Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung zu virtuellen Welten, digitalem Fernsehen und Finanzplanung auf CeBIT 2009

25.02.2009
Eine breite Palette an Forschungsthemen bietet auch in diesem Jahr wieder der saarländische Forschungsstand (Halle 9, Stand B 43) auf der CeBIT 2009 vom 3. bis 8. März 2009 in Hannover.

Verschiedene Informatik-Lehrstühle der Universität des Saarlandes, das Informatik-Exzellenzcluster "Multimodal Computing and Interaction", die Saarbrücker Graduiertenschule für Informatik und das Max-Planck-Institut für Informatik präsentieren sich gemeinsam am Forschungsstand, der von der Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer (KWT) der Universität des Saarlandes organisiert und vom saarländischen Ministerium für Wirtschaft und Wissenschaft finanziell unterstützt wird.

Viele Gebäude werden heute nicht mehr am Reißbrett entworfen, sondern mit Hilfe von Konstruktionsprogrammen am Computer. Was dort bisher fehlt, ist eine realistische interaktive Darstellung der Häuser in ihrer zukünftigen Umgebung. Saarbrücker Informatiker um Prof. Dr. Philipp Slusallek haben jetzt eine Visualisierungstechnik entwickelt, mit der Architekten komplexe Modelle von Gebäuden perfekt in die Landschaft einpassen können. Die Wissenschaftler der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) werden die neue Technologie als interaktives 3D-Kino auf der CeBIT 2009 präsentieren.

Wenn neue Medikamente entwickelt oder biochemische Prozesse untersucht werden, müssen sich Forscher die Formen und Strukturen der Moleküle vorstellen können. Bioinformatiker in Saarbrücken und Tübingen haben dafür die frei verfügbare Software BALLView entwickelt, die es Nutzern ermöglicht, am Bildschirm Moleküle zu betrachten und zu bearbeiten. Jetzt können damit komplexe Moleküle auch mit Licht, Schatten und Spiegelungen auf interaktive Weise dargestellt werden. Auf der CeBIT 2009 können Messebesucher an einer 3D-Leinwand in die Welt der Wirkstoff-Moleküle, DNA und Viren eintauchen.

Wer sich in komplexen virtuellen Welten frei bewegen will, brauchte bisher einen Computer mit sehr hoher Rechenleistung. Informatiker der Universität des Saarlandes und des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) um Prof. Dr. Philipp Slusallek entwickeln derzeit ein Verfahren, das so genannte Server-based Rendering, bei dem Bilder von komplexen dreidimensionalen Szenen auf vielen leistungsstarken Servern im Netz in Echtzeit berechnet werden. Der Nutzer verbindet sich über einen normalen Web-Browser mit dem Server und kann sich dann auch von einem ganz einfachen PC ohne leistungsstarke Graphikkarte interaktiv in der virtuellen Welt bewegen.

Die "Digital Living Network Alliance (DLNA)", ein Zusammenschluss führender Hersteller von Multimedia-Geräten, will die drahtlose und unkomplizierte Vernetzung ganz verschiedener Geräte im heimischen Umfeld ermöglichen. Bisher wurde dabei jedoch weitgehend vernachlässigt, wie man das digitale Fernsehen in das heimische Netzwerk einbindet. Das Team von Thorsten Herfet, Professor für Nachrichtentechnik der Universität des Saarlandes, hat dafür eine neue Software-Architektur entwickelt, mit der digitales Fernsehen auch drahtlos übertragen werden kann. Die Wissenschaftler demonstrieren außerdem, wie man Live-Bilder aus einem fahrenden Auto auf die heimischen Computer bringen kann. Dafür wird Erdgas-Autofahrer Rainer Zietlow am 4. März auf seiner 80-Tage-Tournee durch Deutschland vor der CeBIT-Forschungshalle (Halle 9) Station machen und die Videotechnik im Auto vorführen.

Ein Computerprogramm sollte erst in den Handel kommen, wenn es ausreichend getestet wurde. Doch wie weiß man, ob dies auch der Fall ist? Forscher der Universität des Saarlandes um Softwaretechnik-Professor Andreas Zeller haben ein Prüfverfahren entwickelt, das automatisch künstliche Fehler in ein Programm einstreut. Findet der übliche Software-Test des Herstellers diese Veränderungen nicht, würde er auch echte Fehler im Programm verpassen. Dann müsste der Test auf jeden Fall nachgebessert werden. Mit dem Javalanche-System ist jetzt auch das Prüfen großer Java-Programme möglich.

Wer an der Börse Erfolg haben will, muss Aktien zu geringen Preisen kaufen und möglichst teuer wieder verkaufen. Wissenschaftler der Universität des Saarlandes haben jetzt die AlgoTrade-Software entwickelt, mit der man seine eigene Börsenstrategie analysieren und verbessern kann. Mit wissenschaftlichen Methoden werden verschiedene Handelsszenarien anhand historischer Daten simuliert. Erweist sich dabei eine Strategie als besonders vielversprechend, kann diese über ein integriertes Handelssystem für Wertpapiere direkt an einer Börse angewendet werden. Damit jeder für sich die richtige Vorsorge treffen kann, haben Mitarbeiter des Lehrstuhls für Informations- und Technologiemanagement außerdem die komplexe Beratungssoftware Life Charts entwickelt.

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken und der Universität Tübingen forschen daran, wie man große digitale Datenbestände von 3-D-Scannern sinnvoll strukturiert und interaktiv nutzen kann. Am Beispiel der 3-D-Daten von Hannover zeigen die Wissenschaftler aus dem Team von Michael Wand, der im Saarbrücker Exzellenzcluster "Multimodal Computing and Interaction" eine Nachwuchsgruppe leitet, wie die Software automatisch fehlerhafte Daten des Architektur-Scanning ausgleichen kann.

Das Forschungsprojekt Verisoft XT, das Wissenschaftler am saarländischen Forschungsstand erläutern, wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) von 2007 bis 2010 mit rund 12 Millionen Euro gefördert. Das Ziel von Verisoft XT ist es, ein Qualitätssiegel "Verified in Germany" zu erarbeiten und die Verifikation auf existierende Industrieprojekte anzuwenden. Für diese soll der mathematische und maschinell überprüfte Beweis erbracht werden, dass die betrachteten Computersysteme im Entwurf null Fehler enthalten. An dem Informatik-Projekt unter Leitung von Prof. Dr. Wolfgang Paul (Universität des Saarlandes) sind mehrere Universitäten, Forschungsinstitute und Unternehmen beteiligt. In industriellen Anwendungsszenarien werden derzeit der Hypervisor von Microsoft, ein Automotive Mikrocontroller von Infinion und PikeOS, ein Mikrokernel für Embedded Systems der Firma SYSGO, verifiziert.

Ergänzt werden die Projekte der Universität des Saarlandes durch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), das am Nachbarstand der Universität ausstellt und an weiteren Messeständen vertreten ist. Am Wochenende werden Studenten und Wissenschaftler die jugendlichen Besucher ausführlich über die verschiedenen Informatik-Studienfächer der Universität des Saarlandes informieren. Dabei wirbt auch die Saarbrücker Graduiertenschule für Informatik für ihre internationalen Promotions-Studiengänge. In Halle 6 (Stand B 38/1) präsentiert außerdem die "Virtuelle Saar Universität" (CC VISU) unter Leitung von Dr. Christoph Igel verschiedene E-Learning-Entwicklungen aus mehr als 75 Projekten der Universität - in Vorträgen und erstmals auch am eigenen Messestand.

Fragen beantworten Ihnen:
Uta Merkle
Kontaktstelle für Wissens- und Technologietransfer (KWT) der UdS
Tel.: (0681) 302-2656
Fax: (0681) 302-4270
E-Mail: kwt@rz.uni-saarland.de
Friederike Meyer zu Tittingdorf
Kompetenzzentrum Informatik der Universität des Saarlandes
Tel. 0681/302-58099
Tel. 0511/8959-7075 (Standtelefon CeBIT)
E-Mail: presse@cs.uni-sb.de

Gerhild Sieber | idw
Weitere Informationen:
http://www.informatik-saarland.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie CeBIT 2009:

nachricht Hybrid-Scanner ordnet Dokumente nach Chaos-Prinzip
09.03.2009 | Xamance

nachricht Schüler sollen Lehrern per Handy sofort Rückmeldung geben können
09.03.2009 | Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik (HPI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: CeBIT 2009 >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

In einer experimentell-theoretischen Gemeinschaftsarbeit hat am Heidelberger MPI für Kernphysik ein internationales Physiker-Team erstmals eine Orbitalkreuzung im hochgeladenen Ion Pr9+ nachgewiesen. Mittels einer Elektronenstrahl-Ionenfalle haben sie optische Spektren aufgenommen und anhand von Atomstrukturrechnungen analysiert. Ein hierfür erwarteter Übergang von nHz-Breite wurde identifiziert und seine Energie mit hoher Präzision bestimmt. Die Theorie sagt für diese „Uhrenlinie“ eine sehr große Empfindlichkeit auf neue Physik und zugleich eine extrem geringe Anfälligkeit gegenüber externen Störungen voraus, was sie zu einem einzigartigen Kandidaten zukünftiger Präzisionsstudien macht.

Laserspektroskopie neutraler Atome und einfach geladener Ionen hat während der vergangenen Jahrzehnte Dank einer Serie technologischer Fortschritte eine...

Im Focus: Highly charged ion paves the way towards new physics

In a joint experimental and theoretical work performed at the Heidelberg Max Planck Institute for Nuclear Physics, an international team of physicists detected for the first time an orbital crossing in the highly charged ion Pr⁹⁺. Optical spectra were recorded employing an electron beam ion trap and analysed with the aid of atomic structure calculations. A proposed nHz-wide transition has been identified and its energy was determined with high precision. Theory predicts a very high sensitivity to new physics and extremely low susceptibility to external perturbations for this “clock line” making it a unique candidate for proposed precision studies.

Laser spectroscopy of neutral atoms and singly charged ions has reached astonishing precision by merit of a chain of technological advances during the past...

Im Focus: Ultrafast stimulated emission microscopy of single nanocrystals in Science

The ability to investigate the dynamics of single particle at the nano-scale and femtosecond level remained an unfathomed dream for years. It was not until the dawn of the 21st century that nanotechnology and femtoscience gradually merged together and the first ultrafast microscopy of individual quantum dots (QDs) and molecules was accomplished.

Ultrafast microscopy studies entirely rely on detecting nanoparticles or single molecules with luminescence techniques, which require efficient emitters to...

Im Focus: Wie Graphen-Nanostrukturen magnetisch werden

Graphen, eine zweidimensionale Struktur aus Kohlenstoff, ist ein Material mit hervorragenden mechanischen, elektronischen und optischen Eigenschaften. Doch für magnetische Anwendungen schien es bislang nicht nutzbar. Forschern der Empa ist es gemeinsam mit internationalen Partnern nun gelungen, ein in den 1970er Jahren vorhergesagtes Molekül zu synthetisieren, welches beweist, dass Graphen-Nanostrukturen in ganz bestimmten Formen magnetische Eigenschaften aufweisen, die künftige spintronische Anwendungen erlauben könnten. Die Ergebnisse sind eben im renommierten Fachmagazin Nature Nanotechnology erschienen.

Graphen-Nanostrukturen (auch Nanographene genannt) können, je nach Form und Ausrichtung der Ränder, ganz unterschiedliche Eigenschaften besitzen - zum Beispiel...

Im Focus: How to induce magnetism in graphene

Graphene, a two-dimensional structure made of carbon, is a material with excellent mechanical, electronic and optical properties. However, it did not seem suitable for magnetic applications. Together with international partners, Empa researchers have now succeeded in synthesizing a unique nanographene predicted in the 1970s, which conclusively demonstrates that carbon in very specific forms has magnetic properties that could permit future spintronic applications. The results have just been published in the renowned journal Nature Nanotechnology.

Depending on the shape and orientation of their edges, graphene nanostructures (also known as nanographenes) can have very different properties – for example,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Analyse internationaler Finanzmärkte

10.12.2019 | Veranstaltungen

QURATOR 2020 – weltweit erste Konferenz für Kuratierungstechnologien

04.12.2019 | Veranstaltungen

Die Zukunft der Arbeit

03.12.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Hochgeladenes Ion bahnt den Weg zu neuer Physik

11.12.2019 | Physik Astronomie

Grönlands Eispanzer schrumpft immer schneller – Geodäten der TUD werten Satellitendaten für internationale Studie aus

11.12.2019 | Geowissenschaften

Sensoraufkleber überwacht Lebensmittelproduktion

11.12.2019 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics