Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Das genaue Ausmaß von Demenzerkrankungen erforschen

02.06.2010
Wie viele Menschen sind in Deutschland von einer Demenz betroffen? Und wie wird sich die Zahl der Demenzerkrankten in Zukunft entwickeln? Das sind zentrale Fragen, die Prof. Gabriele Doblhammer-Reiter vom Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE) beantworten will. Dazu starten das DZNE und das Wissenschaftliche Institut der AOK (WIdO) jetzt eine bedeutende Zusammenarbeit.

Ziel ist es, mit Hilfe anonymisierter Versichertendaten der AOK erstmals bundesweit verlässliche Zahlen zum Auftreten und Verlauf der Demenzerkrankung zu erheben. Diese fehlen bisher. Um die gesellschaftlichen Herausforderungen einschätzen zu können, sind sie jedoch unbedingt nötig.

Schätzungen zufolge sind in Deutschland etwas mehr als eine Million Menschen von einer Demenz betroffen. Gibt es keine großen Veränderungen im Krankheitsverlauf, so könnte diese Zahl bis 2050 auf etwa drei Millionen ansteigen. Grund ist die steigende Lebenserwartung, die in den nächsten Jahrzehnten vor allem den Anteil der über 80-Jährigen überproportional wachsen lässt. Demenzerkrankungen treten vermehrt im hohen Alter auf. Damit kommen auf die zukünftige Gesellschaft große Herausforderungen für die Therapie, Pflege und Versorgung der Erkrankten zu. Neben der körperlichen und seelischen Belastung für Erkrankte, deren Angehörige und Pfleger verursachen Demenzen erhebliche Kosten im Gesundheitssystem.

Obwohl die Auswirkungen für die Gesellschaft immens sein können, fehlen bisher verlässliche Daten zum Auftreten und Verlauf der Demenzerkrankung in Deutschland. Bisherige Studien beziehen sich oft nur auf einzelne Jahre und können deshalb verschiedene Fehlerquellen enthalten. So könnte sich schon durch ein geschärftes Bewusstsein für Demenzerkrankungen die Anzahl der diagnostizierten Fälle über die Zeit erhöht haben. Betrachtet man hier nur die Zahl einzelner Jahre, ohne etwaige Fehldiagnosen zu berücksichtigen, die sich zu einem späteren Zeitpunkt als solche herausstellen, verfälscht das die Statistik. Außerdem ist die Demenz im Anfangsstadium der Krankheit oft nicht von einer normalen kognitiven Alterung abgrenzbar. Durch die Zusammenarbeit von DZNE und WIdO können die Forscher erstmals auf die routinemäßig erhobenen Verlaufsdaten der Krankenversicherung zurückgreifen. „Die Versichertendaten der AOK sind für unsere genaue Analyse des Ausmaßes der Demenzerkrankung eine einmalige Quelle. Wichtig ist, dass wir erstmalig den Verlauf der Demenzerkrankung über einen längeren Zeitraum und bei einer hohen Anzahl an Patienten beobachten können“, so Prof. Gabriele Doblhammer-Reiter vom DZNE.

Dazu stehen den Forschern nun anonymisierte Angaben zum Alter, Geschlecht, Bundesland sowie Therapie, Pflegebedürftigkeit und Versterben von Demenz-Patienten zur Verfügung. Aus diesen Daten können Erkenntnisse über das Auftreten und den Verlauf von Demenzen in den letzten Jahren gewonnen werden. Dabei können die Diagnoseangaben durch Berücksichtigung des Verlaufs zusätzlich abgesichert werden, wodurch sich deren Validität erhöhen lässt. Die Daten liefern damit wertvolle Aufschlüsse über die derzeitige Diagnose- und Versorgungspraxis. Weiterhin sollen Prognosemodelle entwickelt werden mit dem Ziel, langfristig die Therapie zu verbessern und den Bedarf an Versorgung planbar zu machen. Die Studie soll Erkenntnisse darüber liefern, welcher besondere Bedarf für die ärztliche Behandlung und pflegerische Versorgung von demenzkranken Menschen besteht und wie sich dieser zukünftig entwickeln wird. Sie kann damit eine Grundlage für eine bedarfsgerechte Gestaltung einer hochwertigen Versorgung von Demenz-Patienten darstellen.

„Die Zusammenarbeit zwischen DZNE und WIdO ist ein wichtiger Baustein bei der Bekämpfung neurodegenerativer Erkrankungen. Wir brauchen genaue Zahlen, wenn wir die Auswirkungen für unsere Gesellschaft erfassen wollen. Erst dann können wir das genaue Ausmaß abschätzen und entsprechende Lösungsansätze entwickeln. Ein langfristiges Ziel des DZNE ist es, auf Basis der Daten aller gesetzlichen Krankenversicherungen ein Demenzregister aufzubauen. Damit der Patient schnell von der Forschung profitiert, ist das DZNE eng mit Universitäten und Versorgungseinrichtungen vernetzt“, so Prof. Pierluigi Nicotera, Wissenschaftlicher Vorstand und Vorstandsvorsitzender des DZNE.

Die Daten werden vom WIdO unter Wahrung des Datenschutzes aufbereitet und vom DZNE ausgewertet. Insbesondere ist kein Rückschluss auf einzelne Versicherte möglich.

Zur Person: Prof. Doblhammer-Reiter leitet seit November 2009 eine Forschergruppe am DZNE. Sie leitet zudem das Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels, eine gemeinsame Initiative der Universität Rostock und des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung.

Kontakt:
Prof. Gabriele Doblhammer-Reiter
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE)
Rostocker Zentrum zur Erforschung des Demografischen Wandels
Tel.: +49 (381) 2081-124 (Rostocker Zentrum)
+49 (381) 498-4393 (Universität Rostock)
Email: gabriele.doblhammer-reiter@dzne.de
Sonja Jülich-Abbas
Leitung (kommissarisch) der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen e. V. (DZNE)
Ludwig-Erhard-Allee 2
D- 53175 Bonn
Tel.: +49 (228) 30899-225
Fax: +49 (228) 30899-222
mobil: +49 (172) 2838930
Email: sonja.juelich-abbas@dzne.de

Michael Mennemeier | idw
Weitere Informationen:
http://www.dzne.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen
17.08.2018 | Leibniz Universität Hannover

nachricht Forschende entschlüsseln das Alter feiner Baumwurzeln
17.08.2018 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Farbeffekte durch transparente Nanostrukturen aus dem 3D-Drucker

Neues Design-Tool erstellt automatisch 3D-Druckvorlagen für Nanostrukturen zur Erzeugung benutzerdefinierter Farben | Wissenschaftler präsentieren ihre Ergebnisse diese Woche auf der angesehenen SIGGRAPH-Konferenz

Die meisten Objekte im Alltag sind mit Hilfe von Pigmenten gefärbt, doch dies hat einige Nachteile: Die Farben können verblassen, künstliche Pigmente sind oft...

Im Focus: Color effects from transparent 3D-printed nanostructures

New design tool automatically creates nanostructure 3D-print templates for user-given colors
Scientists present work at prestigious SIGGRAPH conference

Most of the objects we see are colored by pigments, but using pigments has disadvantages: such colors can fade, industrial pigments are often toxic, and...

Im Focus: Eisen und Titan in der Atmosphäre eines Exoplaneten entdeckt

Forschende der Universitäten Bern und Genf haben erstmals in der Atmosphäre eines Exoplaneten Eisen und Titan nachgewiesen. Die Existenz dieser Elemente in Gasform wurde von einem Team um den Berner Astronomen Kevin Heng theoretisch vorausgesagt und konnte nun von Genfern Astronominnen und Astronomen bestätigt werden.

Planeten in anderen Sonnensystemen, sogenannte Exoplaneten, können sehr nah um ihren Stern kreisen. Wenn dieser Stern viel heisser ist als unsere Sonne, dann...

Im Focus: Magnetische Antiteilchen eröffnen neue Horizonte für die Informationstechnologie

Computersimulationen zeigen neues Verhalten von Antiskyrmionen bei zunehmenden elektrischen Strömen

Skyrmionen sind magnetische Nanopartikel, die als vielversprechende Kandidaten für neue Technologien zur Datenspeicherung und Informationsverarbeitung gelten....

Im Focus: Unraveling the nature of 'whistlers' from space in the lab

A new study sheds light on how ultralow frequency radio waves and plasmas interact

Scientists at the University of California, Los Angeles present new research on a curious cosmic phenomenon known as "whistlers" -- very low frequency packets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

LaserForum 2018 thematisiert die 3D-Fertigung von Komponenten

17.08.2018 | Veranstaltungen

Aktuelles aus der Magnetischen Resonanzspektroskopie

16.08.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - Oktober 2018

16.08.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Bionik im Leichtbau

17.08.2018 | Verfahrenstechnologie

Klimafolgenforschung in Hannover: Kleine Pflanzen gegen große Wellen

17.08.2018 | Biowissenschaften Chemie

HAWK-Ingenieurinnen und -Ingenieure entwickeln die leichteste 9to-LKW-Achse ihrer Art

17.08.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics