Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Steuerbare Proteinschleusen machen künstliche Nanobläschen bei Bedarf durchlässig

09.10.2015

Forschern der Universität Basel ist es gelungen, Proteinschleusen für künstliche Nanobläschen zu konstruieren, die nur unter bestimmten Bedingungen durchlässig werden – sie öffnen sich bei einem sauren pH-Wert. Dadurch wird eine Reaktionskette in Gang gesetzt und Wirkstoffe können am gewünschten Ort freigesetzt werden. Dies zeigt eine Studie im Journal «Nano Letters».

Winzige Nanobläschen können Wirkstoffe schützen, bis sie am Zielort im Körper angekommen sind. Um dort eine chemische Reaktion auszulösen und den Inhalt freizugeben, muss die Hülle der synthetisch hergestellten Bläschen zum richtigen Zeitpunkt durchlässig werden.


Nanobläschen mit geschlossenen Proteinschleusen (rot).

Universität Basel

Forscher des Swiss Nanoscience Institutes Institutes und des NCCR Molecular Systems Engineering um Prof. Cornelia Palivan haben nun eine Schleuse für die Membranen entwickelt, die sich bei Bedarf öffnet. So werden die Enzyme im Innern einer Nanokapsel genau unter den richtigen Bedingungen aktiv und wirken unmittelbar am erkrankten Gewebe.

Reaktion auf pH-Veränderungen

Die Schranke besteht aus dem chemisch veränderten Membranprotein OmpF, das auf bestimmte pH-Werte reagiert. Beim neutralen Wert im menschlichen Körper ist die Membran undurchlässig – trifft sie aber auf einen sauren pH-Bereich, öffnet sich die Proteinschleuse und Stoffe aus der Umgebung können in die Nanokapsel eintreten.

Es kommt zu einer Reaktion von Kapselinhalt und eingetretendem Substrat. Das Produkt dieser Reaktion wird anschliessend durch die geöffnete Schleuse freigegeben. Dieses Vorgehen könnte zum Beispiel bei entzündetem oder krebsbefallenem Gewebe zur Anwendung kommen, da diese oftmals einen leicht sauren pH-Wert aufweisen.

Bisher wurden für die Durchlässigkeit von Nanobläschen natürliche Proteine verwendet, die wie Poren in der Schutzmembran funktionierten, durch die das Substrat und das Produkt der Enzymreaktion ein- und austreten konnten. In Bereichen wie der Medizin oder der kontrollierten Katalyse braucht es aber eine präzisere Ausschüttung, um eine möglichst grosse Effizienz des Wirkstoffs zu erreichen.

In Zusammenarbeit mit Prof. Wolfang Meiers Team gelang es den Chemikern um Prof. Palivan erstmals, ein chemisch verändertes Membranprotein in eine künstlich hergestellte Nanokapsel zu integrieren, die sich nur bei bestimmten pH-Werten öffnet.

Die Experimente sind Teil des Nationalen Forschungsschwerpunkts Molecular Systems Engineering sowie des Swiss Nanoscience Institutes (SNI) an der Universität Basel.

Originalbeitrag
T. Einfalt, R. Goers, I.A. Dinu, A. Najer, M. Spulber, O. Onaca-Fischer, C. G. Palivan
Stimuli-triggered activity of nanoreactors by biomimetic engineering polymer membranes
Nano Letters ¦ doi: 10.1021/acs.nanolett.5b03386

Weitere Auskünfte
Tomaz Einfalt, Universität Basel, Departement Chemie, Swiss Nanoscience Institute, Tel. +41 61 26 7 38 37 E-Mail: tomaz.einfalt@unibas.ch

Weitere Informationen:

https://www.unibas.ch/de/Aktuell/News/Uni-Research/Steuerbare-Proteinschleusen-m...

Reto Caluori | Universität Basel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics