Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Stärkt die Abwehrkräfte“ und „Hilft beim Wachsen“: Wer prüft solche Aussagen?

08.06.2010
Angaben darüber, wie beispielsweise ein Schokoriegel auf die Gesundheit wirkt, müssen wissenschaftlich belegt sein: Die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde verlangt vom Hersteller entsprechende Nachweise. Die „Nachrichten aus der Chemie“ zeigen anhand von Beispielen, welche Angaben die Behörde zugelassen hat und welche bei der Prüfung durchgefallen sind. Doch selbst wenn ein Zusammenhang zwischen Lebensmittel und Wirkung belegt ist, sind solche Hinweise problematisch.

„Health claim“ ist der englische Begriff für gesundheitsbezogene Aussagen auf Lebensmitteln oder Nahrungsergänzungsmitteln. Beispielsweise sollen Streichfette mit Phytosterolen den Cholesterinspiegel senken und so das Risiko für koronare Herzkrankheiten senken. Ersteres stimmt tatsächlich, meint die europäische Lebensmittelsicherheitsbehörde Efsa. Allerdings gibt es keine Studien, welche die zweite Behauptung belegen.

Daher darf die Angabe auf Streichfetten nur lauten: „Phytosterole senken nachweislich den Blutcholesterinspiegel. Niedrige Cholesterinspiegel senken nachweislich das Risiko für die Entwicklung koronarer Herzkrankheiten.“ In keiner Weise belegen ließ sich dagegen die Aussage, dass Kinderschokolade „hilft zu wachsen“. Diese Angabe darf der Hersteller daher nicht auf die Verpackung drucken.

Wenn eine Prüfung negativ ausfällt, heißt das nicht unbedingt, dass eine Wirkung nicht existiert: Oft weisen die Studien lediglich Mängel auf oder liefern widersprüchliche Ergebnisse. Besteht ein Health claim die Prüfung, ist ebenso nicht gesagt, dass das entsprechende Nahrungsergänzungsmittel ein wertvoller Bestandteil der Ernährung ist. Nahrungsergänzungsmittel und Lebensmittel unterliegen keiner Zulassung, daher bewertet die Efsa zwar die Wirkung, aber nicht immer die Sicherheit einer Zutat. Die Substanz kann unbekannte Nebenwirkungen erzeugen oder mit Medikamenten wechselwirken. Für Phytosterole gibt es beispielsweise eine maximale Tagesdosis, außerdem sollten Kinder und Schwangere diese Substanzen nicht zu sich nehmen.

Die Lebensmittelchemiker Leane Lehmann und Harald Esch geben in den „Nachrichten aus der Chemie“ einen Überblick über die Bewertung von Health claims für Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmitteln. Sie erklären, wie die Behörde solche Angaben prüft, und zeigen, warum der Verbraucher ein Health claim immer auch mit Vorsicht betrachten sollte. Die PDF-Datei des Beitrags gibt es bei der Redaktion der „Nachrichten aus der Chemie“ unter nachrichten@gdch.de.

Nahezu 80.000 anspruchsvolle Chemiker und Chemikerinnen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Lehre informieren sich mit den „Nachrichten aus der Chemie" über Entwicklungen in der Chemie, in angrenzenden Wissenschaften sowie über gesellschaftliche und wirtschaftliche Aspekte. Kennzeichen der Zeitschrift der Gesellschaft Deutscher Chemiker sind das breite Spektrum der Berichte, das einmalige Informationsangebot an Personalien, Veranstaltungs- und Fortbildungsterminen sowie der große Stellenmarkt.

Dr. Ernst Guggolz | GDCh
Weitere Informationen:
http://www.gdch.de/nachrichten
http://www.gdch.de/taetigkeiten/nch/jg2010/h03_10.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Einblick in die dunkle Materie des Genoms
20.11.2019 | Max-Planck-Institut für molekulare Genetik

nachricht Neuer Weg entdeckt, um Killerzellen «umzuprogrammieren»
19.11.2019 | Universität Bern

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

Konventionelle Lichtmikroskope können Strukturen nicht mehr abbilden, wenn diese einen Abstand haben, der kleiner als etwa die Lichtwellenlänge ist. Mit „Super-resolution Microscopy“, entwickelt seit den 80er Jahren, kann man diese Einschränkung jedoch umgehen, indem fluoreszierende Materialien eingesetzt werden. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Polymerforschung haben nun entdeckt, dass aus Graphen bestehende Nano-Moleküle genutzt werden können, um diese Mikroskopie-Technik zu verbessern. Diese Nano-Moleküle bieten eine Reihe essentieller Vorteile gegenüber den bisher verwendeten Materialien, die die Mikroskopie-Technik noch vielfältiger einsetzbar machen.

Mikroskopie ist eine wichtige Untersuchungsmethode in der Physik, Biologie, Medizin und vielen anderen Wissenschaften. Sie hat jedoch einen Nachteil: Ihre...

Im Focus: Small particles, big effects: How graphene nanoparticles improve the resolution of microscopes

Conventional light microscopes cannot distinguish structures when they are separated by a distance smaller than, roughly, the wavelength of light. Superresolution microscopy, developed since the 1980s, lifts this limitation, using fluorescent moieties. Scientists at the Max Planck Institute for Polymer Research have now discovered that graphene nano-molecules can be used to improve this microscopy technique. These graphene nano-molecules offer a number of substantial advantages over the materials previously used, making superresolution microscopy even more versatile.

Microscopy is an important investigation method, in physics, biology, medicine, and many other sciences. However, it has one disadvantage: its resolution is...

Im Focus: Mit künstlicher Intelligenz zum besseren Holzprodukt

Der Empa-Wissenschaftler Mark Schubert und sein Team nutzen die vielfältigen Möglichkeiten des maschinellen Lernens für holztechnische Anwendungen. Zusammen mit Swiss Wood Solutions entwickelt Schubert eine digitale Holzauswahl- und Verarbeitungsstrategie unter Verwendung künstlicher Intelligenz.

Holz ist ein Naturprodukt und ein Leichtbauwerkstoff mit exzellenten physikalischen Eigenschaften und daher ein ausgezeichnetes Konstruktionsmaterial – etwa...

Im Focus: Eine Fernsteuerung für alles Kleine

Atome, Moleküle oder sogar lebende Zellen lassen sich mit Lichtstrahlen manipulieren. An der TU Wien entwickelte man eine Methode, die solche „optischen Pinzetten“ revolutionieren soll.

Sie erinnern ein bisschen an den „Traktorstrahl“ aus Star Trek: Spezielle Lichtstrahlen werden heute dafür verwendet, Moleküle oder kleine biologische Partikel...

Im Focus: Atome hüpfen nicht gerne Seil

Nanooptische Fallen sind ein vielversprechender Baustein für Quantentechnologien. Forscher aus Österreich und Deutschland haben nun ein wichtiges Hindernis für deren praktischen Einsatz aus dem Weg geräumt. Sie konnten zeigen, dass eine besondere Form von mechanischen Vibrationen gefangene Teilchen in kürzester Zeit aufheizt und aus der Falle stößt.

Mit der Kontrolle einzelner Atome können Quanteneigenschaften erforscht und für technologische Anwendungen nutzbar gemacht werden. Seit rund zehn Jahren...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage 2020: „Mach es einfach!“

18.11.2019 | Veranstaltungen

Humanoide Roboter in Aktion erleben

18.11.2019 | Veranstaltungen

1. Internationale Konferenz zu Agrophotovoltaik im August 2020

15.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Kleine Teilchen, große Wirkung: Wie Nanoteilchen aus Graphen die Auflösung von Mikroskopen verbessern

20.11.2019 | Materialwissenschaften

Eisberge als Nährstoffquelle - Führt der Klimawandel zu mehr Eisendüngung im Ozean?

20.11.2019 | Geowissenschaften

Gehen verändert das Sehen

20.11.2019 | Medizin Gesundheit

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics