Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Leipziger Forscher kreieren borhaltiges künstliches Vitamin

28.04.2017

Chemiker der Universität Leipzig haben ein künstliches, borhaltiges Vitamin B 1 kreiert, das zum besseren Verständnis der komplexen Stoffwechselvorgänge in allen Lebewesen beitragen kann.

Wie die Zahnräder eines Uhrwerks greifen beim Stoffwechsel unzählig viele Prozesse ineinander. Um diese komplexen Zusammenhänge greifbar zu machen, haben sich die Leipziger Forschergruppen um Prof. Dr. Kirsten Zeitler vom Institut für Organische Chemie und Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins vom Institut für Anorganische Chemie zusammengeschlossen.


Ein neues Mitglied in der Familie der Organokatalysatoren: das Nest steht symbolisch für die dreidimensionale Struktur des Carborans, das als neuer Baustein im künstlichen Vitamin B1 eingesetzt wurde

Abbildung: Christoph Selg/Universität Leipzig

Sie ersetzten das natürliche, kohlenstoffhaltige Vitamin B 1 (Thiamin), das an sehr vielen Stoffwechselprozessen beteiligt ist, durch ein borhaltiges, künstlich hergestelltes Vitamin B 1 und testeten, wie es bei verschiedenen chemischen Reaktionen wirkt. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in dem Fachmagazin "Chemistry - A European Journal", für das sie auch das Titelbild gestalteten.

"Wir haben das Vitamin B 1 vereinfacht nachgebaut und partiell statt Kohlenstoff Bor verwendet. Das ist im Periodensystem der Elemente gleich nebenan", sagt der Erstautor der Veröffentlichung, Christoph Selg, vom Institut für Organische Chemie. In ihrer Studie konnten die Forscher zeigen, dass ihr "Nachwuchs" die Reaktivität des entfernten Verwandten nicht nur nachempfindet, sondern teils bei weitem übersteigt.

"Mit dem künstlichen Vitamin haben wir den Grundstein für eine komplett neue Klasse von Katalysatoren gelegt", erklärt der Chemiker. Teile des Kohlenstoffgerüsts in dem untersuchten Molekül seien durch sogenannte Carborane ersetzt worden, die aus Kohlenstoff und Bor bestehen und anders als die ausgetauschten Molekülbausteine einen dreidimensionalen Aufbau haben. Nicht zuletzt wegen ihrer speziellen Strukturen und Eigenschaften sind Carborane auch Hoffnungsträger bei der Entwicklung neuer Medikamente.

Durch die erfolgreiche Imitation des einzelnen "Zahnrads" konnten auf diese Weise wertvolle Erkenntnisse auf dem Weg zum Verständnis des gesamten "Uhrwerks" gewonnen werden. "Um aktuelle und zukünftige Probleme zielgerichtet lösen zu können, bedarf es innovativer, interdisziplinärer Ansätze. Unsere Publikation zeigt, wie Experten aus organischer und anorganischer Chemie im zukunftsträchtigen Bereich der Katalyseforschung gemeinsam erfolgreich neue Lösungsansätze entwickeln können", sagt Evamarie Hey-Hawkins.

Originaltitel der Veröffentlichung in "Chemistry - A European Journal":

"Carboranesas Aryl Mimeticsin Catalysis:A Highly Active Zwitter ionic NHC-Precatalyst"; DOI/10.1002/chem.201701037

Weitere Informationen:

Prof. Dr. Evamarie Hey-Hawkins
Institut für Anorganische Chemie
Telefon: +49 341 97-36151
E-Mail: hey@uni-leipzig.de
Web: anorganik.chemie.uni-leipzig.de


Prof. Dr. Kirsten Zeitler
Institut für Organische Chemie
Telefon: +49 341 97-36538
E-Mail: kirsten.zeitler@uni-leipzig.de


Christoph Selg
Institut für Organische Chemie
E-Mail: christoph.selg@uni-leipzig.de

Weitere Informationen:

http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/chem.201701145/abstract

Susann Huster | Universität Leipzig

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Aus-Schalter für Nebenwirkungen
22.06.2018 | Max-Planck-Institut für Biochemie

nachricht Ein Fall von „Kiss and Tell“: Chromosomales Kissing wird fassbarer
22.06.2018 | Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin in der Helmholtz-Gemeinschaft

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

Noch mehr Reichweite oder noch mehr Nutzlast - das wünschen sich Fluggesellschaften für ihre Flugzeuge. Wegen ihrer hohen spezifischen Steifigkeiten und Festigkeiten kommen daher zunehmend leichte Faser-Kunststoff-Verbunde zum Einsatz. Bei Rümpfen oder Tragflächen sind permanent Innovationen in diese Richtung zu beobachten. Um dieses Innovationsfeld auch für Flugzeugräder zu erschließen, hat das Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit LBF jetzt ein neues EU-Forschungsvorhaben gestartet. Ziel ist die Entwicklung eines ersten CFK-Bugrads für einen Airbus A320. Dabei wollen die Forscher ein Leichtbaupotential von bis zu 40 Prozent aufzeigen.

Faser-Kunststoff-Verbunde sind in der Luftfahrt bei zahlreichen Bauteilen bereits das Material der Wahl. So liegt beim Airbus A380 der Anteil an...

Im Focus: IT-Sicherheit beim autonomen Fahren

FH St. Pölten entwickelt neue Methode für sicheren Informationsaustausch zwischen Fahrzeugen mittels Funkdaten

Neue technische Errungenschaften wie das Internet der Dinge oder die direkte drahtlose Kommunikation zwischen Objekten erhöhen den Bedarf an effizienter...

Im Focus: Innovative Handprothesensteuerung besteht Alltagstest

Selbstlernende Steuerung für Handprothesen entwickelt. Neues Verfahren lässt Patienten natürlichere Bewegungen gleichzeitig in zwei Achsen durchführen. Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) veröffentlichen Studie im Wissenschaftsmagazin „Science Robotics“ vom 20. Juni 2018.

Motorisierte Handprothesen sind mittlerweile Stand der Technik bei der Versorgung von Amputationen an der oberen Extremität. Bislang erlauben sie allerdings...

Im Focus: Temperaturgesteuerte Faser-Lichtquelle mit flüssigem Kern

Die moderne medizinische Bildgebung und neue spektroskopische Verfahren benötigen faserbasierte Lichtquellen, die breitbandiges Laserlicht im nahen und mittleren Infrarotbereich erzeugen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien Jena (Leibniz-IPHT) zeigen in einer aktuellen Veröffentlichung im renommierten Fachblatt Optica, dass sie die optischen Eigenschaften flüssigkeitsgefüllter Fasern und damit die Bandbreite des Laserlichts gezielt über die Umgebungstemperatur steuern können.

Das Besondere an den untersuchten Fasern ist ihr Kern. Er ist mit Kohlenstoffdisulfid gefüllt - einer flüssigen chemischen Verbindung mit hoher optischer...

Im Focus: Temperature-controlled fiber-optic light source with liquid core

In a recent publication in the renowned journal Optica, scientists of Leibniz-Institute of Photonic Technology (Leibniz IPHT) in Jena showed that they can accurately control the optical properties of liquid-core fiber lasers and therefore their spectral band width by temperature and pressure tuning.

Already last year, the researchers provided experimental proof of a new dynamic of hybrid solitons– temporally and spectrally stationary light waves resulting...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Leben im Plastikzeitalter: Wie ist ein nachhaltiger Umgang mit Plastik möglich?

21.06.2018 | Veranstaltungen

Kongress BIO-raffiniert X – Neue Wege in der Nutzung biogener Rohstoffe?

21.06.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen im August 2018

20.06.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Leichter abheben: Fraunhofer LBF entwickelt Flugzeugrad aus Faser-Kunststoff-Verbund

22.06.2018 | Materialwissenschaften

Lernen und gleichzeitig Gutes tun? Baufritz macht‘s möglich!

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

GFOS und skip Institut entwickeln gemeinsam Prototyp für Augmented Reality App für die Produktion

22.06.2018 | Unternehmensmeldung

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics