Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschungsprojekt zum Insektenschwund in Naturschutzgebieten startet

21.05.2019

Gemeinsam mit dem NABU und weiteren Partnern startet das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung (IÖR) ein Projekt, das dem Insektenrückgang auf den Grund gehen und die Basis für wirksame Gegenmaßnahmen schaffen möchte. Im Fokus stehen fliegende Insekten in Naturschutzgebieten. Das IÖR steuert insbesondere umfassende Raumanalysen bei.

Im Rahmen internationaler Abkommen hat sich Deutschland zum Schutz der Biodiversität und ihrer nachhaltigen Nutzung verpflichtet. Um den Rückgang der biologischen Vielfalt aufzuhalten und in einen positiven Trend umzukehren, sind bessere Datengrundlagen erforderlich, die die Anteile der Artenvielfalt – auch in geschützten Gebieten – erfassen. Potenziell negative Einflussfaktoren müssen bewertet und vermieden werden.


Fluginsekt und Acker-Witwenblume

H. Hensel/IÖR-Media

Vor diesem Hintergrund startet der NABU mit Partnern ein umfassendes Forschungsprojekt. Ziel des Projektes DINA (Diversität von Insekten in Naturschutz-Arealen) ist es, wissenschaftlich basiert die Insektenvielfalt in Naturschutzgebieten zu erfassen und zu dokumentieren.

Dazu werden in den nächsten vier Jahren bundesweit in 21 repräsentativen Gebieten mit standardisierten Monitoring-Methoden Insektenpopulationen erfasst.

Für viele Insektenarten in Deutschland gibt es keine Daten zur Gefährdung. Von den bewerteten Insektenarten sind 40 Prozent in den Roten Listen als bedroht eingestuft. Es wird vermutet, dass die Verinselung der Schutzgebiete sowie deren Angrenzung an Nutzflächen zum Rückgang der Artenvielfalt und der Insektenpopulationen beitragen.

Als Handlungsgrundlage bedarf es vertiefender Untersuchungen. Insbesondere bei der artenreichsten Tiergruppe – den Insekten – existiert ein großes Kenntnisdefizit.

Der NABU wird dazu noch in diesem Sommer zusammen mit Projektpartnern mit den Untersuchungen beginnen. Dabei wird die Artenvielfalt von Fluginsekten neben anderen Messgrößen entlang von sogenannten Transekten (Probepunkte entlang einer Linie) in regelmäßigen Abständen erfasst und wissenschaftlich ausgewertet.

Dieses Monitoring wird die bislang umfangreichsten Daten für das Vorkommen von fliegenden Insektenarten in den ausgewählten Schutzgebieten in Deutschland generieren. Dazu wird nicht nur die Masse der Insekten erhoben. Mit Hilfe moderner genetischer Methoden werden zudem vollständigere Artenlisten erstellt.

Das Leibniz-Institut für ökologische Raumentwicklung wird im Forschungsprojekt DINA die rund 9.000 Naturschutz- und FFH-Gebiete (Gebiete der Fauna-Flora-Habitatrichtlinie) Deutschlands einer umfassenden Raumanalyse unterziehen.

Dabei werden die Art der Landnutzung und Landbedeckung ebenso bestimmt und analysiert wie der Grad der Fragmentierung der Schutzgebiete, die Nachbarschaftsbeziehungen zum Umland und mögliche Störfaktoren.

„Diese Schutzgebietsmerkmale sind auch Grundlage für die systematische Auswahl der 21 Untersuchungsgebiete, in denen die Artenvielfalt von Fluginsekten erfasst und wissenschaftlich ausgewertet wird“, erläutert Dr. Gotthard Meinel, der das Projekt im IÖR leitet.

Nach der Bestandsaufnahme der Insekten werden Meinel und sein Team außerdem analysieren, welche Zusammenhänge sich zwischen den Merkmalen der Schutzgebiete und den ermittelten Insektenpopulationen herstellen lassen. Die erhobenen Daten und daraus abgeleiteten Forschungsergebnisse werden in einem Geoportal für Wissenschaft und Zivilgesellschaft visualisiert und so für Folgeuntersuchungen zur Verfügung gestellt.

Die wissenschaftlichen Projektpartner wollen von Anfang an auch die Zivilgesellschaft aktiv einbinden. Wissenschaftliche Daten werden innerhalb des Projektes transparent geteilt und es sind öffentliche Veranstaltungen rund um das Thema Insekten und nachhaltiger Schutz der biologischen Vielfalt geplant. An diesem Diskurs können sich Vertreter von Landesbehörden, Landes- und Bundesministerien, Landwirte und deren Verbände sowie Interessierte aus Gesellschaft und Wirtschaft beteiligen.

Das Projekt wird mit Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) in Höhe von 4,2 Millionen Euro finanziert. Projektträger ist das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Insgesamt beteiligen sich acht Projektpartner.

Wissenschaftliche Ansprechpartner:

Dr.-Ing. Gotthard Meinel, Telefon: (0351) 46 79-254, E-Mail: G.Meinel[at]ioer.de
Dr.-Ing. Martin Behnisch, Telefon: (0351) 46 79-260, E-Mail: M.Behnisch[at]ioer.de

Heike Hensel | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ioer.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Das genetische Geheimnis des Nachtsehens
25.02.2020 | Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik

nachricht Muskelschwund bei Krebs: Botenstoff hilft beim Muskelaufbau
25.02.2020 | Leibniz-Institut für Alternsforschung - Fritz-Lipmann-Institut e.V. (FLI)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

Forscher der Universität Bayreuth haben ein ungewöhnliches Material entdeckt: Bei einer Abkühlung auf zwei Grad Celsius ändern sich seine Kristallstruktur und seine elektronischen Eigenschaften abrupt und signifikant. In diesem neuen Zustand lassen sich die Abstände zwischen Eisenatomen mithilfe von Lichtstrahlen gezielt verändern. Daraus ergeben sich hochinteressante Anwendungsmöglichkeiten im Bereich der Informationstechnologien. In der Zeitschrift „Angewandte Chemie – International Edition“ stellen die Wissenschaftler ihre Entdeckung vor. Die neuen Erkenntnisse sind aus einer engen Zusammenarbeit mit Partnereinrichtungen in Augsburg, Dresden, Hamburg und Moskau hervorgegangen.

Bei dem ungewöhnlichen Material handelt es sich um ein Eisenoxid mit der Zusammensetzung Fe₅O₆. In einem Hochdrucklabor des Bayerischen Geoinstituts (BGI),...

Im Focus: Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

Studie von Mainzer Physikern zeigt: Experimente der nächsten Generation versprechen Antworten auf eine der aktuellsten Fragen der Neutrinophysik

Eine der spannendsten Herausforderungen der modernen Physik ist die Ordnung oder Hierarchie der Neutrinomassen. Eine aktuelle Studie, an der Physiker des...

Im Focus: High-pressure scientists in Bayreuth discover promising material for information technology

Researchers at the University of Bayreuth have discovered an unusual material: When cooled down to two degrees Celsius, its crystal structure and electronic properties change abruptly and significantly. In this new state, the distances between iron atoms can be tailored with the help of light beams. This opens up intriguing possibilities for application in the field of information technology. The scientists have presented their discovery in the journal "Angewandte Chemie - International Edition". The new findings are the result of close cooperation with partnering facilities in Augsburg, Dresden, Hamburg, and Moscow.

The material is an unusual form of iron oxide with the formula Fe₅O₆. The researchers produced it at a pressure of 15 gigapascals in a high-pressure laboratory...

Im Focus: From China to the South Pole: Joining forces to solve the neutrino mass puzzle

Study by Mainz physicists indicates that the next generation of neutrino experiments may well find the answer to one of the most pressing issues in neutrino physics

Among the most exciting challenges in modern physics is the identification of the neutrino mass ordering. Physicists from the Cluster of Excellence PRISMA+ at...

Im Focus: Krankheiten ohne Medikamente heilen

Fraunhofer-Forschende wollen mit Mikroimplantaten Nervenzellen gezielt elektrisch stimulieren und damit chronische Leiden wie Asthma, Diabetes oder Parkinson behandeln. Was diese Therapieform so besonders macht und welche Herausforderungen die Forscher noch lösen müssen.

Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts ist jede vierte Frau von Harninkontinenz betroffen. Diese Form der Blasenschwäche wurde bislang durch ein...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Automatisierung im Dienst des Menschen

25.02.2020 | Veranstaltungen

Genomforschung für den Artenschutz - Internationale Fachtagung in Frankfurt

25.02.2020 | Veranstaltungen

Leopoldina-Symposium: „Mission – Innovation“ 2020

21.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Plasmonen im atomaren Flachland

25.02.2020 | Informationstechnologie

Bayreuther Hochdruck-Forscher entdecken vielversprechendes Material für Informationstechnologien

25.02.2020 | Informationstechnologie

Von China an den Südpol: Mit vereinten Kräften dem Rätsel der Neutrinomassen auf der Spur

25.02.2020 | Physik Astronomie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics