Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Bei den Fiederbartwelsen können schon die kleinsten mithören

29.01.2010
Publikation zu neuen Erkenntnissen über das Hörvermögen von Fischen

Zahlreiche Fischarten sind imstande, Laute zu produzieren und so mit ihren Artgenossen zu kommunizieren. Bis jetzt dachte man allerdings, dass dies Jungfischen aufgrund ihres schlechteren Hörvermögens nicht möglich wäre. Ein Team um Bioakustiker Walter Lechner vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien veröffentlicht nun erstaunliche Ergebnisse.

Walter Lechner hat die Entwicklung des Hörvermögens und der Lautbildung an einem kleinen afrikanischen Wels untersucht und eindrucksvolle Ergebnisse gefunden: Fiederbartwelse aller Altersstufen können miteinander kommunizieren. Die Forschungsarbeit erscheint nun in der aktuellen Ausgabe der internationalen Zeitschrift BMC Biology.

Fiederbartwelse können durch Reiben von Brustflossenstacheln in Gelenkspfannen des Schultergürtels knarrende oder quietschende Laute erzeugen, weshalb sie im Englischen "Squeaker" (Quietscher) genannt werden. Sie produzieren diese Laute, wenn sie von Räubern angegriffen werden und auch bei innerartlichen Auseinandersetzungen um Weibchen oder Verstecke. Dieses Verhalten untersuchte Walter Lechner im Rahmen seiner Dissertation zusammen mit Lidia Eva Wysocki und Friedrich Ladich vom Department für Verhaltensbiologie der Universität Wien anhand des marmorierten Fiederbartwelses "Synodontis schoutedeni", vom kaum 2,5 cm langen Baby bis zum über 15 cm langen ausgewachsenen Fisch. In schallisolierten Räumen wurden die Laute der Tiere aller Größenstufen mittels hochempfindlicher Hydrophone (Unterwassermikrofone) aufgezeichnet und das Hörvermögen durch die Ableitung akustisch evozierte Potentiale (AEP-Methode) vom Kopf gemessen. Die AEP-Methode funktioniert ähnlich den EEG-Ableitungen bei Menschen; die Tiere nehmen dabei keinen Schaden.

Die Analysen dieser Daten brachten überraschende Ergebnisse. So konnten die WissenschafterInnen zeigen, dass sich das Hörvermögen der Fiederbartwelse im Laufe der Individualentwicklung ändert. "Im tiefen und mittleren Frequenzbereich verbessert es sich mit zunehmender Größe, im hohen Frequenzbereich hören allerdings überraschenderweise die kleinsten Tiere am besten. Dies steht im Gegensatz zu bisherigen Forschungen über die nahverwandten Goldfische und Zebrafische", erklärt Zoologe Walter Lechner, und weiter: "Bei diesen beiden Arten, die keine Laute produzieren, konnte keine Änderung des Hörvermögens im Laufe der Individualentwicklung festgestellt werden. Für uns ist neu, dass die jüngsten Tiere im höheren Frequenzbereich besser hören als ihre älteren und größeren Verwandten."

Bei dem Fiederbartwels "Synodontis schoutedeni" nimmt mit dem Heranwachsen der Schalldruckpegel der produzierten Laute ebenso wie die Dauer der Einzellaute zu. Die Laute größerer Tiere sind auch tieffrequenter als die ihrer kleineren Artgenossen. Dies steht im Einklang mit den Ergebnissen der Entwicklung der Lautproduktion bei anderen Fischarten, allerdings konnten bei allen bisher untersuchten Fischen die Kleinsten niemals ihre arteigenen Laute wahrnehmen. Die VerhaltensbiologInnen der Universität Wien konnten somit das erste Mal an einer Fischart nachweisen, dass alle Altersstufen miteinander kommunizieren können. Gründe hierfür sind sicherlich das exzellente Hörvermögen der Fiederbartwelse, aber auch der relativ hohe Schalldruckpegel der von ihnen produzierten Laute.

Lärm in Gewässern - bisher kaum erforscht

Die Ergebnisse all dieser Studien tragen zum Verständnis eines bis jetzt relativ wenig beachteten Problems bei, nämlich des Lärms in Gewässern. Inwieweit sich vom Menschen verursachter Lärm (Schiffslärm, Erhöhung des Lärmpegels der Gewässer durch Flussbegradigungen, Freizeitlärm) auf die Kommunikation und das Verhalten der Fische auswirkt und ob Lärm mit ein Grund für das Verschwinden bestimmter Arten aus manchen Gewässern ist, ist sehr wenig untersucht. All das sind Bereiche, in denen es für die BioakustikerInnen noch viele Fragen zu klären gibt.

Kontakt
Mag. Walter Lechner
Department für Verhaltensbiologie
Universität Wien
1090 Vienna, Althanstrasse 14
T +43-1-4277-544 30
walter.lechner@univie.ac.at
Rückfragehinweis
Mag. Veronika Schallhart
Öffentlichkeitsarbeit
Universität Wien
1010 Wien, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1
T +43-1-4277-175 30
M +43-664-602 77-175 30
veronika.schallhart@univie.ac.at

Alexandra Frey | idw
Weitere Informationen:
http://www.univie.ac.at/175

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Biowissenschaften Chemie:

nachricht Soziale Netzwerke geben Aufschluss über Dates von Blaumeisen
19.02.2020 | Max-Planck-Institut für Ornithologie

nachricht Einblicke in den Ursprung des Lebens: Wie sich die ersten Protozellen teilten
19.02.2020 | Universität Augsburg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Biowissenschaften Chemie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

Künstliche Intelligenz und autonome Mobilität sollen dem Strukturwandel in Thüringen und Sachsen-Anhalt neue Impulse verleihen. Mit diesem Ziel fördert das Bundeswirtschaftsministerium ab sofort ein innovatives Projekt in Halle (Saale) und Ilmenau.

Der Wasserrettungsdienst Halle (Saale) und das Fraunhofer Institut für Optronik,
Systemtechnik und Bildauswertung, Institutsteil Angewandte Systemtechnik...

Im Focus: A step towards controlling spin-dependent petahertz electronics by material defects

The operational speed of semiconductors in various electronic and optoelectronic devices is limited to several gigahertz (a billion oscillations per second). This constrains the upper limit of the operational speed of computing. Now researchers from the Max Planck Institute for the Structure and Dynamics of Matter in Hamburg, Germany, and the Indian Institute of Technology in Bombay have explained how these processes can be sped up through the use of light waves and defected solid materials.

Light waves perform several hundred trillion oscillations per second. Hence, it is natural to envision employing light oscillations to drive the electronic...

Im Focus: Haben ein Auge für Farben: druckbare Lichtsensoren

Kameras, Lichtschranken und Bewegungsmelder verbindet eines: Sie arbeiten mit Lichtsensoren, die schon jetzt bei vielen Anwendungen nicht mehr wegzudenken sind. Zukünftig könnten diese Sensoren auch bei der Telekommunikation eine wichtige Rolle spielen, indem sie die Datenübertragung mittels Licht ermöglichen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) am InnovationLab in Heidelberg ist hier ein entscheidender Entwicklungsschritt gelungen: druckbare Lichtsensoren, die Farben sehen können. Die Ergebnisse veröffentlichten sie jetzt in der Zeitschrift Advanced Materials (DOI: 10.1002/adma.201908258).

Neue Technologien werden die Nachfrage nach optischen Sensoren für eine Vielzahl von Anwendungen erhöhen, darunter auch die Kommunikation mithilfe von...

Im Focus: Einblicke in die Rolle von Materialdefekten bei der spin-abhängigen Petahertzelektronik

Die Betriebsgeschwindigkeit von Halbleitern in elektronischen und optoelektronischen Geräten ist auf mehrere Gigahertz (eine Milliarde Oszillationen pro Sekunde) beschränkt. Die Rechengeschwindigkeit von modernen Computern trifft dadurch auf eine Grenze. Forscher am MPSD und dem Indian Institute of Technology in Bombay (IIT) haben nun untersucht, wie diese Grenze mithilfe von Lichtwellen und Festkörperstrukturen mit Defekten erhöht werden könnte, um noch größere Rechenleistungen zu erreichen.

Lichtwellen schwingen mehrere hundert Trillionen Mal pro Sekunde und haben das Potential, die Bewegung von Elektronen zu steuern. Im Gegensatz zu...

Im Focus: Charakterisierung von thermischen Schnittstellen für modulare Satelliten

Das Fraunhofer IFAM in Dresden hat ein neues Projekt zur thermischen Charakterisierung von Kupfer/CNT basierten Scheiben für den Einsatz in thermalen Schnittstellen von modularen Satelliten gestartet. Gefördert wird das Projekt „ThermTEST“ für 18 Monate vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie.

Zwischen den Einzelmodulen von modularen Satelliten werden zur Kopplung eine Vielzahl von Schnittstellen benötigt, die nach ihrer Funktion eingeteilt werden...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungen

Chemnitzer Linux-Tage am 14. und 15. März 2020: „Mach es einfach!“

12.02.2020 | Veranstaltungen

4. Fachtagung Fahrzeugklimatisierung am 13.-14. Mai 2020 in Stuttgart

10.02.2020 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Gemeinsam auf kleinem Raum - Mikrowohnen

19.02.2020 | Veranstaltungsnachrichten

Fraunhofer IOSB-AST und DRK Wasserrettungsdienst entwickeln den weltweit ersten Wasserrettungsroboter

19.02.2020 | Informationstechnologie

Einblicke in den Ursprung des Lebens: Wie sich die ersten Protozellen teilten

19.02.2020 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics