Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Möglicher neuer Ansatz gegen Krebs im Frühstadium entdeckt

25.05.2012
Zellen nutzen zur Kommunikation untereinander eine ganze Reihe an Proteinen. Darunter auch ein Zelloberflächenprotein, das in bestimmten Fällen die Entstehung von Krebs fördert, wie Berner Zellbiologen herausgefunden haben.
Schaltet man es aus, wird dadurch auch Krebs gehemmt oder gar verhindert. Da dieses Protein bereits in den ersten sich teilenden Krebszellen vorhanden ist, versprechen diese Ergebnisse völlig neue Ansätze zur Krebsbekämpfung in einem sehr frühen Stadium.

Prof. Eduardo Moreno und sein Team vom Institut für Zellbiologie der Universität Bern erforschen normalerweise, wie Gewebe-Zellen untereinander kommunizieren. Dabei haben sie einen Mechanismus entdeckt, der bei der Krebsbekämpfung helfen könnte: Sie identifizierten einen «Oberflächencode», mit welchem Zellen ständig ihre Fitness im Vergleich zum ganzen Zellverband ermitteln. Zeigen diese Oberflächenproteine über längere Zeit an, dass ein Mitglied schwächlich ist, wird diese Zelle zum Aufgeben – zum Zelltod – gezwungen und eine Nachbarzelle teilt sich, um deren Raum auszufüllen.
Dieser Mechanismus sichert normalerweise eine optimale Zusammensetzung der Gewebe, kann aber von Krebszellen auf gefährliche Art missbraucht werden: Solche Krebszellen signalisieren nämlich auch gesunden Zellen, dass sie ihnen an Fitness weit überlegen sind, was deren Absterben bewirkt und Platz für die schnell wachsenden Krebszellen schafft.

Das bestimmte Protein, das die Krebszellen dafür missbrauchen, heisst «Flower». Nun haben die Forschenden herausgefunden, dass das Flower-Protein auch gegen die Krebszellen eingesetzt werden kann: «Es markiert diese nämlich beim Einsatz von chemischen Substanzen farblich anders als die gesunden Zellen – und dies bereits in einem sehr frühen Stadium, wenn sich die Krebszellen erst zu teilen beginnen», sagt Eduardo Moreno. Das Protein könnte damit zweifach zur Krebsbekämpfung eingesetzt werden: Sowohl als Marker zur Früherkennung von Krebszellen, als auch als «Zielscheibe» für Arzneimittel, die es unterdrücken und dadurch die weitere Ausbreitung des Krebses verhindern können. Die Studie dazu wurde im Journal «Disease Models & Mechanisms» veröffentlicht.

Protein kann doppelt genutzt werden
Die Forschergruppe konnte zeigen, dass zwanzig Prozent der Mäuse, deren Produktion des Flower-Proteins unterdrückt wurde, gar nicht an Hautkrebs erkranken – und bei den restlichen Mäusen schreitet der Prozess nur sehr langsam fort. Eduardo Moreno betont, dass diese Resultate nicht nur vielversprechend sind, weil die Krebsentwicklung durch die Ausschaltung des Proteins stark gebremst wurde, sondern auch, weil die Mäuse, denen das Gen für die Produktion des Flower-Proteins fehlt, keine Defekte zeigten – obwohl ihnen dieses Zellwettbewerb-Protein fehlt.
«Das Flower-Protein bietet deshalb ideale Voraussetzungen, um einen therapeutischen Ansatz zu entwickeln», sagt Moreno, der 2011 mit dem «Josef-Steiner Preis für Krebsforschung» ausgezeichnet wurde. «Mit Antikörpern gegen das Flower-Protein könnte demnach die Krebsentwicklung gehemmt werden», so Moreno weiter.

Zusätzlich kann das Protein eingesetzt werden, um Hautkrebs im Entstehungsstadium zu erkennen. Unter bestimmten Bedingungen markiert es Krebszellen, noch während diese sich im «normalen» Zellwettbewerb teilen – also noch bevor sie zu wuchern beginnen.
Wie Dr. Christa Rhiner vom Institut für Zellbiologie erläutert, gibt es heute für diese frühe Etappe der Krebsentwicklung noch keine diagnostischen Möglichkeiten: «Der anfängliche Prozess, in dem gesunde Zellen von krebsartigen über das Flower-Protein verdrängt werden, ist ‹von Auge› nicht erkennbar, da die Krebszellen auf Kosten der normalen Zellen wachsen.» Sichtbar werden sie erst in einem fortgeschrittenen Stadium: Kleine Tumore, die später von der Pathologin oder vom Pathologen erkannt werden, bestehen dann meist schon aus Millionen von kanzerogenen Zellen.

Quellenangabe: Evgeniya Petrova, Jesús M. López-Gay, Christa Rhiner and Eduardo Moreno: Flower-deficient mice have reduced susceptibility to skin papilloma formation, Disease Models & Mechanisms, Advance Online Articles. Published 23 February 2012, doi: 10.1242/dmm.008623

Nathalie Matter | Universität Bern
Weitere Informationen:
http://www.kommunikation.unibe.ch/content/medien/medienmitteilungen/news/2012/flowerprotein/
http://www.izb.unibe.ch/content/index_eng.html
http://intl-dmm.biologists.org/content/early/2012/03/08/dmm.008623.abstract

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Zika und Gelbfieber: Impfstoffe ohne Ei
21.09.2018 | Max-Planck-Institut für Dynamik komplexer technischer Systeme Magdeburg

nachricht Einbahnstraße für das Salz
21.09.2018 | Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wie Magnetismus entsteht: Elektronen stärker verbunden als gedacht

Wieso sind manche Metalle magnetisch? Diese einfache Frage ist wissenschaftlich gar nicht so leicht fundiert zu beantworten. Das zeigt eine aktuelle Arbeit von Wissenschaftlern des Forschungszentrums Jülich und der Universität Halle. Den Forschern ist es zum ersten Mal gelungen, in einem magnetischen Material, in diesem Fall Kobalt, die Wechselwirkung zwischen einzelnen Elektronen sichtbar zu machen, die letztlich zur Ausbildung der magnetischen Eigenschaften führt. Damit sind erstmals genaue Einblicke in den elektronischen Ursprung des Magnetismus möglich, die vorher nur auf theoretischem Weg zugänglich waren.

Für ihre Untersuchung nutzten die Forscher ein spezielles Elektronenmikroskop, das das Forschungszentrum Jülich am Elettra-Speicherring im italienischen Triest...

Im Focus: Erstmals gemessen: Wie lange dauert ein Quantensprung?

Mit Hilfe ausgeklügelter Experimente und Berechnungen der TU Wien ist es erstmals gelungen, die Dauer des berühmten photoelektrischen Effekts zu messen.

Es war eines der entscheidenden Experimente für die Quantenphysik: Wenn Licht auf bestimmte Materialien fällt, werden Elektronen aus der Oberfläche...

Im Focus: Scientists present new observations to understand the phase transition in quantum chromodynamics

The building blocks of matter in our universe were formed in the first 10 microseconds of its existence, according to the currently accepted scientific picture. After the Big Bang about 13.7 billion years ago, matter consisted mainly of quarks and gluons, two types of elementary particles whose interactions are governed by quantum chromodynamics (QCD), the theory of strong interaction. In the early universe, these particles moved (nearly) freely in a quark-gluon plasma.

This is a joint press release of University Muenster and Heidelberg as well as the GSI Helmholtzzentrum für Schwerionenforschung in Darmstadt.

Then, in a phase transition, they combined and formed hadrons, among them the building blocks of atomic nuclei, protons and neutrons. In the current issue of...

Im Focus: Der Truck der Zukunft

Lastkraftwagen (Lkw) sind für den Gütertransport auch in den kommenden Jahrzehnten unverzichtbar. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der Technischen Universität München (TUM) und ihre Partner haben ein Konzept für den Truck der Zukunft erarbeitet. Dazu zählen die europaweite Zulassung für Lang-Lkw, der Diesel-Hybrid-Antrieb und eine multifunktionale Fahrerkabine.

Laut der Prognose des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur wird der Lkw-Güterverkehr bis 2030 im Vergleich zu 2010 um 39 Prozent steigen....

Im Focus: Extrem klein und schnell: Laser zündet heißes Plasma

Feuert man Lichtpulse aus einer extrem starken Laseranlage auf Materialproben, reißt das elektrische Feld des Lichts die Elektronen von den Atomkernen ab. Für Sekundenbruchteile entsteht ein Plasma. Dabei koppeln die Elektronen mit dem Laserlicht und erreichen beinahe Lichtgeschwindigkeit. Beim Herausfliegen aus der Materialprobe ziehen sie die Atomrümpfe (Ionen) hinter sich her. Um diesen komplexen Beschleunigungsprozess experimentell untersuchen zu können, haben Forscher aus dem Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) eine neuartige Diagnostik für innovative laserbasierte Teilchenbeschleuniger entwickelt. Ihre Ergebnisse erscheinen jetzt in der Fachzeitschrift „Physical Review X“.

„Unser Ziel ist ein ultrakompakter Beschleuniger für die Ionentherapie, also die Krebsbestrahlung mit geladenen Teilchen“, so der Physiker Dr. Thomas Kluge vom...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

4. BF21-Jahrestagung „Car Data – Telematik – Mobilität – Fahrerassistenzsysteme – Autonomes Fahren – eCall – Connected Car“

21.09.2018 | Veranstaltungen

Forum Additive Fertigung: So gelingt der Einstieg in den 3D-Druck

21.09.2018 | Veranstaltungen

12. BusinessForum21-Kongress „Aktives Schadenmanagement"

20.09.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

ISO-27001-Zertifikat für die GFOS mbH und die GFOS Technologieberatung GmbH

21.09.2018 | Unternehmensmeldung

Kundenindividuelle Steckverbinder online konfigurieren und bestellen

21.09.2018 | Energie und Elektrotechnik

Tiefseebergbau: Forschung zu Risiken und ökologischen Folgen geht weiter

21.09.2018 | Geowissenschaften

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics