Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Männchen oder Weibchen?

22.09.2015

Gesunde Weibchen sollten mehr Männchen zur Welt bringen, behauptet eine evolutionsbiologische Theorie. Eine vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Studie, zeigt warum dies manchmal nicht stimmt.

Ob es ein Mädchen gibt oder einen Jungen, entscheidet nach allgemeiner Meinung der Zufall. Und doch bringen beispielsweise im Job gestresste Mütter mehr Mädchen als Jungen zur Welt, wie eine vor einigen Jahren erschienene Untersuchung gezeigt hat.

Solche Verschiebungen im Geschlechterverhältnis des Nachwuchses in Abhängigkeit der mütterlichen Verfassung kennen Evolutionsbiologen auch von verschiedenen Tierarten. Die einflussreiche Trivers-Willard-Hypothese erklärt die beobachteten Ungleichgewichte mit natürlicher Selektion.

Starke Männchen, starke Fortpflanzung

Die Hypothese besagt, dass es für Mütter von Vorteil ist, wenn sie das Geschlecht ihres Nachwuchses je nach ihrem eigenen Gesundheitszustand anpassen können. Demnach sollte ein Weibchen in guter Verfassung mehr männlichen Nachwuchs produzieren. Dies, weil erfolgreiche Männchen das Potenzial haben, in ihrem Leben mehr Nachwuchs zu zeugen als erfolgreiche Weibchen.

Fitte Mütter erhöhen mit dem Zeugen von starken Söhnen die Wahrscheinlichkeit, dass sich ihre Gene weit verbreiten. Umgekehrt sollten gestresste Weibchen unten in der Rangordnung eher Töchter produzieren, denn ihre Chancen einen künftig dominanten Bock zu gebären, stehen schlecht.

"So einfach ist das allerdings nicht", sagt Peter Neuhaus, ein vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützter Biologe an der Universität Calgary in Kanada. Zusammen mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Vereinigten Königreich, den USA, Frankreich und Südafrika hat er – am Beispiel eines Modells mit Daten von kolumbianischen Erdhörnchen und von kanadischen Dickhornschafen – in der Fachzeitschrift Nature gezeigt, dass eine optimale Fortpflanzung auch von einer Reihe weiterer Faktoren abhängt.

Sterben vor der Geschlechtsreife

Bei den Dickhornschafen gebären die Weibchen jährlich nur ein Junges. Die meisten Weibchen paaren sich mit dem dominanten Männchen, viele andere Männchen gehen leer aus. Weibchen in gutem Zustand vererben oft ihre Kondition – und können so erhoffen, "Supermännchen zu machen", erklärt Neuhaus.

Trotzdem bringen die fitten Weibchen nicht mehr männlichen als weiblichen Nachwuchs zur Welt. Wie das Modell zeigt, spielen weitere Parameter – etwa, dass viele Männchen noch vor Erreichen der Geschlechtsreife sterben – eine zentrale Rolle für die Beurteilung des Fortpflanzungspotenzials.

Doch was haben Schafe mit den in ihren Jobs mehr oder weniger gestressten Müttern zu tun? An der Anzahl ihrer Mädchen zweifelt niemand, aber Neuhaus rät bei Interpretationen zur Vorsicht: "Die Evolution ist sehr komplex und wer sie verstehen will, muss möglichst viele Faktoren mit einberechnen, die das Fortpflanzungspotential beeinflussen."

(*) S. Schindler, J.-M. Gaillard, A. Grüning, P. Neuhaus, L. W. Traill, S. Tuljapurkar & T. Coulson (2015). Sex-specific demography and generalisation of Trivers-Willard theory. Nature online: doi:10.1038/nature14968
(Für Medienvertreter als PDF-Datei beim SNF erhältlich: com@snf.ch)

Kontakt
Prof. Dr. Peter Neuhaus
Department of Biological Sciences
University of Calgary
Calgary, AB, T2N 1N4, Canada
Tel.: +1 403 220 8776
E-Mail: pneuhaus@ucalgary.ca
Zeitverschiebung: -8 Stunden

Dr. Susanne Schindler
Institut für Evolutionsbiologie und Umweltwissenschaften
Winterthurerstrasse 190
CH-8057 Zürich
Tel.: +41 76 295 36 85
E-Mail: susanne.schindler@zoo.ox.ac.uk

Der Text dieser Medienmitteilung steht auf der Website des Schweizerischen Nationalfonds zur Verfügung:
www.snf.ch > Fokus Forschung > Medien > Medienmitteilungen

Weitere Informationen:

http://www.snf.ch/de/fokusForschung/newsroom/Seiten/news-150921-medienmitteilung...
https://sschindlerblog.wordpress.com/2015/09/21/daughter-or-son-which-sex-to-pro... Blog von Susanne Schindle

Medien - Abteilung Kommunikation | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Hepatitis C-Viren erfolgreich ausschalten
25.03.2019 | Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Molekulares Doping
25.03.2019 | Universität Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Saxony5 und Industrie 4.0 Modellfabrik präsentieren sich auf Hannover Messe

Vom 1. bis 4. April 2019 ist die HTW Dresden mit der Industrie 4.0 Modellfabrik und dem Projekt Saxony5 auf der Hannover Messe vertreten. Am Gemeinschaftstand der sächsischen Hochschulen für angewandte Forschung (HAW) „Forschung für die Zukunft“ stellen die Dresdner Forscher aktuelle Projekte zum kollaborativen Arbeiten und deren Anwendungen in der Industrie vor.

Virtuell können die Besucher von Hannover aus auf dem Tablet ihre Züge gegen den kollaborativen Roboter YuMi, der in der Modellfabrik in Dresden steht, setzen....

Im Focus: Hochdruckwasserstrahlen zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen erprobt

Beim Fräsen hochfester Werkstoffe wie Oxidkeramik oder Sondermetalle – und besonders bei der Schruppbearbeitung – verschleißen Werkzeuge schnell. Für Unternehmen ist die Bearbeitung dieser Werkstoffe deshalb mit hohen Kosten verbunden. Im Projekt »HydroMill« hat das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnologie IPT aus Aachen mit seinen Projektpartnern nun gezeigt, dass sich der Hochdruckwasserstrahl zum flächigen Materialabtrag von hochfesten Werkstoffen eignet. War der Einsatz von Wasserstrahlen bislang auf die Schneidbearbeitung beschränkt, zeigen die Projektergebnisse, wie sich hochfeste Werkstoffe kosten- und ressourcenschonender als bisher flächig abtragen lassen.

Diese neue und zur konventionellen Schruppbearbeitung alternative Anwendung der Wasserstrahlbearbeitung untersuchten die Aachener Ingenieure gemeinsam mit...

Im Focus: Die Zähmung der Lichtschraube

Wissenschaftler vom DESY und MPSD erzeugen in Festkörpern hohe-Harmonische Lichtpulse mit geregeltem Polarisationszustand, indem sie sich die Kristallsymmetrie und attosekundenschnelle Elektronendynamik zunutze machen. Die neu etablierte Technik könnte faszinierende Anwendungen in der ultraschnellen Petahertz-Elektronik und in spektroskopischen Untersuchungen neuartiger Quantenmaterialien finden.

Der nichtlineare Prozess der Erzeugung hoher Harmonischer (HHG) in Gasen ist einer der Grundsteine der Attosekundenwissenschaft (eine Attosekunde ist ein...

Im Focus: The taming of the light screw

DESY and MPSD scientists create high-order harmonics from solids with controlled polarization states, taking advantage of both crystal symmetry and attosecond electronic dynamics. The newly demonstrated technique might find intriguing applications in petahertz electronics and for spectroscopic studies of novel quantum materials.

The nonlinear process of high-order harmonic generation (HHG) in gases is one of the cornerstones of attosecond science (an attosecond is a billionth of a...

Im Focus: Magnetische Mikroboote

Nano- und Mikrotechnologie sind nicht nur für medizinische Anwendungen wie in der Wirkstofffreisetzung vielversprechende Kandidaten, sondern auch für die Entwicklung kleiner Roboter oder flexibler integrierter Sensoren. Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts für Polymerforschung (MPI-P) haben mit einer neu entwickelten Methode magnetische Mikropartikel hergestellt, die den Weg für den Bau von Mikromotoren oder die Zielführung von Medikamenten im menschlichen Körper, wie z.B. zu einem Tumor, ebnen könnten. Die Herstellung solcher Strukturen sowie deren Bewegung kann einfach durch Magnetfelder gesteuert werden und findet daher Anwendung in einer Vielzahl von Bereichen.

Die magnetischen Eigenschaften eines Materials bestimmen, wie dieses Material auf das Vorhandensein eines Magnetfeldes reagiert. Eisenoxid ist der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größte nationale Tagung 2019 für Nuklearmedizin in Bremen

21.03.2019 | Veranstaltungen

6. Magdeburger Brand- und Explosionsschutztage vom 25. bis 26.3. 2019

21.03.2019 | Veranstaltungen

Teilchenphysik trifft Didaktik und künstliche Intelligenz in Aachen

20.03.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Innovative Werkstoffe für Rotorblätter

26.03.2019 | Förderungen Preise

Nieten, schrauben, kleben im Flugzeugbau: Smarte Mensch-Roboter-Teams meistern agile Produktion

25.03.2019 | HANNOVER MESSE

Auf der Suche nach der verschwundenen Antimaterie: Messungen mit Belle II erfolgreich gestartet

25.03.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics