Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuer Mechanismus bei der Virenabwehr entdeckt

28.09.2010
Interferon macht das spezifische Immunsystem gegen Viren mobil

Greift ein Virus unseren Organismus an, reagiert unser Immunsystem schnell und effizient. Es schüttet innerhalb von Stunden den Botenstoff Typ I Interferon aus, der über das Serum in den gesamten Körper gelangt. Er dockt über Rezeptoren an die Oberfläche von Zellen an und aktiviert damit ein anti-Viren-Notprogramm. Erst Tage später – wenn schon gar kein Interferon mehr in der Blutbahn kursiert – übernehmen Virus-spezifische Immunzellen die Abwehr. Diese spezialisierten Zellen sind T- und B-Zellen.

Die Frage, die sich Wissenschaftler am TWINCORE in Hannover gestellt haben: Beeinflusst Interferon, das nach zwei Tagen schon nicht mehr im Blut nachweisbar ist, die spezifischen T-Killerzellen, die erst Tage später ihre Arbeit aufnehmen? Um die Antwort kurz vorweg zu nehmen: Ja, ohne Interferonreaktion bildet das Immunsystem bei bestimmten Erregern kaum spezifische Abwehrzellen aus.

Was auf den ersten Blick sehr theoretisch klingt, stellt auf den zweiten Blick die bestehenden Impfkonzepte auf den Prüfstand, denn bei der Entwicklung von Impfstoffen spielte Interferon bislang kaum eine Rolle.

„Wir haben für unsere Untersuchungen einen veränderten Pockenstamm verwendet, das so genannte ‚Modifizierte Vakziniavirus Ankara’ (MVA)“, erklärt die Wissenschaftlerin Theresa Frenz. Er löst eine starke Interferon-Reaktion aus, hat im Vergleich zum klassischen Vakziniavirus-Impfstoff praktisch keine Nebenwirkungen und kann sich in Menschen und Mäusen nicht vermehren. „Wir konnten zeigen, dass gentechnisch veränderte Mäuse, die kein Interferon wahrnehmen können, kaum auf den MVA-Impfstoff reagieren“, sagt Theresa Frenz. „Interferon wirkt nach einer MVA-Impfung offenbar direkt auf T-Killerzellen und auch auf Dendritische Zellen, die die T-Zellen aktivieren.“ Beides ist nötig, damit das Immunsystem erfolgreich gegen Viren sein kann – und vor allem, damit es sich an diese Viren erinnern kann, um den nächsten Angriff schnell und effektiv zu unterdrücken: Das Prinzip von Impfstoffen.

Zusätzlich haben die Wissenschaftler die Mechanismen studiert, die Interferon in T-Zellen und Dendritischen Zellen auslösen. Das Ergebnis ist verblüffend: Die T-Zellen benötigen kein Interferon, um ihre Erstaktivierung auszulösen – diese Entscheidung übernehmen offenbar die Dentritischen Zellen. Aber ohne Interferon sterben die T-Zellen deutlich schneller ab. „Das ist deswegen so erstaunlich, weil das Interferon im Prinzip schon gar nicht mehr vorhanden ist, wenn die T-Zellen auf eine Infektion reagieren“, betont Professor Ulrich Kalinke, Leiter des Instituts für Experimentelle Infektionsforschung am TWINCORE. „Dennoch hat es Einfluss auf deren Lebensdauer.“ Und die Lebensdauer der T-Zellen kann entscheidend für das Erinnerungsvermögen des Immunsystems – und damit für die Wirkdauer einer Impfung sein. „Die Konsequenz ist: Der Entwicklungsweg für neue Impfstoffe muss damit grundsätzlich überdacht werden und Interferon muss in die Impfstoffforschung einbezogen werden“, sagt Ulrich Kalinke.

Frenz T, Waibler Z, Hofmann J, Hamdorf M, Lantermann M, Reizis B, Tovey5 MG, Aichele P, Sutter G, Kalinke U (2010) Concomitant IFNAR-triggering of T cells and of DC is required to promote maximal MVA-induced T-Cell expansion.

Eur J Immunol 40(10): 269-2777.

Ansprechpartnerin:
Theresa Frenz, theresa.frenz(at)twincore.de
Tel: +49 (0)511-220027-111

Dr. Jo Schilling | idw
Weitere Informationen:
http://www.twincore.de

Weitere Berichte zu: Immunsystem Impfstoff Interferon T-Killerzellen T-Zelle TWINCORE Virenabwehr Virus

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics