutert) oder "Betörende Düfte, sinnliche Aromen" (in dem des um unsere Nase und berühmte Parfüms mit viel Kultur- und Wissenschaftsgeschichte geht). In Zeitschriften wie der Chemie in unserer Zeit ist er gern gesehener Autor mit Themen zur Geschichte der Chemie, zu denen er ebenfalls zahlreiche Buchpublikationen beitrug. Seine Experimentalvorträge "Highlights aus der Alltagschemie" haben ihn nicht erst im Jahr der Chemie 2003 berühmt gemacht: Er ist ein sehr gefragter Vortragender, wenn Schüler, Lehrer und andere Chemie-Interessierte von Hochschulen oder anderen Institutionen zu öffentlichen Experimentalvorträgen eingeladen werden. Zudem hat er das Clausthaler Schülerlabor SuperLab begründet und die ExperimentierKüche im Deutschen Museum Bonn angeregt.

Barbara Albert wird es in ihrer Begrüßungsansprache auf der GDCh-Festsitzung nicht unerwähnt lassen, wie wichtig das Engagement eines jeden Chemikers für die Vermittlung von Chemie an die Öffentlichkeit ist. Da die Chemiedozententagung sich in besondere Weise an den Forschernachwuchs richtet, wird sie jedoch vor allem über die Frage sprechen, was deutsche Universitäten zu einem besonders attraktiven Arbeitsplatz für begabte junge Chemiker und Chemikerinnen macht, und warum es - auch für die breite Öffentlichkeit - so wichtig ist, dass Forschung und Erkenntnisgewinn weiterhin reizvolle Lebensinhalte und -ziele von jungen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern sind. Woraus resultieren die international anerkannte, außerordentlich hohe Qualität deutscher Studienabgänger und das nahezu flächendeckend überdurchschnittliche Niveau der Forschung an deutschen Universitäten? Sind diese Merkmale unserer Hochschullandschaft die Folge der konsequenten, langjährigen Umsetzung Humboldtscher Bildungsideale, wie zum Beispiel weitgehende Autonomie der Universitäten, Einheit von Forschung und Lehre und ganzheitlicher Bildungsanspruch, oder versprechen gesellschaftliche und politische Steuerungsimpulse wie neue Exzellenz- und Studienprogramme bessere Absolventen und Forschungsleistungen?

Vor 18 Jahren hat Herbert Waldmann den bei Nachwuchswissenschaftlern so begehrten Carl-Duisberg-Gedächtnispreis der GDCh entgegennehmen können. Heute zählt er zu den international herausragenden Forschern auf dem Gebiet der Chemischen Biologie. Die Internet-Seite, auf der Waldmann seine Forschungsarbeiten vorstellt, ist ein gelungenes Beispiel guter Öffentlichkeitsarbeit: Leicht verständlich erläutert er, was man unter Biologie-orientierter Synthese zu verstehen hat, das Thema seines Vortrags in Gießen. Waldmann ist auf der Suche nach neuen Wirkstoffen für die Medizin und nimmt sich dafür Naturstoffe zum Vorbild. Aber diese Stoffe liefern nur die Basisstruktur, auf der Wissenschaftler auf der Suche nach intelligenten Lösungen für medizinische Probleme aufbauen können. Um dies genauer erläutern zu können, wird Waldmann in Gießen auf die Fachsprache der Chemiker zugreifen müssen und von den dort anwesenden Zuhörern sicher auch verstanden werden.

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) gehört mit annähernd 29.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie vergibt zahlreiche angesehene Preise, so seit 1981 den Preis der GDCh für Journalisten und Schriftsteller. Mit dem Carl-Duisberg-Gedächtnispreis wird die Erinnerung an einen der bedeutendsten Industriechemiker wach gehalten. Der Preis wurde nach Duisbergs Tod 1935 von der IG Farbenindustrie beim Verein Deutscher Chemiker, eine der beiden Vorgängerorganisationen der GDCh, zur Förderung des akademischen Nachwuchses eingerichtet.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Förderungen Preise:

nachricht Wie ein infizierter Knochen besser heilt
16.10.2019 | Klinikum der Ruhr-Universität Bochum - Berufsgenossenschaftliches Universitätsklinikum Bergmannsheil GmbH

nachricht Sensorschleuse Argus von dormakaba mit ICONIC Award 2019 ausgezeichnet
15.10.2019 | dormakaba Deutschland GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Förderungen Preise >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Die schnellste Ameise der Welt - Wüstenflitzer haben kurze Beine, aber eine perfekte Koordination

Silberameisen gelten als schnellste Ameisen der Welt - obwohl ihre Beine verhältnismäßig kurz sind. Daher haben Forschende der Universität Ulm den besonderen Laufstil dieses "Wüstenflitzers" auf einer Ameisen-Rennstrecke ergründet. Veröffentlicht wurde diese Entdeckung jüngst im „Journal of Experimental Biology“.

Sie geht auf Nahrungssuche, wenn andere Siesta halten: Die saharische Silberameise macht vor allem in der Mittagshitze der Sahara und in den Wüsten der...

Im Focus: Fraunhofer FHR zeigt kontaktlose, zerstörungsfreie Qualitätskontrolle von Kunststoffprodukten auf der K 2019

Auf der K 2019, der Weltleitmesse für die Kunststoff- und Kautschukindustrie vom 16.-23. Oktober in Düsseldorf, demonstriert das Fraunhofer-Institut für Hochfrequenzphysik und Radartechnik FHR das breite Anwendungsspektrum des von ihm entwickelten Millimeterwellen-Scanners SAMMI® im Kunststoffbereich. Im Rahmen des Messeauftritts führen die Wissenschaftler die vielseitigen Möglichkeiten der Millimeterwellentechnologie zur kontaktlosen, zerstörungsfreien Prüfung von Kunststoffprodukten vor.

Millimeterwellen sind in der Lage, nicht leitende, sogenannte dielektrische Materialien zu durchdringen. Damit eigen sie sich in besonderem Maße zum Einsatz in...

Im Focus: Solving the mystery of quantum light in thin layers

A very special kind of light is emitted by tungsten diselenide layers. The reason for this has been unclear. Now an explanation has been found at TU Wien (Vienna)

It is an exotic phenomenon that nobody was able to explain for years: when energy is supplied to a thin layer of the material tungsten diselenide, it begins to...

Im Focus: Rätsel gelöst: Das Quantenleuchten dünner Schichten

Eine ganz spezielle Art von Licht wird von Wolfram-Diselenid-Schichten ausgesandt. Warum das so ist, war bisher unklar. An der TU Wien wurde nun eine Erklärung gefunden.

Es ist ein merkwürdiges Phänomen, das jahrelang niemand erklären konnte: Wenn man einer dünnen Schicht des Materials Wolfram-Diselenid Energie zuführt, dann...

Im Focus: Wie sich Reibung bei topologischen Isolatoren kontrollieren lässt

Topologische Isolatoren sind neuartige Materialien, die elektrischen Strom an der Oberfläche leiten, sich im Innern aber wie Isolatoren verhalten. Wie sie auf Reibung reagieren, haben Physiker der Universität Basel und der Technischen Universität Istanbul nun erstmals untersucht. Ihr Experiment zeigt, dass die durch Reibung erzeugt Wärme deutlich geringer ausfällt als in herkömmlichen Materialien. Dafür verantwortlich ist ein neuartiger Quantenmechanismus, berichten die Forscher in der Fachzeitschrift «Nature Materials».

Dank ihren einzigartigen elektrischen Eigenschaften versprechen topologische Isolatoren zahlreiche Neuerungen in der Elektronik- und Computerindustrie, aber...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

VR-/AR-Technologien aus der Nische holen

18.10.2019 | Veranstaltungen

Ein Marktplatz zur digitalen Transformation

18.10.2019 | Veranstaltungen

Wenn der Mensch auf Künstliche Intelligenz trifft

17.10.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Volle Wertschöpfungskette in der Mikrosystemtechnik – vom Chip bis zum Prototyp

18.10.2019 | Physik Astronomie

Innovative Datenanalyse von Fraunhofer Austria

18.10.2019 | Informationstechnologie

Das Rezept für eine Fruchtfliege

18.10.2019 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics