Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Erkenntnisse für die Brustkrebsbehandlung mit Antiöstrogenen

15.02.2010
Für die Therapie von Brustkrebs hat sich der Einsatz von Antiöstrogenen wie dem Wirkstoff Tamoxifen als sehr erfolgreich erwiesen.

Bei rund 30 Prozent der Patientinnen kommt es jedoch nach einer Langzeitbehandlung zu Rückfällen. Einen wesentlichen Mechanismus, der hinter dieser nachlassenden Wirksamkeit steht, konnte nun eine Arbeitsgruppe des Dr. Margarete Fischer-Bosch-Instituts für Klinische Pharmakologie am Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zellbiologie und Immunologie der Universität Stuttgart zeigen.

Die Erkenntnisse bilden die Basis für die Modifikation bestehender antiöstrogener Medikamente oder die Entwicklung eines neuen Medikaments, das der nachlassenden Wirkung der eingesetzten Antiöstrogene vorbeugt.

Östrogene, die natürlich im Körper gebildet werden, können das Wachstum von Tumoren fördern, wenn deren Gewebe bestimmte Bindungsstellen (Rezeptoren) für Hormone aufweist. Durch den Einsatz von Antiöstrogenen wird diese wachstumsfördernde Wirkung unterdrückt. Unterstützend wirkt dabei der natürliche Schutzmechanismus des Immunsystems, das einen Tumor erkennt und abtötet.

Immunhemmendes Protein identifziert
"Ein Grund für das erhöhte Rückfallrisiko nach einer langjährigen antiöstrogenen Behandlung liegt offensichtlich darin, dass die natürliche Immunantwort des Körpers lokal in der Tumorumgebung gehemmt wird", erläutert Prof. Dr. Cornelius Knabbe, Chefarzt der Abteilung für Labormedizin am RBK und Leiter der Arbeitsgruppe, der gemeinsam mit Prof. Dr. Klaus Pfizenmaier von der Universität Stuttgart das Forschungsprojekt betreut. "Verantwortlich für diese Hemmung ist der Transformierende Wachstumsfaktor Beta (TGF-?), ein Protein, das die Brustkrebszellen bei andauerndem Einsatz von Antiöstrogenen vermehrt produzieren."

TGF-ß wirkt immunsuppressiv, so dass die Zellteilung zwar teilweise weiterhin gehemmt wird, der Tumor aber nicht mehr vom Immunsystem bekämpft werden kann und erneut wächst. Dieser Effekt trägt zum Therapieversagen nach langfristiger Anwendung bei.

Perspektiven
"Der nächste Schritt wird sein, nach einem geeigneten Wirkstoff zu suchen, der diesem Mechanismus entgegenwirkt", so Chefarzt Prof. Knabbe. "Vorstellbar ist, das seit bereits mehr als 30 Jahren erfolgreich eingesetzte antiöstrogene Mittel Tamoxifen so zu modifizieren, dass es die Immunantwort des Körpers zusätzlich stimuliert. Ein anderer Weg wäre, ein zusätzliches Medikament zu entwickeln, das simultan zur Wirkung des Tamoxifen das Protein TGF-ß in seiner immunsuppressiven Wirkung neutralisiert."

Die Ergebnisse der Arbeitsgruppe wurden erstmalig am 9. Februar 2010 als Titelthema in der Zeitschrift Cancer Research publiziert:

Antiestrogens Induce Transforming Growth Factor ß-Mediated Immunosuppression in Breast Cancer

Christian M. Joffroy, Miriam B. Buck, Matthias B. Stope, Simone E. Popp, Klaus Pfizenmaier and Cornelius Knabbe; Cancer Res; 70(4), 1314-1322, February 15, 2010

Ursula Zitzler | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-stuttgart.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Der Türsteher im Gehirn
06.08.2020 | Institute of Science and Technology Austria

nachricht Peptide: Forschungs-Erfolg mit den kleinen Geschwistern der Proteine
06.08.2020 | Hochschule Coburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

Eine entscheidende Ergänzung zum Stanzen von Kontakten erarbeiteten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT. Die Aachener haben im Rahmen des EFRE-Forschungsprojekts ScanCut zusammen mit Industriepartnern aus Nordrhein-Westfalen ein hybrides Fertigungsverfahren zum Laserschneiden von dünnwandigen Metallbändern entwickelt, wodurch auch winzige Details von Kontaktteilen umweltfreundlich, hochpräzise und effizient gefertigt werden können.

Sie sind unscheinbar und winzig, trotzdem steht und fällt der Einsatz eines modernen Fahrzeugs mit ihnen: Die Rede ist von mehreren Tausend Steckverbindern im...

Im Focus: ScanCut project completed: laser cutting enables more intricate plug connector designs

Scientists at the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT have come up with a striking new addition to contact stamping technologies in the ERDF research project ScanCut. In collaboration with industry partners from North Rhine-Westphalia, the Aachen-based team of researchers developed a hybrid manufacturing process for the laser cutting of thin-walled metal strips. This new process makes it possible to fabricate even the tiniest details of contact parts in an eco-friendly, high-precision and efficient manner.

Plug connectors are tiny and, at first glance, unremarkable – yet modern vehicles would be unable to function without them. Several thousand plug connectors...

Im Focus: Elektrogesponnene Vliese mit gerichteten Fasern für die Sehnen- und Bänderrekostruktion

Sportunfälle und der demografische Wandel sorgen für eine gesteigerte Nachfrage an neuen Möglichkeiten zur Regeneration von Bändern und Sehnen. Eine Kooperation aus italienischen und deutschen Wissenschaftler*innen forschen gemeinsam an neuen Materialien, um dieser Nachfrage gerecht zu werden.

Dem Team ist es gelungen elektrogesponnene Vliese mit hochgerichteten Fasern zu generieren, die eine geeignete Basis für Ersatzmaterialien für Sehnen und...

Im Focus: New Strategy Against Osteoporosis

An international research team has found a new approach that may be able to reduce bone loss in osteoporosis and maintain bone health.

Osteoporosis is the most common age-related bone disease which affects hundreds of millions of individuals worldwide. It is estimated that one in three women...

Im Focus: Neue Strategie gegen Osteoporose

Ein internationales Forschungsteam hat einen neuen Ansatzpunkt gefunden, über den man möglicherweise den Knochenabbau bei Osteoporose verringern und die Knochengesundheit erhalten kann.

Die Osteoporose ist die häufigste altersbedingte Knochenkrankheit. Weltweit sind hunderte Millionen Menschen davon betroffen. Es wird geschätzt, dass eine von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Innovationstage 2020 – digital

06.08.2020 | Veranstaltungen

Innovationen der Luftfracht: 5. Air Cargo Conference real und digital

04.08.2020 | Veranstaltungen

T-Shirts aus Holz, Möbel aus Popcorn – wie nachwachsende Rohstoffe fossile Ressourcen ersetzen können

30.07.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Der Türsteher im Gehirn

06.08.2020 | Biowissenschaften Chemie

Kognitive Energiesysteme: Neues Kompetenzzentrum sucht Partner aus Wissenschaft und Wirtschaft

06.08.2020 | Energie und Elektrotechnik

Projektabschluss ScanCut: Filigranere Steckverbinder dank Laserschneiden

06.08.2020 | Verfahrenstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics