Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Vision und Mission der Polymerchemiker - Smart Polymers: intelligent und faszinierend

27.09.2012
Polymere sind heute nicht einfach nur große Moleküle. Sie sind oft auch „smart“, im Deutschen häufig mit „intelligent“ übersetzt.
Über Smart Polymers diskutiert vom 7. bis 9. Oktober 2012 die Fachgruppe Makromolekulare Chemie der Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh) erstmals gemeinsam mit ihrer Partnerorganisation aus den Niederlanden an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Gleich zwei Höhepunkte gibt es zu Tagungsbeginn: Die Verleihung des Reimund-Stadler-Preises an Dr. Andreas Walther, Aachen, und den Abendvortrag von Professor Dr. Rolf Mülhaupt, Freiburg.

Das Deutsche Wollforschungsinstitut in Aachen hat eine lange Tradition und existiert als „DWI an der RWTH Aachen e.V.“ bis heute. Dahinter verbirgt sich das „Institute for Interactive Materials Research“, über dessen „Vision und Mission“ es auf der Homepage heißt: „Nach dem Vorbild der Natur sollen sich interaktive Materialien in ihren Eigenschaften durch Wechselwirkung mit der Umgebung sowie über interne Feedbackmechanismen und die Ausnutzung von Gedächtniseigenschaften aktiv verändern und den jeweiligen Erfordernissen anpassen.“ Andreas Walther hat auf diesem Arbeitsgebiet hervorragende wissenschaftliche Leistungen erbracht.
Mit dem Reimund-Stadler-Preis werden das Design und die Darstellung hierarchisch strukturierter und funktionaler biomimetischer Nanokompositmaterialien durch skalierbare Selbstorganisation in Wasser gewürdigt. Hierarchisch strukturierte Selbstorganisation spielt bei dem Entstehen natürlicher Materialien wie Perlmutt, Holz oder Seide eine große Rolle. Um diese exzellenten leichten, stabilen und widerstandsfähigen Materialien herzustellen, fügt die Natur „harte Bausteine“ – anorganische Substanzen, Proteinkristalle, kristalline Polysaccharide – und „weiche Bausteine“ – organische Substanzen, Biopolymere – über hierarchische Selbstorganisation perfekt zusammen. Dies will man von der Natur abschauen und nutzt dazu auch natürliche Nanofibrillen aus Cellulose oder Chitin. Bionanomaterialien konnten erfolgreich eingesetzt werden, um Fasern mit interessanten Eigenschaften herzustellen. Perlmuttähnliche Materialien lassen sich für neuartige umweltverträgliche Beschichtungen nutzen.

Auf Basis etlicher Forschungserfolge in jüngster Zeit sind den Visionen der Polymerchemiker kaum noch Grenzen zu setzen. Rolf Mülhaupt wird seine Zuhörer mit Hilfe smarter Materialien in die wunderbare Welt der modernen nachhaltigen Architektur entführen. Er ist überzeugt, dass es gelingt, Gebäude zu errichten, die Menschen mit Sauerstoff, sauberem Wasser und ausreichend Energie – auf die Jahreszeit abgestimmt – versorgen. Die Gebäude werden ein gesundes Wohnklima schaffen, den Verbrauch an Energie und Wasser auf intelligente Weise niedrig halten, Abfallmanagement betreiben und durch geringe Emissionen zum Klima- und Umweltschutz beitragen. Ohne neuartige multifunktionale Materialien und Systeme würde dies nicht möglich werden. Solche Materialien bezeichnet man als „Self-X Materials“; denn sie sind beispielsweise selbstverstärkend, selbstreinigend, selbstreparierend oder selbstaggregierend. Sie sind anpassungs- und lernfähig, reagieren auf Reize und binden multifunktionale Mikrosysteme mit ein. Man will also quasi künstliche Häute, die wie in der Natur wasser- und energiedurchlässig sind, und auch neuartige andere Beschichtungen unterschiedlicher Funktionalität schaffen. Dazu zählen in der nachhaltigen Architektur die wichtigen Eigenschaften wie, auf Schwingungen reagieren zu können oder den Schall zu dämmen. Ferner sollen die Wände „atmen“ und das Gebäude energieautark sein. Smarte Beleuchtungssysteme sollen u.a. dazu beitragen.

Bei der Tagung „Smart Polymers“ werden in 23 wissenschaftlichen Vorträgen und an mehr als 40 Postern von namhaften Arbeitsgruppen aktuelle Arbeiten zu intelligenten Polymeren mit adaptiven Eigenschaften vorgestellt. In vielen dieser Vorträge zeigt sich, dass sich die Wissenschaftler von der Natur inspirieren lassen. So gelangt man von feinfaserigen biologischen Geweben zu „soft materials“ wie Hydrogelen, die Stellbewegungen ermöglichen oder als Messfühler agieren können. Die Polymerforscher arbeiten an flüssigkristallinen Polymernetzen und an nanoporösen Strukturen, an wässrigen polymeren Mikrogelen, die auf magnetische Felder reagieren, an mechanisch ausgelösten Selbstheilungsprozessen der Materialien und an lichtemittierenden Polymeren, um nur einige Stichworte zu nennen. Zu den Höhepunkten zählen die Vorträge von Professor Dr. Eugenia Kumacheva, University of Toronto, und Professor Dr. Christoph Weder, Adolphe Merkle Institute, Universität Fribourg, die als namhafte internationale Redner einladen wurden.

Polymerforschung war schon immer Grundlagen- und Anwendungsforschung in einem – jetzt auf allerhöchstem und anspruchsvollstem Forschungsniveau.

Weitere Informationen: www.gdch.de/makro2012

Die Gesellschaft Deutscher Chemiker gehört mit über 30.000 Mitgliedern zu den größten chemiewissenschaftlichen Gesellschaften weltweit. Sie hat 27 Fachgruppen und Sektionen, darunter die Fachgruppe Makromolekulare Chemie mit über 1.200 Mitgliedern. Die Fachgruppe wurde vor 62 Jahren gegründet. Sie vereinigt Wissenschaftler aus Hochschulen, Forschungsinstituten und der Industrie, und zwar aus allen Bereichen der Polymerchemie und -physik von den Funktionswerkstoffen, den technischen Kunststoffen, über Biopolymere und Biomaterialien bis hin zu nanoskaligen Polymersystemen für die Medizin, Elektronik oder Optik.

Dr. Renate Hoer | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/makro2012

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen
20.07.2018 | Universitätsklinikum Heidelberg

nachricht Erwiesen: Mücken können tropisches Chikungunya-Virus auch bei niedrigen Temperaturen verbreiten
20.07.2018 | Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Future electronic components to be printed like newspapers

A new manufacturing technique uses a process similar to newspaper printing to form smoother and more flexible metals for making ultrafast electronic devices.

The low-cost process, developed by Purdue University researchers, combines tools already used in industry for manufacturing metals on a large scale, but uses...

Im Focus: Rostocker Forscher entwickeln autonom fahrende Kräne

Industriepartner kommen aus sechs Ländern

Autonom fahrende, intelligente Kräne und Hebezeuge – dieser Ingenieurs-Traum könnte in den nächsten drei Jahren zur Wirklichkeit werden. Forscher aus dem...

Im Focus: Superscharfe Bilder von der neuen Adaptiven Optik des VLT

Das Very Large Telescope (VLT) der ESO hat das erste Licht mit einem neuen Modus Adaptiver Optik erreicht, die als Lasertomografie bezeichnet wird – und hat in diesem Rahmen bemerkenswert scharfe Testbilder vom Planeten Neptun, von Sternhaufen und anderen Objekten aufgenommen. Das bahnbrechende MUSE-Instrument kann ab sofort im sogenannten Narrow-Field-Modus mit dem adaptiven Optikmodul GALACSI diese neue Technik nutzen, um Turbulenzen in verschiedenen Höhen in der Erdatmosphäre zu korrigieren. Damit ist jetzt möglich, Bilder vom Erdboden im sichtbaren Licht aufzunehmen, die schärfer sind als die des NASA/ESA Hubble-Weltraumteleskops. Die Kombination aus exquisiter Bildschärfe und den spektroskopischen Fähigkeiten von MUSE wird es den Astronomen ermöglichen, die Eigenschaften astronomischer Objekte viel detaillierter als bisher zu untersuchen.

Das MUSE-Instrument (kurz für Multi Unit Spectroscopic Explorer) am Very Large Telescope (VLT) der ESO arbeitet mit einer adaptiven Optikeinheit namens GALACSI. Dabei kommt auch die Laser Guide Stars Facility, kurz ...

Im Focus: Diamant – ein unverzichtbarer Werkstoff der Fusionstechnologie

Forscher am KIT entwickeln Fenstereinheiten mit Diamantscheiben für Fusionsreaktoren – Neue Scheibe mit Rekorddurchmesser von 180 Millimetern

Klimafreundliche und fast unbegrenzte Energie aus dem Fusionskraftwerk – für dieses Ziel kooperieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler weltweit. Bislang...

Im Focus: Wiener Forscher finden vollkommen neues Konzept zur Messung von Quantenverschränkung

Quantenphysiker/innen der ÖAW entwickelten eine neuartige Methode für den Nachweis von hochdimensional verschränkten Quantensystemen. Diese ermöglicht mehr Effizienz, Sicherheit und eine weitaus geringere Fehleranfälligkeit gegenüber bisher gängigen Mess-Methoden, wie die Forscher/innen nun im Fachmagazin „Nature Physics“ berichten.

Die Vision einer vollständig abhörsicheren Übertragung von Information rückt dank der Verschränkung von Quantenteilchen immer mehr in Reichweite. Wird eine...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Stadtklima verbessern, Energiemix optimieren, sauberes Trinkwasser bereitstellen

19.07.2018 | Veranstaltungen

Innovation – the name of the game

18.07.2018 | Veranstaltungen

Wie geht es unserer Ostsee? Ein aktueller Zustandsbericht

17.07.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Neue Anwendungen für Mikrolaser in der Quanten-Nanophotonik

20.07.2018 | Physik Astronomie

Need for speed: Warum Malaria-Parasiten schneller sind als die menschlichen Abwehrzellen

20.07.2018 | Biowissenschaften Chemie

Die Gene sind nicht schuld

20.07.2018 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics