Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Wissenschaftler an Entschlüsselung des Genoms von Burkitt-Lymphomen beteiligt

06.12.2012
Ein interdisziplinärer Verbund deutscher Wissenschaftler, an dem auch Forscher der Universität Leipzig beteiligt sind, hat das komplette Erbgut der Krebszellen von Burkitt-Lymphomen entschlüsselt.
Sie konnten zeigen, dass das Erbgut der Tumorzellen des Burkitt-Lymphoms an über 2.000 Stellen im Vergleich zu normalen Zellen verändert ist. Dabei entdeckten die Forscher ein Gen, das in über Zweidrittel aller Burkitt-Lymphome mutiert ist, was neue Angriffspunkte für die Diagnostik und Behandlungsstrategien dieser aggressiven Lymphome liefert.

Als Teil des Internationalen Krebs-Genom-Konsortiums haben es sich die Wissenschaftler des Verbundprojektes zum Ziel gesetzt, eine Art "Katalog der Fehler" im Erbgut von Krebszellen der Burkitt-Lymphome zu erstellen, um deren Ursachen zu entschlüsseln. Das Leipziger Institut für Medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie (IMISE) sowie das Interdisziplinäre Zentrum für Bioinformatik (IZBI) waren innerhalb des Projektes für die bioinformatorische Auswertung der DNA- und RNA-Sequenzen des Krebs-Gens verantwortlich. Die Ergebnisse wurden vor kurzem in der renommierten Fachzeitschrift "Nature Genetics" veröffentlicht.

Lymphome sind Krebserkrankungen, die sich von Zellen des Immunsystems, den Lymphozyten ableiten. Das Burkitt-Lymphom ist die häufigste Form von Lymphomen im Kindesalter, ist aber nicht darauf beschränkt. Betroffene Kinder und Jugendliche in Deutschland haben heute eine Überlebenschance von ca. 80 Prozent, wenn sie mit modernen Kombinations-Chemotherapie-Protokollen behandelt werden. Das Burkitt-Lymphom war das erste Lymphom, bei dem bereits in den 1970er Jahren eine wiederkehrende Genveränderung, die sogenannte Burkitt-Translokation, identifiziert wurde.

Dabei handelt es sich um den Austausch von Material zwischen zwei Chromosomen, den Trägern der Erbsubstanz, die zur Aktivierung des Krebsgens MYC führt. Heute ist erwiesen, dass eine solche Burkitt-Translokation in quasi allen Burkitt-Lymphomen auftritt, aber auch in anderen aggressiven Lymphomen. Außerdem reicht die Aktivierung des MYC-Gens nicht für eine Entartung von Zellen aus.

Die neuen Forschungsergebnisse des Forschungsverbundes ICGC MMML-Seq zeigen, dass offensichtlich ganz bestimmte Funktionen der Zelle gestört sein müssen, damit die Aktivierung des Krebsgens MYC zur malignen Entartung führt. In einem sehr umfassenden Ansatz haben die Wissenschaftler nicht nur die Sequenz des Erbguts von vier Burkitt-Lymphomen vollständig entschlüsselt und auf krankheitsrelevante Mutationen untersucht, sondern auch Daten über die veränderte Aktivität der Gene und ihrer Regulation erhoben.

Durch die systematischen Analysen konnten zwischen 1.957 und 5.707 Veränderungen im Erbgut der Burkitt-Lymphome im Vergleich zu normalen Zellen identifizieren werden. "Insgesamt 119 Gene wiesen proteinverändernde Mutationen auf. Die beobachteten Mutationen führten zum Teil zu Veränderungen der Aktivität und der Verarbeitung der Gene", erklären die Leipziger Bioinformatiker und Ko-Erstautoren der Studie, Dr. Steve Hoffmann (IZBI) und Markus Kreuz (IMISE). "Wir haben damit neue Einblicke in die molekulargenetischen Mechanismen gewonnen, die der Krankheitsentstehung zugrunde liegen".

In dem Forschungsverbund ICGC MMML-Seq (Analyse Molekularer Mechanismen in Malignen Lymphomen durch Sequenzierung) arbeiten Ärzte und Wissenschaftler unter anderem der Universitäten Leipzig, Berlin, Düsseldorf, Essen, Frankfurt, Gießen, Göttingen, Kiel, München, Münster, Ulm und Würzburg sowie des Deutschen Krebsforschungszentrums und des Europäischen Labors für Molekularbiologie in Heidelberg eng zusammen.

Der Forschungsverbund ist Teil des weltweiten Internationalen Krebs-Genomprojektes (International Cancer Genome Consortium, ICGC), dessen Ziel die umfassende Beschreibung von genetischen und epigenetischen Veränderungen in den 50 bedeutendsten Krebsarten ist. Die Arbeiten des ICGC MMML-Seq werden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.

Weitere Informationen im Internet unter
www.icgc-lymphome.de und www.icgc.org.

Dr. Anne-Katrin Hartinger

Weitere Informationen:
Dr. Steve Hoffmann, Ko-Erstautor der Studie
Universität Leipzig, Interdisziplinäres Zentrum für Bioinformatik
Telefon: +49 341 97-16711
E-Mail: steve@bioinf.uni-leipzig.de

Markus Kreuz, Ko-Erstautor der Studie
Telefon: +49 341 97-16276
E-Mail: markus.kreuz@imise.uni-leipzig.de

Susann Huster | Universität Leipzig
Weitere Informationen:
http://www.uni-leipzig.de
http://www.icgc-lymphome.de
http://www.icgc.org

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Veränderungen der Chiralität von Molekülen in Echtzeit beobachten
14.11.2019 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Präzise Schadstoffermittlung aus dem All
14.11.2019 | Max-Planck-Institut für Chemie

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

Wissenschaftler der Universität Würzburg und der Universität Freiburg gelang es die komplexe molekulare Struktur des bakteriellen Enzyms Cytochrom-bd-Oxidase zu entschlüsseln. Da Menschen diesen Typ der Oxidase nicht besitzen, könnte dieses Enzym ein interessantes Ziel für neuartige Antibiotika sein.

Sowohl Menschen als auch viele andere Lebewesen brauchen Sauerstoff zum Überleben. Bei der Umsetzung von Nährstoffen in Energie wird der Sauerstoff zu Wasser...

Im Focus: Neue Möglichkeiten des Additive Manufacturing erschlossen

Fraunhofer IFAM Dresden demonstriert Fertigung von Kupferbau

Am Fraunhofer-Institut für Fertigungstechnik und Angewandte Materialforschung IFAM in Dresden ist es gelungen, mittels Selektivem Elektronenstrahlschmelzen...

Im Focus: New opportunities in additive manufacturing presented

Fraunhofer IFAM Dresden demonstrates manufacturing of copper components

The Fraunhofer Institute for Manufacturing Technology and Advanced Materials IFAM in Dresden has succeeded in using Selective Electron Beam Melting (SEBM) to...

Im Focus: New Pitt research finds carbon nanotubes show a love/hate relationship with water

Carbon nanotubes (CNTs) are valuable for a wide variety of applications. Made of graphene sheets rolled into tubes 10,000 times smaller than a human hair, CNTs have an exceptional strength-to-mass ratio and excellent thermal and electrical properties. These features make them ideal for a range of applications, including supercapacitors, interconnects, adhesives, particle trapping and structural color.

New research reveals even more potential for CNTs: as a coating, they can both repel and hold water in place, a useful property for applications like printing,...

Im Focus: Magnetisches Tuning auf der Nanoskala

Magnetische Nanostrukturen maßgeschneidert herzustellen und nanomagnetische Materialeigenschaften gezielt zu beeinflussen, daran arbeiten Physiker des Helmholtz-Zentrums Dresden-Rossendorf (HZDR) gemeinsam mit Kollegen des Leibniz-Instituts für Festkörper- und Werkstoffforschung (IFW) Dresden und der Universität Glasgow. Zum Einsatz kommt ein spezielles Mikroskop am Ionenstrahlzentrum des HZDR, dessen hauchdünner Strahl aus schnellen geladenen Atomen (Ionen) periodisch angeordnete und stabile Nanomagnete in einem Probenmaterial erzeugen kann. Es dient aber auch dazu, die magnetischen Eigenschaften von Kohlenstoff-Nanoröhrchen zu optimieren.

„Materialien im Nanometerbereich magnetisch zu tunen birgt ein großes Potenzial für die Herstellung modernster elektronischer Bauteile. Für unsere magnetischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Hitzesommer, Überschwemmungen und Co. – Vor welchen Herausforderungen steht die Pflanzenzüchtung der Zukunft?

14.11.2019 | Veranstaltungen

Mediation – Konflikte konstruktiv lösen

12.11.2019 | Veranstaltungen

Hochleistungsmaterialien mit neuen Eigenschaften im Fokus von Partnern aus Wissenschaft und Wirtschaft

11.11.2019 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bauplan eines bakteriellen Kraftwerks entschlüsselt

14.11.2019 | Biowissenschaften Chemie

Eisfreie Gletscherbecken als Wasserspeicher

14.11.2019 | Geowissenschaften

Lichtimpulse mit wenigen optischen Zyklen durchbrechen die 300 W-Barriere

14.11.2019 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics